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Digitalisierung im Anlagenbau

Linde treibt Digitalisierung im Unternehmen voran
Digitalisierung im Anlagenbau

Anlagenbau und Digitalisierungsprojekte haben nicht viel gemeinsam. Mit seiner Digitalisierungsstrategie bringt der Technologiekonzern Linde diese zwei Welten zusammen und arbeitet nach dem Vorbild erfolgreicher Start-ups.

Techniker trainieren mit Virtual-Reality-Brillen den Betrieb von Großanlagen. Algorithmen prognostizieren die Lebensdauer von Anlagenkomponenten. Datenbrillen helfen beim Beheben technischer Störungen an abgelegenen Standorten. Das sind drei Beispiele für digitale Projekte, die Linde im vergangenen Jahr bis zur Anwendungsreife gebracht hat. Zwar integriert die für den Anlagenbau zuständige Engineering Division der Linde Group schon seit Jahren digitale Technologien – Beispiele dafür sind die fünf Remote Operation Centers (ROC), die etwa 1000 Industrieanlagen weltweit aus der Ferne steuern.

Viel ausprobieren, schnell entscheiden

Neu im Unternehmen ist aber die Einführung des in der Start-up-Branche üblichen sogenannten Accelerator-Prozesses.

Interdisziplinäre Teams aus Digitalisierungsexperten und Ingenieuren treiben Projektideen drei Monate lang voran und überführen sie bei Erfolg schnell ins Business. Was in dieser Zeit nicht funktioniert (Proof of Concept), lässt das Team wieder los. Die Ideen für neue digitale Projekte kommen oft von Mitarbeitern, die das klassische Tagesgeschäft bei Linde Engineering betreiben. Als Projektleiter (intern Business Owner genannt) setzen sie gemeinsam mit Mitgliedern des Digitalisierungsteams die Projekte um. Bei Bedarf kooperiert Linde zusätzlich mit externen Partnern aus einem internationalen Netzwerk, die in der Regel aus der Start-up-Szene stammen.

Um den Digitalisierungsprozess im ganzen Unternehmen zu verankern und eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen, arbeitet das Digitalisierungsteam seit August 2016 im sogenannten Digital Base Camp. Es ist am Firmenstandort Pullach bei München angesiedelt. Ein zweites Digital Base Camp eröffnete Linde im Februar am Standort Singapur, um die Innovationskraft in Südostasien zu nutzen und die Anforderungen der Kunden im asiatischen Markt noch besser zu erfüllen.

Andere Unternehmen lagern ihre Digitalisierungsexperten an externe Büros aus, bei Linde spielt die Nähe zum Alltagsgeschäft eine zentrale Rolle. Der ständige Austausch zwischen dem Digitalisierungsteam mit den Mitarbeitern aus dem Business ist ein wesentlicher Faktor für den Erfolg der digitalen Projekte. Deshalb besteht das Digitalisierungsteam zum Teil auch aus Mitarbeitern, die vorher im klassischen Linde-Geschäft gearbeitet haben – ergänzt durch Datenspezialisten, Softwareentwickler und Experten, die aus der Digitalbranche zu Linde kamen.

Den Datenbestand kreativ nutzen

Viele der Projekte nutzen digitale Daten, die Linde seit Jahren in unterschiedlichen Geschäftsfeldern sammelt. So fließen Daten zu Druck, Temperatur, Durchfluss und Schwingungen von einer halben Million Sensoren aus rund 1000 Industrieanlagen weltweit in ein neu entwickeltes Predictive-Maintenance-System. Dieses spürt Störungen frühzeitig auf, sodass Techniker Module vorausschauend austauschen können, bevor sie kaputtgehen.

Hersteller einzelner Teile haben häufig keine Erfahrung im Betrieb und können zu den Wartungsintervallen nur grobe Schätzungen abgeben. So kann es sein, dass Teile ausgetauscht werden, obwohl sie noch tadellos funktionieren. Umgekehrt kann der frühzeitige Austausch eines schwächelnden Bauteils Betriebsausfällen vorbeugen. Beide Szenarien verursachen Kosten, die bei besserer Kenntnis der Maschinen vermeidbar sind. Die maximale Anlagenverfügbarkeit ist das Ziel. Alleine in der Region Südostasien erwartet Linde durch optimierte Wartungszyklen eine Ersparnis von mehreren Millionen Euro jährlich.

Anlagen mit digitalem Zwilling

Auch die in der Branche vielbeachtete Service-Plattform Linde-Plantserv-Portal wurde im Digital Base Camp entwickelt. Dieses Projekt verknüpft Anlagen mit einem digitalen Zwilling. So können Betreiber Reparaturen via Webbrowser einfacher organisieren und Ersatzteile effizient und preiswert beschaffen.

Industrieanlagen sind komplexe Konstruktionen mit mehreren zehntausend Bauteilen. Das digitale Herzstück des Linde-Plantserv-Portals sind daher die anlagenspezifischen Rohrleitungs- und Instrumentenfließschemata, kurz P&ID für Piping and Instrumentation Diagram. Im Portal findet jeder Kunde die Diagramme seiner Anlagen und das benötigte Ersatzteil. In einem Pop-up-Fenster erscheinen dazu alle wichtigen Spezifikationen. Anlagentechniker können Angebote zu den benötigten Bauteilen über eine Handelsplattform einholen und zu wettbewerbsfähigen Preisen bestellen. Linde betreibt die Plattform und garantiert, dass die angezeigten Teile optimal passen.

Virtual-Reality-Operator-Training

An digitalen Abbildern seiner Anlagen schult Linde Engineering auch Fachpersonal – und das noch vor der Fertigstellung. In einer Virtual-Reality-Umgebung können sich Kunden mit ihrer Anlage vertraut machen und kritische Situationen trainieren. Die VR-Umgebung basiert auf dem 3-D-Modell, das bereits in der Entwicklungsphase der Anlage besteht. Linde hat nun die Technologie entwickelt, um diese Design-Daten in eine erlebbare virtuelle Welt zu verwandeln.

Damit Fachleute die virtuellen Anlagen, ihren künftigen Arbeitsplatz, begehen können, brauchen sie nur eine Virtual-Reality-Brille mit 3-D-Display, zwei Controller und ein Notebook mit schnellem Grafikprozessor.

Technischer Support mit Smart Glasses

Linde-Experten verbinden sich via Livestream mit Technikern vor Ort, die mit diesen LindeGo-Brillen ausgerüstet sind. Die Spezialisten können so bei technischen Problemen helfen, ohne selbst anreisen zu müssen. Die in der Brille integrierte Kamera überträgt das Sichtfeld des lokalen Mitarbeiters auf den Bildschirm des Experten von Linde Engineering. Dieser kann per Audio-Chat helfen und technische Informationen über die Bildschirmfreigabe bereitstellen.

Die Geräte wurden bereits an mehreren Standorten eingesetzt – als kostengünstige und zeitsparende Alternative zur Entsendung von Fachpersonal. Durch LindeGo können dessen Reise- und Aufenthaltskosten genauso wie Verzögerungen durch die Beantragung von Reisevisa entfallen.

Zweites Digital Base Camp in Fernost

Mit den Erfahrungen aus Pullach hat Linde im Februar 2018 ein zweites Digital Base Camp in Singapur offiziell eröffnet. Über 30 Mio. Singapur Dollar wird Linde in den neuen Standort investieren, etwa 18,5 Mio. Euro. Der asiatische Markt ist bei digitalen Technologien dem Rest der Welt in vielerlei Hinsicht weit voraus. Dieses Potenzial will Linde nutzen.

www.prozesstechnik-online.de

Suchwort: cav0518linde

Halle 9.1, Stand D4


Statement

Digitalisierung ist mehr als die Einführung neuer Technologien. Es geht darum, Prozesse, Geschäftsmodelle, Technologie und Kultur neu auszurichten. Davon profitiert das gesamte Unternehmen. Drei Bereiche stehen im Fokus aller Überlegungen:

Daten intelligent nutzen: Linde sammelt seit Jahren Daten in verschiedenen Geschäftsfeldern. Wir wollen diese Daten intelligent verknüpfen, kreativ nutzen, Arbeitsprozesse optimieren und neue Geschäftsfelder erschließen.

Totale Vernetzung: Linde strebt danach, alle Unternehmensgüter zu vernetzen und Synergien zu schaffen. Dabei reicht es nicht, alle Objekte mit Sensoren auszustatten und Daten zu sammeln. Es geht auch darum, Prozesse zu kombinieren und Linde-Spezialisten mit anderen Experten intern und extern zusammenzubringen.

Dem Kunden d ienen: Digitalisierung ermöglicht es, völlig neue Dienstleistungen für unsere Kunden zu entwickeln.

Philipp Karmires, Head of Digitalisation, Linde AG

Autor: Julien Brunel

Leiter Digitalisierung,

Linde Engineering Divison

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