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Helfer in der Not

Spezialgasewerk beseitigt Gase schnell und sicher entsprechend den Gesetzesauflagen
Helfer in der Not

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Giftige, korrosive oder brennbare Restinhalte in Druckgasbehältern dürfen nicht einfach in die Umgebungsluft abgelassen werden. Druckgaszylinder auf Mietbasis können bei Air Liquide unter Beachtung der ADR-Vorschriften kostenlos zurückgegeben werden. Alle anderen Gasbehälter wie Eigentumszylinder oder z. B. bei Bauarbeiten gefundene Druckgasbehälter unterliegen zusätzlich dem Kreislaufwirtschafts-/Abfallrecht. Das bedeutet: Sie müssen samt Inhalt vom Besitzer ordnungsgemäß und gesetzeskonform entsorgt werden.

Dipl.-Chem. Christian Schedel, Dipl.-Ing. Joachim Christen

Die Restgasverwertungsanlage (RVA) im Spezialgasewerk von Air Liquide in Krefeld-Gellep ist ein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb und verfügt über die Genehmigungen zum Einsammeln, Befördern, Lagern, Behandeln und Verwerten solcher Abfälle. Für den Transport defekter Behälter stehen spezielle Bergungsgefäße und besonders geschulte Mitarbeiter bereit. Diese Spezialistenteams werden zu Einsätzen in ganz Deutschland, aber auch in Europa von Finnland bis Portugal gerufen, wenn Druckgaszylinder fachmännisch analysiert und entsorgt werden müssen. Pro Jahr werden in Gellep rund 16 000 Druckgasbehälter behandelt.
Nicht mehr benötigte oder entleerte Druckgaszylinder dürfen auch nach Ablauf der Prüffrist nach ADR-Recht befördert werden. Dies gilt nicht, wenn der Behälter defekt (z. B. durch Umfallen oder starkem Rost) oder der Inhalt unbekannt ist. Für solche Fälle stehen die speziell ausgebildeten Air Liquide-Mitarbeiter sowie Bergungsgefäße in verschiedenen Größen bereit. Vor Ort muss dann vor dem Abtransport zunächst der Behälterinhalt festgestellt werden. Zu dieser Begutachtung gehören auch Entkappen und Entrosten (je nach Beschaffenheit des Zylinders) sowie Prüfen des Ventilzustands, Wiegen und Erstellen der erforderlichen Transportpapiere. Bei der Identifizierung des Inhalts helfen den Spezialisten sowohl ihre Erfahrung – aus der Art der Anschlüsse, Ventile oder durch Farbreste lässt sich auf den Inhalt schließen – als auch technische Verfahren wie das Wiedersichtbarmachen korrodierter Schriftzüge durch Feilen und Ätzen oder ein mobiles, robustes FTIR-Spektrometer mit Spezialmesszellen und einer umfangreichen Datenbank von Vergleichsspektren. In der Restgasverwertung in Krefeld-Gellep erfolgt dann eine Eingangskontrolle und das Entladen der Bergungsgefäße durch geschultes Personal. Sind die Ventile nicht mehr zu benutzen (das ist die Ausnahme), verfügt das Werk über drei Vorrichtungen zum Anbohren und kontrollierten Entleeren der Zylinder. Die entleerten Behälter werden mit Inertgas und/oder Wasser gespült, um an der Innenwand adsorbierte Restgasspuren zu entfernen. Das Ergebnis der Innenbesichtigung sowie die Beurteilung des Gesamtzustands des Zylinders entscheiden, ob er wiederverwertet oder verschrottet wird. Die für den Schrott bestimmten Flaschen werden bei der Stahlproduktion recycelt.
Restgasverwertung
Vorher erfolgt natürlich die vollständige Entfernung der noch vorhandenen Restinhalte und deren möglichst umweltschonende Entsorgung. Anwender sollten daher den Behälter nicht auf einen Innendruck von weniger als 3 bar entleeren und dann das Ventil schließen, da sonst Fremdstoffe aus der Umgebungsluft oder einer Kundenanlage in den Zylinder strömen und den Inhalt unkontrolliert verunreinigen bzw. die Innenflächen korrodieren können.
Die 1992 in Krefeld-Gellep gebaute und nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigte Anlage beruht auf den Erfahrungen aus einer Vorgängeranlage in Duisburg aus den 1980er-Jahren. Auf etwa 1000 m² können in neun verschiedenen Einheiten mehr als 50 Gase und deren Gemische verarbeitet werden. Fallen größere Mengen eines einheitlichen Gases an, so kann sich das Umfüllen verbunden mit einer Nachreinigung lohnen. Normalerweise kommen aber einzelne Druckgasbehälter mit nur geringen Mengen Restgas zurück. Die dafür vorgesehenen Behandlungsverfahren gliedern sich dabei in die folgenden Bereiche:
Absorption
In Waschkolonnen aus Kunststoff reagieren die Restgase mit speziell ausgewählten Absorbenslösungen. Füllkörper und Einbauten sorgen für eine feine und gleichmäßige Verteilung der Medien und verbessern den Stoffaustausch. Die Waschlösungen werden so ausgewählt, dass ein wiederverwertbares Umwandlungsprodukt entsteht. Eingesetzt werden:
  • Laugen wie Natron- oder Kalilauge zur Behandlung saurer Gase wie Bortrichlorid
  • Laugen mit oxidativem Zusatz wie Natriumhypochlorid zur Absorption von Schwefeldioxid
  • Säuren (vor allem Schwefelsäure) für alkalische Gase wie Ammoniak, das mit Schwefelsäure zum Düngemittel Ammoniumsulfat reagiert
Die drei Kolonnenblöcke sind so ausgelegt, dass sie den Belastungen aufgrund der unterschiedlichen chemischen Eigenschaften der Gase gewachsen sind. So weit wie technisch möglich, können sie aber flexibel an den jeweiligen Bedarf angepasst werden.
Thermische Zersetzung
Viele brennbare Gase setzen sich bei hohen Temperaturen zu umweltneutralen Reaktionsprodukten um oder liefern Stoffe, die durch Absorption neutralisierbar sind. Damit dabei keine unerwünschten Nebenprodukte entstehen, muss nicht nur die Verbrennung kontrolliert bei bestimmten Temperaturen ablaufen, auch beim Abkühlen sind kritische Temperaturbereiche schnell zu durchfahren. Daher verfügt die RVA über eine speziell optimierte und überwachte Brennkammer mit nachfolgender Quentsche und einer Rauchgaswäsche. Dieses Verfahren kommt beispielsweise bei Schwefelwasserstoff, Methylbromid und Methylchlorid zum Einsatz.
Festbett-Absorption
Feststoffe dienen dazu, hochtoxische Restgase wie Arsin, Metallcarbonyle oder Fluor in weniger gefährlicher Form zu binden. Zum Teil entstehen dabei Stoffe, die als Sonderabfall endgelagert werden müssen. Bei Fluor jedoch – mengenmäßig das wichtigste Gas dieser Gruppe – geht das beladene Absorbens als Zuschlagsstoff in die Aluminiumgewinnung.
Offene Verbrennung
Silan erfährt unter den brennbaren Gasen eine Sonderbehandlung: Bei seiner Verbrennung entsteht der Feststoff Siliziumdioxid als sehr feiner Staub, der zum An- sintern an festen Oberflächen neigt. Dadurch würde der Betrieb der Brennkammer erheblich beeinträchtigt. Es hat sich daher bewährt, Silan in offener Flamme zu verbrennen und das entstehende Siliziumdioxid mit niedriger Strömungsgeschwindigkeit abzusaugen. Ein Hochleistungsfilter scheidet die Partikel zuverlässig ab.
Tanklager
Die Bevorratung der Waschflüssigkeiten für die Reaktionskolonnen erfolgt in einem zentralen Tanklager, in das auch alle beladenen Lösungen zurückgeführt und dort je nach Art der Weiterverarbeitung getrennt gesammelt werden. Zur Ausstattung gehören Mischvorrichtungen, die vollautomatisch aus handelsüblichen, hochkonzentrierten Chemikalien Absorptionslösungen geringer Konzentration herstellen. Bei den Ventilen und Pumpen des Tanklagers stellt ein aufwendiges Überwachungssystem sicher, dass sich auch bei Störungen oder Fehlbedienungen die Tankinhalte nicht miteinander vermischen. Beim Bau des Tanklagers und der dazugehörigen Abtankstation hatte der Gewässerschutz absoluten Vorrang.
Auf der sicheren Seite
Durch den Entsorgungsservice für Miet- und Eigentumsbehälter entbindet Air Liquide die Gaseanwender als Abfallerzeuger von ihren Pflichten nach dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz: Dieser Service ist für ordnungsgemäß behandelte Mietbehälter kostenlos, für Eigentumsbehälter kostenpflichtig. Beauftragt der Besitzer von Eigentumsbehältern einen zertifizierten Entsorgungsfachbetrieb mit der Entsorgung seiner Restgase, so hat er damit seine Sorgfaltspflicht hinsichtlich des erzeugten Abfalls weitgehend erfüllt. Ein weiterer Vorteil ist die vereinfachte Nachweisführung über den Verbleib des Abfalls gegenüber den zuständigen Behörden.
Air Liquide bietet diesen Entsorgungsservice nicht nur den eigenen Kunden, sondern auch Dritten an. Außerdem können in der RVA auch Gase außerhalb der Air Liquide-Produktlinie entsorgt werden. In einer im Internet abrufbaren Gaseliste finden sich alle Stoffe, für die der Service angeboten wird – mit Schlüsselnummern und den jeweiligen Annahmebedingungen. Für nicht darin enthaltene Stoffe kann eine individuelle Anfrage an das Entsorgungs-Team gestellt werden.
cav 453

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