ERP-Systeme für die Prozeßindustrie. Marktstudie untersucht Systemeignung und wirtschaftliche Sicherheit - prozesstechnik online

Marktstudie untersucht Systemeignung und wirtschaftliche Sicherheit

ERP-Systeme für die Prozeßindustrie

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Während der vergangenen zwei Jahre ist der Softwaremarkt für Prozeßfertiger in Bewegung geraten. Neben spezialisierten Softwarehäusern wie Ross Systems oder Marcam haben auch die großen Anbieter von ERP-Systemen die Prozeßindustrie als interessante Zielgruppe erkannt. IT Research hat in einer Studie untersucht, wie gut die speziellen Anforderungen erfüllt werden.

Matthias Uhrig, Bernd Kox, Tonio Grawe

SAP, weltweiter Marktführer im ERP-Segment (Enterprise Resources Planning), begründete mit der Entwicklung und Integration des Moduls PP-PI (Prozeßindustrie) eine Branchenlösung für diesen Markt. Mit zeitlicher Verzögerung begann auch Baan mit der Entwicklung von Prozeßmodulen. Aufsehen erregte im Herbst 1996 das Softwarehaus Oracle, das zur Stärkung seiner Oracle Applications-Produktlinie die Firma Datalogix, einen auf Prozeßfertigung spezialisierten Softwareanbieter, übernahm.
Diese und andere Beispiele verdeutlichen, daß der Softwaremarkt für die Prozeßindustrie eine erhebliche Dynamik auf weist. Gestern noch angekündigte zukunftsweisende Lösungen kommen heute nicht auf den Markt, weil die Anbieter diesen unterschätzen und insbesondere immer wieder feststellen müssen, daß die einfache Übertragung herkömmlicher Verfahren und Denkweisen aus der diskreten Fertigung auf die produktionsnahen Bereiche der Prozeßindustrie nicht automatisch zum gewünschten Erfolg führt. Gerade geschlossene Allianzen brechen wieder auf – zugunsten neuer hoffnungsvoller Verbindungen. Versprechungen über technologische Entwicklungen werden nicht eingehalten.
Kritisch prüfen
Aus den genannten Gründen sollten Softwareprodukt und Softwarelieferant sehr sorgfältig und kritisch ausgewählt werden. Bevor über entsprechende Projekte mit Umfängen von in der Regel ein- bis dreistelligen Millionenbeträgen entschieden wird, gilt es unter anderem folgende Fragen präzise zu klären:
• Ist der Anbieter einer Softwarelösung ein strategischer Partner für die Zukunft? Reichen seine Kapazitäten aus, um einen Einführungsprozeß – gegebenenfalls an mehreren internationalen Standorten – sachgerecht zu begleiten?
• Entsprechen die Basistechnologien der Softwarelösung den Erfordernissen der Zukunft? Gestatten sie die Abwicklung von Geschäftsprozessen über das Internet, die weltweite Haltung verteilter Daten oder die Schaffung von Schnittstellen zu anderen innovativen Softwarekomponenten?
• Sind die Modalitäten der Lösung über die Lizenzkosten hinaus wirtschaftlich akzeptabel? Können Festpreise und -zeitpläne garantiert werden?
Die im Januar veröffentlichte Studie bietet in diesem Kontext Informationen, Unterstützung und damit letztlich ein weiteres Stück Sicherheit bei der Auswahl von ERP-Standardsoftware für die Prozeßindustrie. Sie gibt insbesondere über die heute für größere Projekte am Markt relevanten Anbieter und Lösungen Aufschluß. Vergleichbarkeit wird sowohl über qualitative, als auch – wo möglich – über quantitative Dimensionen hergestellt.
Vorgehensweise und Struktur
Die Verfasser dieser Studie sind Berater mit langjähriger Berufserfahrung auf dem Gebiet des Informations- und Prozeßmanagements und in der Industrieberatung. Dadurch wird gewährleistet, daß die Systeme und Hersteller neutral, objektiv und aus Sicht des potentiellen Anwenders und nicht durch eine „theoretische Brille“ betrachtet werden. Der wissenschaftliche Background stellt jedoch – bei allem notwendigen Praxisbezug und Pragmatismus – eine strukturierte Vorgehensweise und einen transparenten, reproduzierbaren Evaluationsprozeß sicher.
Aufbauend auf dieser Expertise basiert die Studie auf einem intensiven und mehrstufigen Auditierungs-Prozeß. Anbieter und Systeme werden aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und analysiert, wobei Aspekte wie die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens ebenso betrachtet werden wie die grundlegende Eignung des Systems für die Prozeßfertigung oder finanzielle Konditionen und Einführungsstrategien.
Integrierte Standardsoftware und insbesondere ERP-Systeme erheben den Anspruch, die gesamten Geschäftsvorfälle und -prozesse eines Unternehmens planbar, steuerbar und kontrollierbar zu machen. Dementsprechend ist eine rein punktuelle Abfrage einzelner Funktionen, wie sie in vielen Fein-Pflichtenheften in Auswahlprozessen üblich ist, nach Meinung von IT Research nicht sinnvoll. Geschäftsprozesse erstrecken sich über Funktionsbereiche und Unternehmensgrenzen hinweg. Zumeist ist es wichtiger, daß das Zusammenspiel dieser Bereiche optimiert und Reibungsverluste vermieden werden, als sich mit den letzten Funktionsdetails auseinanderzusetzen.
Aus diesem Grund wurden die ERP-Systeme unter anderem anhand von Geschäftsteilprozessen und Basisanforderungen analysiert. Die Geschäftsprozesse berücksichtigen die Besonderheiten der Prozeßindustrie und die grundlegenden Anforderungen hinsichtlich Integration und Funktionalität eines ERP-Systems.
Auf die Anforderungen der Prozeßindustrie zugeschnitten
In der Studie werden ERP-Systeme aus der Sicht der Prozeßindustrie betrachtet. Der Schwerpunkt der Analyse liegt dementsprechend auf den kritischen, weil für die Prozeßindustrie spezifischen Bereichen. Auf die Betrachtung kritischer Prozesse und Funktionalitäten der Finanz- und Controllingbereiche wurde, aufgrund der hohen Standardisierung dieser Prozesse, bewußt verzichtet.
ERP-Systeme, also integrierte Informations- und Transaktionssysteme zur Planung und Steuerung aller Unternehmensprozesse und -ressourcen, sind nicht erst seit den Markterfolgen von Unternehmen wie SAP, Oracle oder Baan in aller Munde. Sie verheißen die informationstechnologische Verwirklichung von Zielen wie „optimaler Ressourceneinsatz“, „präzise Planung und Kontrolle“, „größtmögliche Integration aller Marktpartner“ oder „bestmögliches Qualitätsmanagement“.
Die Prozeßindustrie stellt an solche Systeme enorm hohe Anforderungen. Im Vergleich zur diskreten Fertigung, etwa dem Automobil- oder Maschinenbau, existieren zusätzliche Anforderungen:
• Produktions- und Logistikparameter wie Temperatur, Druck, Berücksichtigung chemischer Reaktionen (beispielsweise Explosionsgefahr), spezifische Lager- und Transportgegebenheiten, Verpackungsparameter und Mengeneinheiten müssen verwaltet und gesteuert werden.
• Besondere Qualitätsmerkmale spielen eine Rolle und führen insbesondere zu variierenden Anforderungen der Kunden: Lagerzeiten, Verderblichkeitsaspekte, die lückenlose Rückverfolgung von Produktionschargen und ähnliche Faktoren müssen in der Software berücksichtigt werden.
• Anforderungen des Umweltschutzes, Entsorgungsparameter, Gift- und Gefahrstoffbehandlung sind in den Funktionalitäten abzubilden.
Im internationalen Warenverkehr existieren speziell für die Sparten der Prozeßfertigung eine Reihe von strengen Vorschriften und Regularien, die weit drastischer sind, als in den diskreten Industrien und zuverlässig in ERP-Systemen administriert werden müssen. Dazu zählen etwa die Regelung von Grund-, Farb- und Konservierungsstoffen, Regelungen zur Behandlung von Drogen oder nicht zuletzt ethnische Vorschriften (etwa die Herstellung von koscheren Nahrungsmitteln).
Umfassende Audits
Neben SAP werden auch die Hersteller Baan, Marcam, QAD, SSA und Ross in sehr ausführlichen, tiefgehenden Audits evaluiert. Die Ergebnisse dieser Analysen faßt die abgebildete zweidimensionale Grafik zusammen. In der einen Dimension ist die „Ökonomische Stärke“, in der anderen Richtung die „Strategische/Visionäre Stärke“ der Hersteller aufgetragen.
SAP hat hinsichtlich der hier bewerteten Kriterien im weltweiten ERP-Markt seine uneingeschränkte Spitzenposition in den letzten Jahren weiter stark ausgebaut. Das Unternehmen ist bezüglich visionärem Potential, Finanzkraft und Wachstum zum heutigen Zeitpunkt der Maßstab für alle Wettbewerber. Baan zeigt als seit einiger Zeit in Europa etablierte „Nummer 2“ in den letzten Monaten Schwächen und interne Irritationen am Markt. Bei Ross-Systems, Marcam und QAD fallen besonders die geringere Präsenz in Europa und speziell in Deutschland negativ ins Gewicht.
Betrachtet man speziell die Eignung der Software für die Prozeßindustrie, so stellt IT Research bei Marcam als Folge seiner absoluten und ausschließlichen Spezialisierung auf die Prozeßindustrie eine Spitzenposition fest. Alle auditierten prozeßrelevanten Spezialfunktionen werden von dem Marcam-Produkt abgedeckt. Ross-Systems und SSA haben sich ebenfalls verstärkt auf die Prozeßindustrie ausgerichtet. SAP hat in diesem Feld – bislang erfolgreich – eine kräftige Aufholjagd begonnen. Die übrigen Produkte finden sich im Mittelfeld wieder.
Die Autoren der Studie weisen darauf hin, daß die Gewichtung der Bewertungskriterien stets an die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens angepaßt werden muß. Die Ergebnisse können sich dann im Einzelfall wesentlich von der hier zusammengefaßten Bewertung unterscheiden.
Weitere Informationen cav-231
Evaluiert: ERP für die Prozeßindustrie
Die in der Studie evaluierten Produkte:
• Baan IV,
• Marcam Protean,
• QAD MFG / PRO,
• SAP R/3,
• SSA BPCS und
• Ross Renaissance Polaris.
Die in vier Evaluationsblöcke unterteilten Audits:
• Hersteller-Audit,
• Produkt-Audit,
• Technologie-Audit,
• Kooperationsszenario-Audit.
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