Dichtungen

Nische statt Massenware

Geballte Dichtungskompetenz bei Greene, Tweed: Verkaufsleiter Gereon Schenk (links), Marketingleiterin Maria Hohmann (Mitte) und Geschäftsführer Gerd Dlugosch (rechts)
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Dichtung ist nicht gleich Dichtung. Es gibt Dichtungen, die werden zu Hunderttausenden in jedem Haushalt eingesetzt, und es gibt Dichtungen, die speziell für eine Anwendung sozusagen komponiert wurden. Während erstere nur einige Cent im Baumarkt kosten, sind letztere eine teure Angelegenheit, in der entsprechendes Know-how steckt. In diesem Nischenmarkt tummelt sich die Greene, Tweed & Co. GmbH aus Hofheim.

Greene, Tweed stellt nicht nur Hochleistungsdichtungen her, sondern verbindet sein Wissen über Dichtungswerkstoffe und das Design von Dichtungsgeometrien mit Anwenderkenntnissen in den verschiedensten Märkten. Bereits zu Beginn der Aufgabenstellung arbeiten die Vertriebsmitarbeiter eng mit dem Kunden zusammen, um innovative, effiziente und vor allem zuverlässige Lösungen für die spezifischen Anwendungsfälle zu finden. cav unterhielt sich mit Geschäftsführer Gerd Dlugosch, Verkaufsleiter Gereon Schenk und Marketingleiterin Maria Hohmann über Unternehmensphilosophie, Ziele und neue Produkte.

cav: Herr Dlugosch, können Sie bitte kurz die Unternehmensstruktur und das Produktportfolio von Greene, Tweed umreißen.
Dlugosch: Greene, Tweed ist ein weltweit führender amerikanischer Hersteller von Hochleistungsdichtungen mit Sitz in Kulpsville/Pennsylvania. Das Unternehmen wurde 1863 gegründet und befindet sich in privater Hand. Greene, Tweed verfügt über sieben Fertigungsstätten, davon vier in den USA und je eine in England, der Schweiz und Benelux, und beschäftigt mehr als 1200 Mitarbeiter. Die deutsche Niederlassung wurde 1981 in Königstein/Taunus gegründet. Zu Beginn bestand sie nur aus zwei Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 100 000 DM. In den Achtzigerjahren entstanden weitere Niederlassungen in Frankreich, England und Japan, in den Neunzigerjahren kamen im asiatischen Raum die Niederlassungen Singapur und Korea hinzu, im Jahre 2001 Benelux und 2003 Italien. Ferner gibt es zahlreiche Gebietsvertretungen rund um den Globus. Am Standort Hofheim, an den die deutsche Niederlassung Mitte der Neunzigerjahre zog, sind über 40 Mitarbeiter tätig. Heute erwirtschaftet Greene, Tweed Deutschland rund 21 Mio. Euro im Jahr.
cav: Wie wird sich die deutsche Niederlassung zukünftig entwickeln?
Schenk: Wir bleiben auf jeden Fall dem Standort Hofheim treu. Wir errichten derzeit in unmittelbarer Nähe zu unserem jetzigen Betriebsgelände ein neues Gebäude, das auf vier Geschossen rund 2800 m2 Nutzfläche bietet.
Dlugosch: Mit diesem Bau werden wir unserem zweistelligen Wachstum gerecht. Rund vier Millionen Euro wurden investiert, um neben den Büroräumen auch ein Kleinteilelager zu integrieren. Im Sommer sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.
cav: Auf Ihrer Homepage beginnen Sie den Texteinstieg mit den Worten „Nachdenken, entwickeln, tun.“ Welche Philosophie verfolgt Greene, Tweed damit?
Hohmann: Dichtungsprodukte werden bei uns nicht aus dem Katalog bestellt. Unsere Kunden kommen zu uns mit einem ganz bestimmten Problem, das es zu lösen gilt. Unser Ziel ist es, für dieses Problem die technisch und wirtschaftlich attraktivste Lösung anzubieten. Diese Lösung berücksichtigt dabei nicht nur den eigentlichen Werkstoff, sondern auch das Dichtungsdesign. Wir sehen uns daher nicht als reiner Dichtungshersteller, sondern vielmehr als Engineering-Haus. Basis hierfür sind unsere Mitarbeiter, die über sehr viel Applikations-Know-how verfügen.
cav: Ein weiteres Schlagwort ist „The Inside Advantage“. Was muss man sich darunter vorstellen?
Dlugosch: Eine Dichtung ist zunächst einmal ein unscheinbares Produkt. Sie arbeitet in vielen Apparaten wie Pumpen oder Armaturen im Verborgenen. Meist stellen sie aber eine der kritischsten Komponenten des gesamten Systems dar. Versagt die Dichtung, ist ein Schaden für Mensch und Umwelt nicht auszuschließen. Inside Advantage bedeutet für uns, dass der Kunde einen möglichst fehlerfreien Prozess bekommt und er sich auf seine Dichtung verlassen kann.
cav: Ihr Unternehmen hat seit über 100 Jahren Erfahrung im Umgang mit Dichtungen. Wie positioniert sich das Unternehmen zukünftig? Welche Strategie verfolgen Sie?
Dlugosch: Wir wollen über die gegenwärtige Positionierung als Hersteller von Hochleistungsdichtungen und Komponenten aus Hochleistungskunststoffen hinausgehen. Als Global Solution Provider nutzen wir unsere Ressourcen und wollen weltweiter Businesspartner unserer Kunden sein. Dabei sind wir groß genug, um schwierige und komplexe Aufgabenstellungen zu meistern, aber dennoch überschaubar genug, um persönlichen Kontakt und die individuelle Betreuung der Kunden zu übernehmen.
cav: Welche Märkte wollen Sie hierzu in den Fokus nehmen?
Hohmann: Greene, Tweed hat seine Wurzeln im Luftfahrtbereich. Mit der Entwicklung des universell beständigen Werkstoffes Chemraz im Jahre 1987 wurde das Portfolio von Greene, Tweed auf eine breite Basis gestellt. Im Bereich der Chemie, Petrochemie und Pharmazie entwickelt Greene, Tweed für anspruchsvolle Prozesse individuelle, auf den Kunden zugeschnittene Problemlösungen, um die Umwelt vor schädlichen Emissionen zuverlässig zu schützen. Die meisten unserer Dichtungssysteme findet man in Pumpen, Kompressoren, Armaturen, Ventile und Kupplungen.
Schenk: Speziell in der Pharmazie und der Nahrungsmittelindustrie werden besondere Reinheitsstandards verlangt. Greene, Tweed erfüllt diese Anforderungen und berät zudem Unternehmen bei der Beachtung der FDA-Regularien. Ein weiterer Geschäftsbereich ist die Medizin- und Biotechnologie, wo Elastomere und Kunststoffe Metallkomponenten ersetzen, die leichter, sterilisierbar und für Röntgenstrahlen durchlässig sind
Dlugosch: In der Halbleiterfertigung, wo es auf Kontaminationsfreiheit ankommt, ist Greene, Tweed Spezialist für im Reinraum hergestellte Hochleistungsdichtungen und Kunststoffkomponenten. In die Erdölindustrie liefert Greene, Tweed Spezialdichtungen, Komponenten und elektrische Steckverbinder (Seal Connect). Diese sollen insbesondere in aggressiven Umgebungen bei der Erdöl- und Erdgasexploration und -förderung kritische Prozesse absichern. Auch in der Industrie im Bereich der Hydraulik kommen Dichtungen für Hydraulikzylinder, Bremsen und Achsen von Baumaschinen zum Einsatz, die bei kritischen Anwendungen Umweltschäden zuverlässig verhindern helfen.
cav: Gerade die Pharma- und Nahrungsmittelindustrie haben sehr hohe Anforderungen und verlangen individuelle Lösungen. So müssen die Dichtungen den FDA-Richtlinien entsprechen. Wie beraten Sie hier Ihre Kunden und welche Lösungen bieten Sie an?
Dlugosch: Wir haben uns ausführlich mit den FDA-Regularien auseinander gesetzt und sind in der Lage, unsere Kunden optimal zu beraten und ihnen auch die richtigen Produkte zu bieten. So haben wir gleich drei FDA-konforme Chemraz-Perfluorelastomere in unserem Portfolio. Das schwarze SD 625, das weiße SD 517 und das beigefarbene SD 585. Sie bieten breite Chemikalienbeständigkeit, einen hervorragenden Druckverformungsrest und eine für Perfluorelastomere geringe thermische Ausdehnung. Durch ihre sehr gute Heißwasser- und Dampfbeständigkeit eignen sie sich optimal für CIP-, SIP- und WFI-Anwendungen.
Dichtungen cav 400
Verbundwerkstoffe cav 401

Zulässige Grenzwerte für Extraktionen für Elastomerdichtungen (FDA 21 CFR 177.2600)
Rezepturbeschreibung eines Perfluorelastomers (FDA 21 CFR 177.2400)
Mehr Informationen zu den Dichtungen
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Verbundwerkstoffe für Pumpen

Neben Hochleistungswerkstoffen für Dichtungen bietet Greene, Tweed auch zahlreiche Verbundwerkstoffe an, die beispielsweise in der Pumpenindustrie ihren Einsatz finden. Die WR- und AR-Werkstoffe wurden u. a. speziell für die chemische und petrochemische Industrie entwickelt. Sie helfen Ausfälle durch Anlaufen oder Fressen zu vermeiden, die mittlere Zeitdauer zwischen Reparaturen zu verlängern, die Pumpenleistung zu erhöhen und den Wirkungsgrad zu steigern und damit die Energiekosten zu senken.
Die Bezeichnung WR steht für Wear Resistant, also verschleißfest, und beschreibt in kurzen Worten das wesentliche Merkmal dieses Werkstoffes. WR-Materialien sind aus Kohlefaser und Thermoplast bestehende Verbundwerkstoffe, mit dessen Hilfe Metallkomponenten in Pumpen ersetzt werden können. Die Materialien kombinieren somit die besonderen mechanischen Eigenschaften von Kohlefasern mit der ausgezeichneten chemischen Beständigkeit von Thermoplasten. Die WR-Verbundwerkstoffe sind leichter, verfügen über einen geringeren Reibungskoeffizienten und absorbieren durch ihre gute Duktilität Stöße und Vibrationen. Sie eignen sich daher ideal für Schleiß- und Laufringe, Laufbuchsen und Lager von Zentrifugalpumpen. Aufgrund der Eigenschaften dieser Materialien lassen sich die Spaltspiele halbieren, ohne Beschädigungen an teuren Metallteilen fürchten zu müssen. Das geringere Spiel an den Schleiß- und Laufringen verringert die Leckage zwischen den Pumpenstufen und die interne Rück-strömung. Dadurch erhöht sich der Wirkungsgrad.
WR 525 besteht aus langen, endlosen mit Peek umhüllten Kohlefasern, aus denen über ein besonderes Wickelverfahren runde Bauteile hergestellt werden. WR 575 besteht aus bidirektional angeordnetem Kohlefasergewebe in einer Peek-Matrix, aus denen sich Platten produzieren lassen. Die Materialien eignen sich bis zu Temperaturen von 300 °C, zeigen gute Wärmeausdehnungskoeffizienten und eine exzellente Hydrolyse- und Korrosionsbeständigkeit.
AR-Werkstoffe, AR steht für Abrasive Resistant (abriebfest), zeichnen sich durch einen besonders hohen Verschleißwiderstand in abrasiven Medien aus. Das Material ist reibungsarm, leicht zu verarbeiten, bietet eine breite chemische Beständigkeit und besitzt gute Notlaufeigenschaften. Bei eingepressten Teilen kann AR1 bei Temperaturen bis zu 41 °C eingesetzt werden, während ARHT Temperaturen bis zu 121 °C meistert. Die Materialien eignen sich für Spalt- und Schleißringe, Radial- und Axiallager, Anlaufscheiben und Spaltbuchsen.
Ein typisches Beispiel ist eine vierstufige Pumpe für 82 °C heiße Carbonatlösung. In der Pumpe lief bisher Edelstahl auf hartbeschichtetem Edelstahl. Aufgrund eines Prozessproblems hat die Pumpe zwischenzeitliche Trockenläufe, was zum vorzeitigen Versagen führte. Die MTBF betrug lediglich 6 Monate. Die Schleißringe und Buchsen aus Edelstahl wurden gegen solche aus WR 525 ausgetauscht und die Spalthöhen um 50 % reduziert. Die Pumpe läuft mittlerweile seit mehr als drei Jahren fehlerfrei. Der zwischenzeitliche Trockenlauf existiert zwar immer noch, wird aber von dem Kohlefasermaterial abgefangen. Die engeren Spalte haben zudem die Fördermenge um 4 % erhöht.
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