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Bevorzugte Mitarbeiter arbeiten produktiver

Studie rät von Gleichbehandlung im Büro ab
Bevorzugte Mitarbeiter arbeiten produktiver

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Alle Mitarbeiter sollte man gleich behandeln? Nein! Zu diesem Ergebnis kommen gleich vier Studien, die die Effekte von Lob und Bevorzugung einzelner Mitarbeiter in einer Gruppe untersucht haben. Die Erkenntis: Je stärker eine Person von ihrem Vorgesetzten bevorzugt wird, desto produktiver und fehlerfreier arbeitet sie – und unterstützt verstärkt ihre Kollegen. Das erfordert auf Führungsebene ein Umdenken, galt doch bislang die Devise: Wer seine Mitarbeiter nicht gleich behandelt, ist kein guter Chef.

Herausgefunden haben das Christian Tröster, Professor an der Kühne Logistics University in Hamburg, und Stefan Thau, Professor an der London Business School. Experimente und Umfrage unter 1000 Mitarbeitern hätten gezeigt, dass ein bevorzugender Führungsstil Vorteile mit sich bringt. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Kanada und den Niederlanden untersuchten sie in vier Studien mit unterschiedlichen Versuchsgruppen, wie sich Führungsqualität auf den Selbstwert, die Emotionen und das Verhalten einzelner Mitarbeiter auswirkt.
Die Studie spricht von einem moralischen Dilemma. Denn trotz der Vorteile eines solchen Führungsstils besteht die Gefahr, andere Mitarbeiter zu vernachlässigen. „Der moralische Imperativ, jeden gleich gut zu behandeln, ist in unserer Gesellschaft stark verwurzelt“, weiß Tröster. „Seit den 40er Jahren predigen Führungstheorien, dass es sich auszahlt, wenn man allen Mitarbeitern mit der gleichen Aufmerksamkeit begegnet. Unsere Studie gibt der Forschung einen neuen Dreh: Wir zeigen, dass es sich lohnt, nicht alle gleich zu behandeln.“ Das bedeute nicht, so Tröster weiter, dass Vorgesetzte andere Mitarbeiter respektlos behandeln sollten. „Vielmehr gilt es, die Kollegen ’normal gut‘ und fair zu behandeln. Die Bevorteilung muss auf eine sensible Art und Weise geschehen, die den Einzelnen stärkt und das Team nicht schwächt.“
In einem der Experimente waren Gruppenleiter zu einzelnen Teilnehmern besonders freundlich. Sie hielten mit ihnen verstärkt Augenkontakt, gaben ihnen häufiger das erste Wort und lobten ihre Beiträge besonders. Das Ergebnis: Wer sich im Vergleich zu anderen besser behandelt fühlt, stärkt das Team und steigert so die Produktivität. Dagegen bringen Mitarbeiter, die gleich gut wie ihre Kollegen behandelt werden, weniger gute Ergebnisse. Für das Unternehmen zahle es sich also aus, wenn der Chef Einzelne bevorteilt – ohne dabei andere respektlos zu behandeln.
Um die anderen nicht zu verprellen, könnte es laut Tröster sinnvoll sein, sich auf Mitarbeiter mit hohem Potenzial zu konzentrieren. „Hat jemand gute Arbeit erbracht, sind Lob und Schulterklopfen gerechtfertigt. Unter diesen Umständen wäre das Verhalten des Chefs auch für die Kollegen verständlich.“ Doch Führungskräfte müssten wissen, dass Gleichbehandlung nicht unbedingt zum Ziel führt. Wollen sie erfolgreich sein, sollten sie ihre Aufmerksamkeit ungleich verteilen.
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