Corden Pharma setzt auf oxidative Abwasseraufbereitung

Stabile Wirkstoffe nachhaltig zerstören

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Wie beseitigt man möglichst gründlich Arzneimittelrückstände aus dem Abwasser? Corden Pharma setzt auf eine Anlage von Envirochemie, die mit Advanced Oxidation arbeitet. Das ist nicht nur effizient – es ist auch in mehrfacher Hinsicht flexibel. Die Anlage ist im Vergleich zu anderen Optionen einfach zu bedienen und zu warten und kann dank Modulbauweise einfach erweitert werden.

Pharmawirkstoffe sind schwer abbaubar. Das liegt in der Natur der Sache – schließlich sollen sie möglichst stabil sein, damit die entsprechenden Moleküle nach Einnahme auch an der richtigen Stelle im Körper ankommen, bevor sie metabolisiert werden. Kommunale Kläranlagen sind deswegen nicht imstande, Arzneimittelrückstände vollständig aus dem Wasser zu entfernen, die Pharmaproduzenten sind also selbst gefordert, ihr Abwasser von den Wirkstoffen zu befreien. Dazu gibt es zwar prinzipiell eine ganze Reihe an Optionen – viele davon sind jedoch vergleichsweise aufwendig oder teuer. Membrantechnik oder Aktivkohle zum Beispiel können die Rückstände abtrennen oder adsorbieren – in allen diesen Fällen aber entsteht ein kontaminierter Rest, der verbrannt werden muss. „Das Beste ist, die Wirkstoffe direkt während der Abwasserbehandlung zu zerstören“, sagt Oliver Brandenberg, Experte für Oxidationsverfahren bei Envirochemie.

Viele Wege zur Oxidation

Die wirksamste Lösung dazu: Die großen Molekülketten, aus denen die Wirkstoffe bestehen, werden durch Oxidation zum Zerfall gebracht. So entstehen neue, kürzere Ketten, die nicht mehr die Eigenschaften der ursprünglichen Wirkstoffe besitzen. Idealerweise wird dieser Vorgang so lange wiederholt, bis nur noch Kohlenstoffdioxid- und Wassermoleküle übrigbleiben. Eine solche Oxidation lässt sich auf vielfältigem Weg erreichen. Ozon ist ein übliches Oxidationsmittel, aber Ozon hat auch Nachteile: Der Umgang mit dem gasförmigen Stoff benötigt eine spezielle Ausbildung und besondere Sicherheitsvorkehrungen, zum Beispiel eine konstante Überwachung der Abluft und der Raumluft. Bei Corden Pharma war sehr schnell klar, dass das Unternehmen nicht mit Ozon arbeiten wollte. Es favorisierte eine sichere, zuverlässige und einfache Lösung.

Das Pharmaunternehmen wollte seine Produktion am Standort im baden-württembergischen Plankstadt erweitern und war dafür auf der Suche nach einem System, das die Wirkstoffe ohne Rückstände aus dem Wasser entfernt, das einfach zu handhaben ist und dabei gleichzeitig ein langfristig überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Mithilfe von Envirochemie entschieden sich die Medikamentenhersteller für eine Oxidation mittels Wasserstoffperoxid und UV-Strahlung. Eine Anlagentechnik, die Envirochemie in flexiblen, erweiterbaren Modulen unter dem Namen Envochem AOP zur Verfügung stellt.

Effizient und sicher zu handhaben

Wasserstoffperoxid ist ein sicheres Oxidationsmittel, das bei Bestrahlung mit UV-Licht zerfällt und Radikale bildet, die wiederum bevorzugt mit Doppelbindungen reagieren, wie sie in den Arzneimittelwirkstoffen üblich sind. Genauso wie beim Einsatz von Ozon führt Wasserstoffperoxid in Kombination mit einer UV-Bestrahlung dazu, dass bei ausreichender wiederholter Behandlung keinerlei Wirkstoffe übrigbleiben und keine Reststoffe anfallen. Im Gegensatz zu Ozon ist Wasserstoffperoxid jedoch einfach und sicher zu handhaben. Es wird dem Abwasser direkt im Envochem AOP-Modul zugefügt, anschließend wird eine 20-m3-Charge in dieser Anwendung über einen kompletten Zyklus von 24 h mit UV-Licht bestrahlt. Der vorbehandelte Teilstrom kann anschließend wieder mit dem restlichen Abwasser gemischt und in die Kanalisation eingeleitet werden.

Die exakt benötigte Dosis an Wasserstoffperoxid und UV-Strahlen wird zuvor im Labor berechnet und getestet. Dabei ist es alles andere als trivial, Arzneimittelrückstände im Wasser zu messen, da jeder Wirkstoff andere Messmethoden benötigt. Allerdings gibt es Hilfsmittel: Messen lässt sich zum Beispiel die organische Fracht im Wasser, sowohl über den TOC-Wert als auch über den chemischen Sauerstoffbedarf (CSB). Auf diese Weise können die Experten über Messreihen im Labor sehr exakt bestimmen, dass bei einem bestimmten CSB der im Wasser befindliche Wirkstoff zu 99,9 % beseitigt ist. Diese Messungen werden für jede neue Anlage spezifisch durchgeführt, um diese anschließend passgenau zu konfigurieren, damit die Behandlung maximal wirtschaftlich ist. „Wir nehmen bei unseren Messreihen auch immer den Worst Case an, also zum Beispiel eine ungewöhnlich hohe Belastung“, sagt Brandenberg. Das gewünschte Limit sind dabei höchstens ein Mikrogramm an Wirkstoff pro Liter (μg/l) – dieses Limit wird beim Beispiel der Anlage von Corden Pharma auch dann erreicht, wenn 10 000 µg Rückstände eingeleitet werden sollten (siehe Grafik).

Flexibel und jederzeit nachjustierbar

Ändern sich die Parameter, beispielsweise weil mehr Abwasser anfällt, als zuvor erwartet, lassen sich beim Envovchem AOP-Modul vergleichsweise einfach auch die Dosierungen nachjustieren, zum Beispiel indem Strahler nachgerüstet werden, mehr Wasserstoffperoxid verwendet wird, oder ein Katalysator wie Titanoxid oder Eisen die Reaktion beschleunigt. Natürlich erfordern veränderte Parameter wiederum neue Labortests.

Diese Flexibilität ist für das Unternehmen sehr wichtig. Denn Corden Pharma ist ein Lohnfertiger und Dienstleister, der sich auf orale, sterile und hochkonzentrierte pharmazeutische Produkte und Wirkstoffe spezialisiert hat. Allein am Standort Plankstadt werden bis zu sechs verschiedene Einzelwirkstoffe produziert. „Das Envochem AOP-Modul kommt nachweislich mit diesem Wirkstoff-Cocktail zurecht“, betont Brandenberg.

Flexibel handhaben und nachjustieren lässt sich die Anlage von Envirochemie nicht zuletzt aufgrund ihrer Modulbauweise: Ein einzelnes Modul behandelt derzeit für Corden Pharma am Standort Plankstadt 25 m3 Abwasser pro Tag. Bei einer Erweiterung des Doppelstockcontainers könnten einfach ein weiterer Reaktor mit 15 m3 Gesamtvolumen sowie ein Pufferbehälter hinzugefügt werden. Der erforderliche Platz dafür ist bereits jetzt miteingeplant.

Die Modulbauweise hat zudem den Vorteil, dass die Anlage weder in die Produktionshalle eingegliedert werden muss, die in der Pharmaindustrie meist steril gehalten werden muss, noch einen eigenen Neubau braucht. Beim Envochem AOP-Modul, das vor der Halle platziert wird, laufen die Genehmigungen schnell. Verlegt werden müssen meistens nur die Rohrverbindungen unter der Erde. Und – bei Bedarf kann der Nutzer die Anlage sogar abbauen und an einem anderen Standort errichten, z. B. falls eine Produktionslinie den Ort wechselt.

www.prozesstechnik-online.de

Suchwort: cav0918envirochemie


Autor: David Frogier de Ponlevoy

Freier Journalist

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