Investoren gesucht. Region Bordeaux will zu einem der größten Chemiestandorte Europas werden - prozesstechnik online

Region Bordeaux will zu einem der größten Chemiestandorte Europas werden

Investoren gesucht

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Bereits heute ist die chemische Industrie einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Aquitaniens. Dennoch soll in Zukunft der Chemiesektor vor allem durch die Ansiedlung ausländischer Unternehmen ausgebaut werden. Hierbei hilft die Bordeaux Region Development Agency. Sie betreut neue Investoren bei der Realisierung ihrer Projekte.

Die Städtegemeinschaft Bordeaux zählt mit ihren 80 0000 Einwohnern zu den größten Frankreichs. Sie befindet sich in der Region Aquitanien, in der insgesamt 2,8 Millionen Menschen leben. Die Wirtschaft von Bordeaux und seiner Umgebung, der Gironde, wird nicht nur durch Landwirtschaft und Weinbau getragen. Daneben bestimmen Unternehmen der Verteidigungs-, Luft- und Raumfahrtindustrie, des Automobilbaus, der Elektrotechnik und Elektronik, der Holz- und Papierindustrie sowie der Chemie und Pharmazie die Wirtschaft der Region. Insgesamt haben sich in Aquitanien mehr als 16 000 Industrieunternehmen niedergelassen. Sie beschäftigen über 25% der in der Region lebenden Menschen.

In der ersten Hälfte der 90er Jahre verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation drastisch, und es kam zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Ursachen dafür waren signifikante Umsatzeinbrüche besonders in der Rüstungsindustrie, aber auch die Verlagerung von Industriestandorten und tiefgreifende Rationalisierungsmaßnahmen in verschiedenen Branchen. Gesucht wurden neue Investoren, die zukunftssichere Arbeitsplätze in der Region schaffen.
Vor diesem Hintergrund gründeten 1996 die Stadt Bordeaux gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer sowie verschiedenen kommunalen und regionalen Vereinigungen die Bordeaux Region Development Agency (B.R.A.). Heute unterstützen auch andere Partner aus Wirtschaft und Politik sowie mehr als 50 regionale Unternehmen die B.R.A.
B.R.A hilft bei der Ansiedlung neuer Firmen
Die Bordeaux Region Development Agency hat das Ziel, Bordeaux und die Gironde als Industriestandort auf internationaler Ebene bekannt zu machen, neue Investoren zu gewinnen und ihnen bei der Realisierung ihrer Projekte vor Ort zu helfen. Wilfred Muskens, Projekt Manager Europe der B.R.A., erläutert: „Mit der B.R.A. haben ausländische Investoren einen Ansprechpartner, der sie in juristischen Fragen berät und ihnen bei der Auswahl geeigneter Flächen und bei der Erstellung von Finanzierungsplänen hilft. Außerdem unterstützen wir die Investoren bei der Suche nach qualifiziertem Personal, Subunternehmen und Partnern für Joint-ventures. Dabei sind alle unsere Aktivitäten für den Investoren kostenlos.“ In der Regel begleitet die B.R.A. die neuen Unternehmen ein bis zwei Jahre.
Ein zentrales Problem für Investoren sind die finanziellen Rahmenbedingungen für die Realisierung ihrer Projekte. Nach den Worten von Muskens leisten Stadt und Region direkte Finanzhilfen, deren Höhe vom Investitionsvolumen, der Branche und der Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze abhängt. Das Geld kann für Gebäude, Maschinen und Anlagen oder für Forschung und Ausbildung eingesetzt werden. Zudem ist für einen Zeitraum von maximal sechs Jahren eine Befreiung von der Gewerbesteuer möglich.
Besondere Priorität kommt gegenwärtig der Entwicklung der chemischen Industrie zu. Muskens betont, daß Investoren aus der Chemie und dem mit ihr zusammenhängenden Anlagen- und Apparatebau maximale finanzielle und logistische Unterstützung erhalten. In diesem Zusammenhang sucht die B.R.A. auch verstärkt Kontakt zu deutschen Unternehmen.
Besonders für die Neuansiedlung von chemischen und pharmazeutischen Betrieben weist Bordeaux und seine Umgebung folgende Vorteile auf:
• Erschlossene Flächen auch für Anlagen mit schwierigen Betriebsbedingungen,
• Energie- und Wasserversorgung zu europaweit günstigen Preisen,
• kurze Genehmigungsverfahren,
• ausgezeichnete verkehrstechnische und logistische Infrastruktur durch den internationalen Flughafen, die günstige Anbindung an das Streckennetz der französichen Eisenbahnen SNCF, den Hafen und das leistungsfähige Straßennetz,
• Universitäten und öffentliche Forschungsinstitute, die nicht nur qualifiziertes Fachpersonal ausbilden, sondern auch über große Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit der Industrie verfügen,
• hohes lokales Marktpotential durch bereits vorhandene Unternehmen.
Ein weiterer wesentlicher Punkt für Investoren ist das soziale Klima in der Region. Dazu Muskens: „Investoren finden hier eine sehr gut ausgebildete Arbeitnehmerschaft. Zudem gibt es hier kaum soziale Probleme. Beispielsweise erlebte der Hafen Bordeaux in den 25 Jahren seines Bestehens nur einen Streiktag. Gleiches gilt natürlich auch für andere Unternehmen. Das ausgewogene soziale Klima wird durch die sehr hohe Lebensqualität in der Region bestimmt.“
Chemiestandort Aquitanien
Nach Schätzungen des Französischen Instituts für Statistik, INSEE, gibt es in Aquitanien 210 Chemiebetriebe, die etwa 7,5% der Industriearbeitsplätze in der Region stellen. Sie geben damit insgesamt 13 500 Menschen Arbeit, darunter etwa 500 Forschern und 300 Studenten. Die chemische Industrie ist mit 7,3%, das entspricht etwa 4,5 Milliarden FF, an der industriellen Wertschöpfung der Region beteiligt. Ein Großteil der erzeugten Produkte wird exportiert.
Zu den in der Region ansässigen Chemieunternehmen gehören u. a. Cofrablack und Eka Chimie. Beide unterhalten recht enge Kontakte zur B.R.A. und unterstützen sie auch in ihren Aktivitäten.
Cofrablack, einer der bedeutendsten Rußhersteller Europas, wurde 1959 von den amerikanischen Unternehmen Philips Petroleum Company und Continental Carbon Company gegründet. Bereits 1960 wurden die ersten drei Produktionslinien in Ambès in Bertrieb genommen, 1970 folgte die vierte. Ausgangsstoffe für die Rußherstellung sind schweres Erdöl aus Steamcrackern und Erdgas. In der ersten Hälfte der 80er Jahre kam es in Zusammenhang mit den deutlich gestiegenen Erdölpreisen zu erheblichen Umsatzeinbußen, in deren Folge man 1984 eine Produktionslinie stillegte. 1986 übernahm Degussa zu 100% die Anteile der Philips Petroleum Company. Da sich die Absatzsituation in den Folgejahren deutlich verbesserte, wurde 1990 erneut die vierte Produktionslinie in Betrieb genommen. Heute produziert Cofrablack insgesamt 82 000 Tonnen Ruß pro Jahr. Das Unternehmen erwirtschaftet mit 125 Mitarbeitern einen Umsatz von 49,3 Millionen US-Dollar. Auf die Frage, warum das Unternehmen seit fast 40 Jahren in der Region Bourdeaux produziert, antwortet Claude Perchicot, Geschäftsführer von Cofrablack: „Trotz höherer, transportbedingter Rohstoffpreise haben wir hier insgesamt eine günstige Kostenstruktur. Zum einen sind Elektrizität und Erdgas sehr billig in Frankreich, und zum anderen ist, beispielsweise im Vergleich zu Deutschland, das Lohnniveau etwas niedriger. Außerdem erreichen wir von diesem Standort aus sehr gut den französischen und spanischen Markt.“
Die Nähe zu den Hafenanlagen in Ambès und die sehr gute Anbindung an das Straßen- und Eisenbahnnetz waren auch für die EKA Chimie SA, einer Akzo-Nobel-Tochter, ein wesentlicher Standortvorteil. Seit 1992 produziert das Unternehmen in Savoie und in Ambès verschiedene Chemikalien zur Papierveredelung. Insgesamt beschäftigt es an den beiden Produktionsstandorten 103 Mitarbeiter. In Ambès betreibt Eka Chimie zwei Elekrolyseanlagen zur Herstellung von Natriumchlorat, das zum Bleichen von Papier eingesetzt wird. Die Kapazität der kontinuierlich arbeitenden Anlagen liegt bei 60 000 Tonnen pro Jahr. Über 60% des hergestellten Kaliumchlorats ist für den französischen und spanischen Markt bestimmt.
Frachthafen von Bordeaux
Der Frachthafen von Bordeaux besteht aus insgesamt sechs Hafenanlagen, die über eine Länge von 100 Kilometern an den Ufern der Gironde und Garonne verteilt sind. Die älteste Anlage befindet sich direkt in Bordeaux, sie wird heute nur noch in geringem Umfang genutzt. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind die Hafenanlagen in Bassens, Ambès, Blaye, Pauillac und in Le Verdun an der Mündung zum Atlantischen Ozean. Für den Umschlag von Chemieprodukten sind insbesondere Bassens und Ambès ausgelegt. Im Durchschnitt kommen pro Jahr 1600 Schiffe an die 35 Anlegestellen im Frachthafen von Bordeaux. Die Schiffe können einen Tiefgang von 10 bis 12,5 Metern haben. Mit 500 Beschäftigten werden in jedem Jahr 8,5 bis 9 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen. Davon sind etwa die Hälfte Erdöl und Erdölprodukte. Der Umsatz lag 1997 bei 250 Mio. FF. „Der Hafen von Bordeaux“, so Phillippe Prat, Vertreter des Port Autonome de Bordeaux, „ist ein mittelgroßer Hafen mit großen Entwicklungspotentialen. Für die Neuansiedlung von Unternehmen halten wir im Hafen 4000 Hektar freie Flächen bereit.“
Französische Eisenbahngesellschaft ist auf Gefahrstofftransportespezialisiert
Neben dem Seeweg steht für den An- und Abtransport von chemischen Produkten auch das leistungsfähige Streckennetz der französischen Eisenbahnen SNCF zur Verfügung. Per Bahn werden 30% des gesamten Transports von Erdöl, Chemieprodukten und Metallen abgewickelt. Allein der Geschäftsbereich Erdöl, Chemie und Metalle bewegt jährlich 20 Mio. Tonnen Fracht durch Frankreich und Europa. Davon sind 80% Gefahrstoffe.
Das Serviceangebot der französischen Eisenbahngesellschaft erläutert Patrick Mayen, Niederlassungsleiter der Direktion Bordeaux,: „SNCF hat ein internationales Vertriebsnetz aufgebaut, das nun auch Osteuropa einbezieht. Wir transportieren beispielsweise verschiedene Mineralsäuren, Natronlauge, Chlor, Alkohole und Kohlenwasserstoffe. In Abhängigkeit von der Transportmenge bieten wir unseren Kunden Vollzüge mit einem Fassungsvermögen von 1000 bis 2400 Tonnen, Halbzüge für 500 Tonnen und mehr sowie einzelne Wagons an. Mit den einzelnen Wagons können mehr als 25 Tonnen Fracht transportiert werden. Die Voll- und Halbzüge gehen auf direktem Weg zum Empfänger. Auch die Einzelwagons kommen durch eine entsprechende Zusammenstellung unserer Züge schnellstmöglich an ihr Ziel.“
Des weiteren ist die Bahn bemüht, neu angesiedelten Firmen umgehend einen Schienenanschluß zu verschaffen. Hierfür gibt es sehr günstige Finanzierungsmodelle über spezielle Kredite mit niedrigen Zinsen sowie Rabatte je Tonnenumschlag.
Leistungsfähige Universitätenund Forschungsinstitute
Ein weiterer bedeutender Standortvorteil für die chemische Industrie ist die Nähe zu Forschungsinstituten, beispielsweise zur Universität Bordeaux I, zur Ecole Nationale Supérieure De Chimie Et De Physique De Bordeaux (ENSCPB), zum Forschungszentrum Paul Pascal und zum Institut für Festkörperchemie. Die letzten beiden Einrichtungen gehören zum staatlichen Wissenschafts- und Forschungsinstitut CNRS. Bei der praxisorientierten Lösung von Forschungsaufgaben pflegen die Institute eine enge Zusammenarbeit mit der Industrie. Gleichzeitig unterhalten sie vielfältigste internationale Kontakte und bilden qualifiziertes Fachpersonal aus. So kommen etwa 15 bis 20% der Studenten, die ihr Studium an der Universtität Bordeaux erfolgreich abgeschlossen haben, aus dem Fachbereich Chemie.
Zukunftsweisende Forschungsarbeit leistet das Institut Européen De Chimie Et De Biologie (IECB) an der Ecole Polytechnique. „Das Institut wurde 1997 gegründet“, erklärt Institutsdirektor Dr. Joseph Wagner, „um wissenschaftliche Phänomene an der Grenze zwischen Chemie und Biologie zu erforschen. Unser Aufgabenspektrum reicht daher von der Entwicklung neuartiger Moleküle am Computer über die organische Synthese bis hin zur Zellularbiologie und der Biophysis von organisierten biologischen Systemen.“
Eine Besonderheit des IECBs ist seine Organisation: Das Institut wird von einem internationalen wissenschaftlichen Rat geleitet. Über 50% aller Wissenschaftler, Doktoranten und Post-docs kommen aus dem Ausland. Zudem gibt es am Institut keine festen Positionen. Alle Wissenschaftler erhalten befristete Verträge. Dazu Wagner: „Unsere Struktur garantiert eine hohe Flexibilität und Motivation. Außerdem unterstreicht sie den internationalen Charakter moderner Forschung.“ (le)
Weitere Informationen cav-201
Chemische Industrie in Frankreich
Die chemische Industrie Frankreichs belegt nach den USA, Japan und Deutschland weltweit den vierten Platz.
Nach Angaben des lokalen Arbeitgeberverbandes Chemie, CRICCAq, konnte die französische chemische Industrie zwischen 1996 und 1997 ein Wachstum von 2,4% verzeichnen. Dieser Wert liegt für die gesamte EU bei 2,6%. Die größte Wachstumsrate erreichte im genannten Zeitraum Asien mit 6,7%, gefolgt von Südamerika mit 4,7% und den USA mit 3,8%. Für 1998 erwartet CRICCAq für die chemische Industrie Frankreichs ein Wachstum von etwa 3,5%.
Ähnlich erfreulich ist die Situation bei der Produktmengenentwicklung. Im Vergleich zur gesamten EU und den USA war Frankreich 1997 mit einer Steigerungsrate von 5,2% der Spitzenreiter. Auch im nationalen Vergleich bleibt dieser positive Trend erhalten. Während das Produktionsvolumen aller nichtchemischen Branchen zwischen 1990 und 1997 fiel bzw. stagnierte, konnte die französische Chemieindustrie in diesem Zeitraum ihre Gesamtproduktionsmenge um fast 30% steigern. Deutliche Zuwächse gab es auch beim Export. 1995 wurden Produkte im Wert von 203,7 Mrd. FF exportiert. 1997 waren es Waren im Wert von 239,4 Mrd. FF. Hauptabnehmer der französischen Chemieprodukte sind die EU, die USA, Osteuropa und Asien.
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