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Wie beeinflusst der Ukraine-Krieg die Achema? Und wie viele Fachbesucher werden nach Frankfurt/M. kommen. Diese und andere Fragen beantwortet Dr. Björn Mathes im Gespräch mit cav.

Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind die Topthemen der Achema
Sommer, Sonne, Frankfurt

War es ein Fehler, die Achema in die Urlaubszeit zu verschieben? Wie beeinflusst der Krieg in der Ukraine das Geschehen unter dem Frankfurter Messeturm? Und wie viele Fachbesucher werden Ende August nach Frankfurt/M. kommen? Diese und andere Fragen beantwortet Dr. Björn Mathes, stellvertretender Geschäftsführer der Dechema Ausstellungs-GmbH, im Gespräch mit cav.

Normalerweise kommen zu einer Achema etwa 3700 Aussteller. Aktuell haben knapp 2200 Unternehmen ihre Teilnahme an der diesjährigen Veranstaltung zugesagt. Herr Dr. Mathes, war es ein Fehler, die Achema 2022 von April auf Ende August und damit in die Ferienzeit zu verlegen?

Dr. Björn Mathes: Rückwirkend betrachtet, wäre die Durchführung einer international ausgerichteten Veranstaltung wie der Achema in der ursprünglich avisierten ersten Aprilwoche schier unmöglich gewesen. Von daher war es die richtige Entscheidung. Mit knapp 2200 Ausstellern, die sich über 12 Ausstellungsgruppen und auf 13 Hallenebenen verteilen, wird die Achema auch weiterhin ihrem Anspruch als internationale Leitmesse für die chemische und pharmazeutische Technologie gerecht.

Grund für die Verschiebung waren steigende Infektionszahlen wegen der Omikron-Variante. Die Pandemie ist noch nicht vorbei und die Inzidenzen steigen gerade wieder massiv an. Wird die Achema wirklich stattfinden?

Dr. Mathes: Auf alle Fälle. Zwar haben wir derzeit die um sich greifende Omikron-Variante BA5. Allerdings sind wir ebenso wie andere Messeveranstalter weiter, als wir es in der Vergangenheit waren. Es wurden Hygienekonzepte entwickelt, die sich mittlerweile auf zahlreichen Messen bewährt haben. Die sind auch im Sommer auf der Achema im Einsatz.

Werden die geringeren Ausstellerzahlen etwas an der Hallenbelegung ändern?

Dr. Mathes: Die Achema wird in diesem Jahr etwas kompakter daherkommen. Wir belegen auf dem Frankfurter Messegelände 13 Hallenebenen.

Wie viele sind es sonst?

Dr. Mathes: Normalerweise sind es 16 Hallenebenen. Im Zuge der Verschiebung haben wir uns von einigen Hallenebenen getrennt, belegen aber bis auf die Hallen 1 und 10 weiterhin das komplette Messegelände. Ganz neu nutzen wir die Halle 12. Sie wird die mechanischen Verfahren beheimaten. Die Pharmatechnik finden die Fachbesucher wie üblich in Halle 3. Pumpen, Kompressoren und Armaturen sind in den Hallen 8 und 9.0 untergebracht.

Ganz neu ist die Ausstellungsgruppe Digital Hub. Wo wird sie untergebracht sein?

Dr. Mathes: In der Halle 11.0, also in der gleichen Halle, wo sich auch die Automatisierungs- und MSR-Technik befinden.

Welchen Einfluss haben der Krieg in der Ukraine und die mit ihm zusammenhängenden Sanktionen auf die Achema? Ich denke hier besonders an Aussteller und Besucher aus Russland, Weißrussland und der Ukraine.

Dr. Mathes: Russland war für uns nie ein großer Ausstellermarkt. Während wir dieses Interview führen, erwarten wir zwei russische Unternehmen, die weder staatlich noch halbstaatlich und von keinerlei Sanktionen betroffen sind. Ähnlich verhält es sich mit den Besuchern. Hier waren Russland, Weißrussland und die Ukraine zahlenmäßig auch nie dominierend. Allerdings waren die russischen Besucher in den zurückliegenden Jahren sehr investitionsstark.

Die chemische Industrie ist wie kaum eine andere Branche auf fossile Energieträger und Rohstoffe angewiesen. Diese werden sich als Folge des Ukraine-Kriegs weiterhin verknappen. Das erhöht erneut den Zwang zur Dekarbonisierung der chemischen Industrie. Herr Dr. Mathes, spiegelt sich dieser verschärfte Handlungsdruck bereits auf der Achema wider?

Dr. Mathes: Auf jeden Fall. Die unsichere und sich verknappende Rohstoffbasis zwingt die chemische und pharmazeutische Industrie, noch viel früher in klimaneutrale, nachhaltige Technologien zu investieren. Das ist natürlich nicht einfach, weil die Branche kriegsbedingt unter verstärktem Druck steht und möglicherweise eine Rezession droht. Das erschwert einerseits Investitionen in neue nachhaltige Technologien. Andererseits werden sich die politischen Rahmenbedingungen nicht ändern. Der Druck, die Klimaziele zu erreichen, bleibt also bestehen. Und sehr viele, um nicht zu sagen fast alle Aussteller werden Technologien zeigen, die dabei helfen, die Klimaziele zu erreichen.

Auf der diesjährigen Achema werden Ausstellung und Kongressprogramm noch stärker verzahnt sein. Herr Dr. Mathes, was bedeutet das konkret für die Besucher und Aussteller?

Dr. Mathes: Wir wissen aus der Vergangenheit, dass zahlreiche Fachbesucher nur in die Hallen gehen, wo sie die Ausstellungsgruppen finden, die sie interessieren. Den langen Weg über das Messegelände zum Congress Center CMF scheuen viele von ihnen nicht zuletzt aus Zeitgründen. Deshalb haben wir schon immer nach Wegen gesucht, den Kongress, die Praxisforen und Diskussionsformate enger an die thematisch passenden Ausstellungsgruppen zu rücken. Und das ist uns in diesem Jahr gelungen. Das Ergebnis sind kürzere Wege und eine stärkere thematische Interaktion zwischen den Vorträgen im Kongressprogramm und dem Geschehen in der Ausstellung und auf den Ständen.

Ist das jetzt nicht ein geschickter Schachzug, um absehbar nicht belegte Ausstellungsfläche zu kaschieren?

Dr. Mathes: Das würde ich so nicht formulieren. Es ist aber in der Tat so, dass wir durch die geringere Ausstellerzahl Flächen gewonnen haben, die die Umsetzung dieses lange verfolgten Ziels erleichtert haben. In Summe liegen jedoch nur sechs von 21 Bühnen in den Ausstellungsbereichen.

Werden Sie auch auf der Achema 2024 an der stärkeren Verzahnung von Ausstellung und Kongress festhalten?

Dr. Mathes: So ist unsere Planung. Ja.

Bleiben wir noch beim Kongressprogramm. Es sind fünf Thementage geplant. Mit welchen Themen werden die sich beschäftigen?

Dr. Mathes: Der erste Tag steht ganz im Zeichen der „Hydrogen Economy“. „Fossil Free Production“ und „Perspectives in Laboratory & Analytics“ folgen am zweiten und dritten Messetag. Um „Digitalisation in Process Industry“ geht es am vierten Messetag und um „Novel Bioprocesses and Technologies“ am fünften.

Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind die Top-Themen der Achema 2022. Erstere steht beispielsweise auf der „Green Innovation Zone“ im Fokus. Herr Dr. Mathes, was erwartet die Besucher in diesem Ausstellungsbereich?

Dr. Mathes: In diesem Sonderareal dreht sich alles um die grüne Transformation der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Sie bringt Vorreiter, Experten und Lösungsanbieter aus Industrie, Politik und Wissenschaft mit Entscheidern und Anwendern zusammen. Zum Beispiel wird es auch Beiträge aus dem Finanzsektor geben, in denen es um grüne Investitionen und ESG-Ratings geht. Auch Vertreter von NGOs kommen zu Wort. Und nicht zuletzt werden wir dort auch erfolgreiche Nachhaltigkeitsprojekte präsentieren, die von der öffentlichen Hand gefördert wurden.

Top-Thema Nummer zwei ist die Digitalisierung. Das zeigt sich an der neuen Ausstellungsgruppe Digital Hub und an der Aktionsfläche Digital Lab. Was passiert in diesen beiden Ausstellungsbereichen?

Dr. Mathes: Der Digital Hub ist der zentrale Treffpunkt für Digitalexperten und alle Fachleute, die sich für die digitale Transformation der Prozessindustrie interessieren oder sie aktiv mitgestalten. Die Ausstellungsgruppe rückt dezidiert digitale Showcases der Prozessindustrie ins Rampenlicht. Zentraler Ankerpunkt des Digital Hubs wird sicherlich die „Siemens Digital Innovation Stage“ sein, wo die heißesten Digitalisierungsthemen der Prozessindustrie besprochen werden. Auf der Aktionsfläche Digital Lab in Halle 4.1 werden wir zusammen mit verschiedenen Ausstellern das komplett automatisierte und digitalisierte Labor der Zukunft aufbauen.

Herr Dr. Mathes, zum Schluss des Interviews eine Schätzfrage:
Wie viele Fachbesucher werden zur Achema 2022 kommen?

Dr. Mathes: Von anderen Messen wissen wir, dass sich die reduzierte Ausstellerzahl in ähnlichem Umfang in der Anzahl der Fachbesucher widerspiegelt. Wir liegen mit dem derzeitigen Anmeldestand bei ungefähr 60 % der letzten Achema. Ich hoffe also, dass wir eine Besucherzahl zwischen 70 000 und 80 000 Teilnehmern erreichen.

Sommer, Sonne, Strand, Familie – oder stickige Messehallen mit Pumpen und Kompressoren? Können Sie verstehen, dass sich potenzielle Achema-Besucher dann doch lieber für Urlaub entscheiden?

Dr. Mathes: In der Regel kommen die Besucher für einen Tag auf die Achema. Der Sommer ist länger als ein Tag und auch länger als die letzte Augustwoche. Insofern ist es für mich kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch.

Herr Dr. Mathes, vielen Dank für das Interview.

Hallenplan der Achema 2022
Bild: Dechema

Das Interview führte für Sie: Lukas Lehmann

Redakteur, V.i.S.d.P.


Beim Videodreh: Dr. Björn Mathes (rechts) und Lukas Lehmann
Bild: Harald Frater – prozesstechnik.tv

Mehr Informationen:   prozesstechnik.tv

Anfang Juli war die Redaktion cav/prozesstechnik.tv zu Gast bei der Dechema in Frankfurt/M. Bei dieser Gelegenheit haben wir das Interview mit Dr. Björn Mathes aufgezeichnet. Das Video finden Sie auf prozesstechnik.tv.


„Die Achema wird in diesem Jahr etwas kompakter daherkommen. Wir belegen mit knapp 2200 Ausstellern und 12 Ausstellungsgruppen 13 Hallenebenen.“

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