Ab in die Cloud

So verbessern digitale Services die Verfügbarkeit von Antrieben

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Asset Management und Predictive Maintenance auf Grundlage von Daten, die in der Cloud abgelegt sind. Diesen Weg geht Auma, um die Verfügbarkeit seiner Antriebe zu erhöhen. Welche Vorteile diese Vorgehensweise für die Anwender hat und wie klassische und digitale Services immer mehr miteinander verschmelzen erläutern Thomas Knecht und Kevin Nietupski von Auma.

Herr Knecht, auf welche Meilensteine kann Auma zurückblicken, wenn es um das Thema Digitalisierung geht?

Thomas Knecht: Digitalisierung ist für uns kein neues Thema. 2002 brachten wir die erste Generation unserer softwarebasierten Stellantriebssteuerung auf den Markt. Sie trug den Namen AC.1 und vereinfachte die Einbindung unserer Stellantriebe in digitale Feldbusprotokolle deutlich. Ein Jahr darauf folgte die COM-AC-Software zur Konfiguration der AC.1. 2005 haben wir damit begonnen, auf die Typenschilder der Stellantriebe Datamatrix-Codes aufzubringen. Das hatte zuerst produktionstechnische Gründe. Später nutzte man den Datenträger zur Ablage von Gerätedaten, die heute mobil mit der Auma-Assistant-App ausgelesen werden.

Ganz wichtig war wohl auch das Jahr 2009.

Thomas Knecht: Ja das ist richtig. In diesem Jahr wurde die Stellantriebssteuerung AC.1 von der AC.2 abgelöst, die wir bis heute anbieten. Zur Konfiguration der Steuerung dient das Commissioning and Diagnostic Tool, kurz CDT genannt. Letzteres ersetzte die COM-AC-Software. 2014 veröffentlichten wir unsere erste App – die Auma-Support-App, die eine schnelle und einfache Gerätedokumentation mithilfe mobiler Endgeräte erlaubte. Später wurde sie in die Auma-Assistant-App integriert, die wir 2017 in den Markt einführten.

Wenn ich mich recht erinnere, präsentierte Auma auf der Achema 2015 erstmalig seine Cloud-Idee?

Thomas Knecht: Das war damals wirklich nur eine Idee. Wir brauchten über drei Jahre, um aus der Idee eine fertige Lösung werden zu lassen. Im September letzten Jahres ging die Auma-Cloud online. Wenig später haben wir auf der Valve World unser neues Servicekonzept mit der Auma-Cloud als Dreh- und Angelpunkt vorgestellt. Außerdem ging die aktuelle Version der Auma-Assistant-App an den Start, die in der Lage ist, Daten aus der AC.2-Steuerung herunterzuladen und an die Auma-Cloud zu übergeben.

Herr Knecht hat jede Menge Produkte genannt, auf die wir nun näher eingehen. Herr Nietupski, starten wir mit der AC.2-Steuerung.

Kevin Nietupski: Bildlich gesprochen ist die AC.2 das Gehirn des MOV-Pakets, also der Einheit aus Armatur, Antrieb und Steuerung. Sie sammelt eine ganze Menge von Daten, darunter Betriebs- und Zustandsdaten, die Aussagen über den Zustand des Antriebs ermöglichen. Gleichzeitig werden auch kritische Betriebszustände erfasst und archiviert. Das versetzt unsere Servicemitarbeiter in die Lage, dem Anwender im Falle einer Störung schnell zielgerichtete Lösungen anbieten zu können.

Dann wurde die CDT-Software erwähnt. Wozu benötigt man die?

Nietupski: Wie es der Name Commissioning Diagnostic Tool schon sagt, wird diese Software sowohl von unserem Service als auch von unseren Kunden zur Inbetriebnahme, Konfiguration und Diagnose der Stellantriebe eingesetzt. Besonders wertvoll ist die Diagnosefunktion. Sie ermöglicht eine tiefgreifende Analyse von Datenpaketen und Event-Reports, die direkt aus der AC.2-Steuerung auf ein mobiles Endgerät, beispielsweise einen Laptop, heruntergeladen werden können.

Und was kann die Auma-Assistant-App?

Nietupski: Hierbei handelt es sich um das abgespeckte Pendant der CDT-Software. In der Ursprungsversion konnte man über das Scannen des Datamatrix-Codes auf dem Typenschild des Stellantriebs die komplette Gerätedokumentation aus dem Internet laden. Mit der aktuellen Version der App lassen sich auch Geräteeinstellungen verändern. Außerdem können mit der intuitiv bedienbaren App Snapshots gemacht werden.

Was sind Snapshots?

Nietupski: Das sind Dokumente, die alle relevanten Gerätedaten einschließlich Seriennummer und Betriebsdaten enthalten und in der Auma-Cloud abgelegt werden können.

Auf welchen Systemen läuft die App?

Nietupski: Sowohl auf Apple- als auch auf Android-Geräten.

Herr Nietupski: kommen wir zur Auma-Cloud. Was kann sie?

Nietupski: Bisher waren die ganzen Systeme, die mein Kollege gerade vorgestellt hat, nicht miteinander vernetzt. Und genau das haben wir mit der Cloud geändert. In der Cloud werden die entsprechenden Geräte- und Betriebsdaten sowie Informationen zu den jeweiligen Anwendungen miteinander verknüpft. Das ermöglicht eine zentrale Verwaltung aller MOVs einer Anlage, in einer Systematik, die der Anlagenstruktur entspricht. Zugriff haben die Anwender und unser Servicepersonal. Letztendlich ist eine Plattform entstanden, auf der der Anwender seine gesammelten Betriebs- und Gerätedaten verwalten, aufbereiten und analysieren kann.

Das heißt, die Anlagenstruktur wird in der Cloud hinterlegt. Wie geht das?

Nietupski: Dazu nutzt man die Assistant-App mit ihrer Funktion „Seriennummernliste erstellen“. Der Anwender geht mit seinem Handy durch die Anlage und scannt die Data-Matrix-Codes auf jedem Auma-Stellantrieb. Auf diese Weise wird eine Liste aller Stellantriebe und Steuerungen generiert. Die Ablage dieser Daten erfolgt in einer Struktur, die der Anwender vorher definiert hat. Außerdem kann er Untergruppen bilden, sodass eine Hierarchie entsteht. Am Ende wird die Liste per Knopfdruck in die Cloud übertragen.

Wenn ich Sie richtig verstehe, handelt es sich bei der Anlagenstruktur also um eine Liste aller Stellantriebe und Steuerungen, die sich in der Anlage befinden?

Nietupski: Genau. Das ist eine strukturierte Seriennummernliste, die auch mit kleinen Notizen ausgestattet werden kann.

Das klingt alles sehr einfach. Dennoch glaube ich, dass das Befüllen der Cloud recht zeitaufwendig ist. Geben Sie da Hilfestellungen?

Nietupski: Seit kurzer Zeit bieten wir unseren Kunden das Befüllen der Cloud als Dienstleistung an. Wenn unsere Servicemitarbeiter vor Ort beim Kunden sind, scannen sie die Data-Matrix-Codes in der Anlage ab und bauen die Anlagenstruktur für die Cloud auf.

Können Sie das bitte an einem Beispiel erläutern, wie die AC.2-Steuerung und die Cloud zusammenwirken?

Knecht: Die AC.2-Steuerung liefert Event-Reports. Diese listen mit Zeitstempel alle relevanten Ereignisse und Fehler bzw. Störungen auf, die im MOV stattfanden. Diese Daten werden kontinuierlich in der Cloud abgelegt und mithilfe eines Algorithmus analysiert. Auf diese Weise erhalten wir valide Kennzahlen, die beispielsweise wichtige Aussagen zur Anlagenverfügbarkeit zulassen.

Immer wenn man über Cloud-Anwendungen spricht, spricht man letztendlich auch über Datensicherheit. Wie gehen Ihre Kunden mit diesem Punkt um?

Knecht: In der Tat spielt das Thema Datensicherheit in jedem Gespräch eine zentrale Rolle, auch wenn im Vorfeld die Vorteile unseres neuen Servicekonzepts erläutert wurden. Um unseren Kunden maximale Sicherheit garantieren zu können, haben wir uns für Azure, der Cloud-Computing-Plattform von Microsoft entscheiden. Ein guter Name, eine erprobte Technologie und ein führendes Produkt – wir denken, dass das Vertrauen bei unseren Kunden schafft.

Und hat Azure bisher Ihre Erwartungen erfüllt?

Knecht: Auf alle Fälle.

Wie schützen Sie ganz konkret die in der Cloud abgelegten Daten vor unberechtigtem Zugriff?

Knecht: Indem wir zum einen die Sicherheitsvorgaben unserer Kunden ohne Wenn und Aber umsetzen. Zum anderen arbeiten wir mit einem speziellen User-Management. Es beinhaltet am Anfang die Registrierung via Zwei-Faktor-Authentifizierung und mehrstufigem Validierungsprozess. Nach diesem Einstieg wird definiert, auf welche Daten der jeweilige User zugreifen kann. Außerdem werden im User-Management die Funktionalitäten freigeschaltet, mit denen der jeweilige Anwender arbeiten kann.

Ist die Nutzung der Auma-Cloud für Ihre Kunden kostenlos?

Knecht: Die Basisdienstleistung ist kostenlos. Zusatzfunktionen sind kostenpflichtig.

Welche sind das zum Beispiel?

Knecht: Unter anderem die kontinuierliche Live-Datenübertragung direkt aus der Feldebene mithilfe von OPC UA in die Cloud. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass unsere Wartungsservices auch bei einer diskontinuierlichen Datenübertragung in die Cloud funktionieren. Allerdings macht die kontinuierliche Übertragung die Datenanalyse viel feiner. Es können Eskalationsstufen definiert werden, bei deren Überschreitung automatisch der Auma-Service alarmiert wird. Oder die Geräteüberwachung kann komplett in die Hände unseres Services gelegt werden.

Herr Nietupski, welche Vorteile bieten die Cloud-basierten Services von Auma dem Anwender?

Nietupski: Sie ermöglichen ein intelligentes Asset-Management und den Einstieg in die Predictive Maintenance. Am Ende steht eine deutlich verbesserte Anlagenverfügbarkeit. Hinzu kommen eine Beschleunigung der Geschäftsprozesse, Transparenz auf allen Ebenen und die schnelle Verfügbarkeit von Informationen: Ohne lange auf unserer Homepage rumstöbern zu müssen, erhält der User via Seriennummer die komplette gerätebezogene Dokumentation, also Gerätedaten, Dokumentationen, Schaltpläne etc.

Müssen Ihre Kunden befürchten, dass die Cloud-basierten Services den persönlichen Vor-Ort-Service ersetzen werden?

Nietupski: Auf keinen Fall. Natürlich wollen wir die Möglichkeiten, die uns Cloud-basierte Services bieten voll ausreizen. Gleichzeitig bleibt der persönliche Kontakt vor Ort zur Kundenpflege und als Quelle von Informationen, die später in unsere Algorithmen einfließen, unersetzlich.

Wie wird es mit der Auma-Cloud und den darum gestrickten Services in Zukunft weitergehen?

Knecht: Wir denken da in ganz unterschiedliche Richtungen. Ein wichtiges Stichwort ist hier die Connectivity. Wir wollen unsere Stellantriebe IoT-fähig machen und so den Datentransfer in die Cloud automatisieren. Auch in der Cloud selbst wird es Weiterentwicklungen geben, die sich vor allem an den Wünschen der User orientieren werden. Daneben arbeiten unsere Entwickler auch daran, das Angebot digitaler Dienstleistungen zu erweitern und mit unseren klassischen Wartungsangeboten zu verflechten.

Auma Riester GmbH & Co. KG, Müllheim

Halle 4, Stand 270


Das Interview führte für Sie: Lukas Lehmann

stellv. Chefredakteur


Auma : Zahlen und Fakten

Die im badischen Müllheim ansässige Auma Riester GmbH & Co. KG kann auf eine über 50-jährige Geschichte zurückblicken. Das 1964 gegründete Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Herstellern von elektrischen Stellantrieben für Industriearmaturen, Steuerungen sowie Getriebekombinationen. Zu den Hauptabnehmern der Produkte zählen traditionell wasser- und abwasseraufbereitende Betriebe und Kraftwerke aller Art. Ein weiteres wichtiges Standbein ist der Bereich Öl und Gas, beginnend bei der Förderung bis hin zur Veredelung und Lagerung. Hinzu kommen noch die chemische Industrie und die Zementproduktion.

Weltweit beschäftigt der Mittelständler an 30 Standorten ca. 2600 Menschen, in Deutschland sind es 1200 (Stand 2018). Mehr als 15 % aller Mitarbeiter arbeiten im Service – eine Zahl, die die Kundenorientierung von Auma unterstreicht. Im Jahr 2018 erwirtschaftete man einen Umsatz von 420 Mio. Euro.


„Die Cloud-basierten Services von Auma ermöglichen ein intelligentes Asset-Management und den Einstieg in die Predictive Maintenance. “



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