Entsorgung sichern – Stoffkreisläufe schließen – Abfälle vermeiden

Netzwerk für eine nachhaltige Produktion

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Pipelines transportieren heute flüssige und gasförmige Rohstoffe europaweit zu den Anlagen, die aufgrund von Technik und Größe oder ihres lokalen Verbundes das beste Umfeld für die Produktion definierter Chemikalien bieten. Analog verläuft die Entwicklung im Bereich der Sonderabfallentsorgung. So betreibt der Chemieparkbetreiber Currenta nicht nur drei Standorte am Niederrhein, sondern hat auch Entsorgungs- oder Kooperationsverträge mit weiteren Standorten in Deutschland.

Die Autoren: Dr. Walter Leidinger Leiter Currenta Umwelt und Leiter Chempark Dormagen Dr. Ulrich Bornewasser Leiter Umweltdialog, Currenta, Dormagen

Eine Gesellschaft kann langfristig nur das produzieren, was sie auch entsorgen kann. Der sicheren Entsorgung von gefährlichen Abfällen kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Allein in den 50 deutschen Chemieparks produzieren rund 920 Firmen Chemikalien mit einem jährlichen Umsatzvolumen von über 100 Milliarden Euro. Dabei fallen etwa drei Millionen Tonnen Abfälle an, ungefähr 40 % davon sind nach der Abfallverzeichnisverordnung gefährliche Abfälle. Gleichzeitig fallen Abwässer und Emissionen an, die ebenfalls sicher und umweltgerecht entsorgt werden müssen. Mit modernsten Entsorgungsanlagen und qualifiziertem Personal behandeln die Betreiber der Chemieparks Abwässer, Abfälle und Emissionen. Dabei wandeln sie organische Chemikalien um und beseitigen so deren Gefährlichkeit für Mensch und Umwelt. Freiwerdende Wärmeenergie bei der Sonderabfallverbrennung nutzen sie für Produktionsprozesse. In den Chemieparks werden darüber hinaus zahlreiche dezentrale Entsorgungsmaßnahmen ergriffen, die spezifisch auf die Anforderungen der Produktionsbetriebe ausgelegt sind. So betreibt beispielsweise Bayer Cropscience im Chempark Dormagen eine betriebliche Abwasserbehandlungsanlage, die mit Fentons Reagenz die bakterientoxischen Rückstände aus einer Pflanzenschutzmittelproduktion im Abwasser oxidativ zerstört und diese dadurch einer weiteren Behandlung in der zentralen Kläranlage zugänglich macht.
Effektiver im Verbund
Seit den 80er Jahren werden im Rahmen des produktionsintegrierten Umweltschutzes stetig neue Synthesewege und Verfahrensschritte entwickelt und eingesetzt, um Ressourcen zu sparen und Abfall, Abwasser und Abluft möglichst zu vermeiden, zu vermindern oder zu verwerten. Dies hat in der Chemiebranche zu einer Entkoppelung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch geführt. Zusätzlich zu den integrierten betrieblichen Umweltschutzmaßnahmen hat die Verbundstruktur der Chemieparks einen wichtigen Anteil an dieser Entwicklung. Die Verteilung von Rohstoffen, Zwischenprodukten und Energien zwischen den Betrieben sowie die Behandlung von Abwässern und Abfällen in zentralen Entsorgungsanlagen erfolgt in Chemieparks über Rohrleitungen, Kanäle oder auf kurzen Wegen über Straße und Schiene. Dabei entfallen Umschlag oder Zwischenlagerung von Stoffen, was wiederum Logistikkosten spart. Zentrale Reparaturservices tragen zur Produktions- und Entsorgungssicherheit bei. Die wirtschaftlichen Vorteile eines großen Standortes mit 70 zentralen Produktionsbetrieben, im Vergleich zu 70 einzelnen Betrieben, die jeweils 100 km voneinander entfernt sind, belaufen sich nach einer Kalkulation der BASF AG, auf über 500 Millionen Euro. Davon entfallen 300 Mio. Euro auf die Logistikoptimierung und rund 200 Millionen Euro auf den Energieverbund.
Der lokale Verbund ermöglicht den einfachen Austausch von Energien, Stoffen und Ressourcen zwischen Produktions- und Entsorgungsbetrieben. Diese lokalen Verbünde hat die Chemische Industrie durch Vernetzung untereinander überregional erweitert. Pipelines transportieren flüssige und gasförmige Rohstoffe europaweit zu den Anlagen, die aufgrund der Technik, ihrer Größe oder ihres lokalen Verbundes das beste Umfeld für eine Produktion definierter Chemikalien bieten.
Eine vergleichbare Entwicklung vollzieht sich auch im Bereich der Sonderabfallentsorgung. So betreibt beispielsweise der Chemieparkbetreiber Currenta nicht nur drei Standorte am Niederrhein, sondern hat auch Entsorgungs- oder Kooperationsverträge mit weiteren Standorten in Deutschland. Dort stehen verschiedene Anlagen zur Beseitigung und Verwertung zur Verfügung. Damit können Abfälle, die in ihrer physikalisch-chemischen Qualität sowie in der angebotenen Menge stark schwanken, in die jeweils am besten geeignete Anlage abgesteuert werden.
So erfolgt die Entsorgung von nicht klärfähigen Abwässern aus der Produktion von Pflanzenschutzmitteln oder Pharmazeutika in einer der Sonderabfallverbrennungsanlagen in Leverku-sen. Durch die Kooperation mit Bayer Material-Science kann Currenta auch die Kapazität der Gasphasenoxidationsanlage in Brunsbüttel für diesen Zweck mit nutzen. Die Brunsbütteler Anlage profitiert von einer ökonomisch besseren Auslastung. Für andere Chemparks-Partner erhöht sich durch den zusätzlichen Entsorgungsweg die Entsorgungssicherheit für ihre toxischen wässrigen Abfälle.
Während die Kooperationen für alle beteiligten Kunden die Entsorgungssicherheit erhöhen, profitieren die im Netzwerk angeschlossenen Kooperationspartner von der Möglichkeit, ihre Anlagen besser ausgelastet zu bekommen oder bei Currenta entsorgen zu können.
Europaweites Entsorgungsnetzwerk
Aufgrund des einheitlichen europäischen Binnenmarktes hat Currenta das zu Beginn rein deutsche Netzwerk auf den europäischen Sonderabfallmarkt übertragen. Heute sind Entsorgungsunternehmen aus Italien, Belgien, Frankreich, Holland und Kroatien an dem Netzwerk beteiligt, die Beseitigungs- aber auch Verwertungsanlagen betreiben. Damit können die Produzenten innerhalb und außerhalb des Chemparks ein breites Angebot an Recyclingtechnologie nutzen.
So bringt der Kooperationspartner Bayer Schering Pharma am Standort Bergkamen drei Anlagen zur Verwertung in das Netzwerk mit ein:
  • eine Drehrohranlage zur Wiedergewinnung von Jod aus jodreichen Abfällen,
  • eine Wiederaufbereitungsanlage für spezifische Lösemittel
  • und ein Kraftwerk zur thermischen Nutzung energiereicher Ersatzbrennstoffe.
Lanxess betreibt eine Schwefelsäurespaltanlage, die unterschiedliche Abfallsäurequalitäten verarbeiten kann. Weitere Netzwerkpartner können Chlorwasserstoff, Katalysatoren oder Schrotte in den Wirtschaftskreislauf zurückführen. Currenta betreibt an den drei Chempark-Standorten Wertstoffsammelzentren, in denen Schrotte unterschiedlichster Qualität sowie Katalysatoren gesammelt und einem Recycling zugeführt werden. Kabelschrotte werden in eigenen Anlagen aufbereitet.
Der eingeschlagene Weg in Richtung abfallarmer Kreislaufwirtschaft wird in den Chemieparks und den Entsorgungsnetzwerken konsequent weiter fortgesetzt. So nutzt Currenta beispielsweise die Drehrohrofentechnologie, um Verbundwerkstoffe aus der Auto- oder Elektronikindustrie thermisch zu behandeln. Damit kann bei komplexen Bauteilen der organische Anteil effizient und schonend verbrannt werden, ohne den anorganischen, metallischen Anteil zu beschädigen. Dieser kann dann einer stofflichen Wiederverwertung zugeführt werden.
Hier muss das bestehende Netzwerk um weitere Partner ergänzt werden, die ein vollständiges Schließen von Materialkreisläufen innerhalb des Netzwerkes ermöglichen. Weitere Recyclingmöglichkeiten zur Kunststoffverwertung, Biogasherstellung oder Baustoffverwertung werden zurzeit unter technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet.
Die Beispiele zeigen, dass eine intelligente Infrastruktur zur Chemieproduktion sowie zur Beseitigung und Verwertung von Chemieabfällen wesentlich zur Nachhaltigkeit einer Industriegesellschaft beiträgt.
Online-Info: www.cav.de/0111437
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