Wirksame Prävention durch optimale PSA

Motivation als Schlüssel

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Wenn technische und organisatorische Maßnahmen im Hinblick auf sichere Arbeitsbedingungen ausgeschöpft sind, muss die persönliche Schutzausrüstung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter greifen. Neben den optimalen Produkten spielt dabei die Trage-Motivation eine wesentliche Rolle, insbesondere beim Atem- und Gehörschutz. Dafür zu sorgen, ist Aufgabe des Managements.

Wie kann man Beschäftigte zur konsequenten Nutzung ihrer persönlichen Schutzausrüstung (PSA) gewinnen? „Wir müssen sie so motivieren, dass ihnen das PSA-Tragen in Fleisch und Blut übergeht“ – davon ist Thomas John überzeugt, und er weiß: „Geeignete Bedingungen lösen sicherheitsbewusstes Handeln aus, angenehme Konsequenzen fördern es nachhaltig.“ Der junge Sicherheitsingenieur im 3M Werk Kamen hat dort ein spezifisches Konzept zur „Behavior Based Safety“ vorbereitet, das seit seiner Einführung 2015 kontinuierlich angepasst und weiterentwickelt wird. Dabei sind die Rahmenbedingungen sehr günstig: An diesem Standort der chemischen Industrie hat sich zum Beispiel 2014 und 2015 kein Arbeitsunfall mit Ausfalltag ereignet.

Entwickelt hat Thomas John das Präventionskonzept gemeinsam mit den rund zehn Produktionsmeistern im Werk. „Sie sind diejenigen, die unsere Werte vermitteln, vor allem die Überzeugung der Unternehmensleitung, dass Arbeitsschutz wichtiger ist als Produktivität, auch unter Zeitdruck. Und sie sind es, die ihre Mitarbeiter beobachten und ihnen das direkte Feedback geben.“ Das ist im besten und hoffentlich häufigsten Fall ein Lob für sicherheitsgerechtes Verhalten. Andernfalls die Frage, was dahinter steckt, und nur bei Bedarf eine Ermahnung. Beides wird ausgewertet. „Wesentlich für die erfolgreiche Umsetzung des Konzepts ist es auch, Transparenz zu schaffen: Was wird erwartet?“ Basis dafür ist ein Prioritätenkatalog, erarbeitet aus der Analyse der Vorjahre.
Bestmögliche PSA als Basis
„Voraussetzung für das Auslösen des richtigen Verhaltens ist die Bereitstellung der optimalen PSA in bester Qualität“, betont Thomas John. Besonderes Augenmerk erfordern Einsatzbereiche, bei denen die Gefahren nicht offensichtlich sind, sondern über die Jahre durch akkumulative Wirkungen entstehen. Das ist insbesondere beim Atemschutz der Fall, vor allem wenn mit toxischen, aber geruchslosen Substanzen gearbeitet wird. Auch ein zu hoher Lärmpegel schmerzt in der Regel nicht, führt langfristig jedoch zu irreversibler Schwerhörigkeit, oft verbunden mit Tinnitus. Anders als bei einer unangenehmen, aber verschmerzbaren Schnittverletzung sind präventive Maßnahmen hier der einzige Weg.
Atemschutz richtig wählen
Welche Produkte für den Atemschutz geeignet sind, lässt sich aus der Gefährdungsbeurteilung und den gesetzlich festgelegten Grenzwerten für die jeweiligen Gefahrstoffe ableiten. Diese sind in der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS 900) erfasst. Dabei ist zu berücksichtigen, dass 2014 – mit einer Übergangsfrist bis Ende 2018 – der allgemeine Grenzwert für alveolengängigen Staub von 3 mg/m³ auf 1,25 mg/m³ herabgesetzt wurde. Das kann fallweise eine Neubewertung notwendig machen.
Aus den Gefahrstoffen und Grenzwerten lässt sich die individuell erforderliche Filterklasse bzw. Schutzstufe zur Auswahl des geeigneten Produkts ableiten. Unterschieden wird generell zwischen folgenden Produktarten:
Partikelfiltrierende Halbmasken der Schutzstufen P1 bis P3 schützen, je nach Filtrationsleistung, beispielsweise vor Feinstäuben, Kühlschmierstoffnebel oder Viren/Bakterien bis zur Risikogruppe 3. Diese Filter nutzen elektrostatisch geladene Vliesfasern, um Partikel im Filtermedium festzusetzen. Wenn das Atmen schwerer wird, wenn sie verschmutzt oder beschädigt sind bzw. am Ende des Arbeitstages werden sie ausgetauscht.
Halb- oder Vollmasken gegen Gase, Dämpfe und Partikel haben spezifische Wechselfilter. Darin bindet meist eine speziell behandelte Aktivkohle die jeweiligen Gas- bzw. Dampfmoleküle. Die Wechselfilter können mit Partikeleinlegefiltern kombiniert werden. Spezielle Ausatemventile können den Atemwiderstand reduzieren. Je nach Vorkommen von Schadstoffen werden Wechselfilter unterschiedlicher Klassen eingesetzt, zum Beispiel A, B, E, K, Hg und AX. Diese Filter müssen ersetzt werden, wenn der Schadstoff-Geruch oder -Geschmack wahrnehmbar ist. Im Fall von geruchslosen Gasen sind feste Filterwechsel-Intervalle vorzugeben.
Für jede Art von Atemschutzmasken gilt: Erst die korrekte Anwendung kann einen sicheren Schutz ergeben. Deshalb sollte vor dem ersten Einsatz einer Maske eine Dichtsitzprüfung vorgenommen werden. Bei jedem Aufsetzen sollte dann kurz geprüft werden, ob die Maske dicht ist, beispielsweise durch Zuhalten des Filters beim Einatmen.
Der passende Gehörschutz
Nach wie vor führt Lärmschwerhörigkeit die Statistik der anerkannten Berufskrankheiten in Deutschland an. Dabei gilt laut Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung eine Gehörschutz-Tragepflicht, wenn an einem Arbeitsplatz zum Beispiel über acht Stunden ein Lärmpegel ab 85 dBA herrscht. Bei der Ermittlung des Lärmexpositionspegels werden unter anderem die Lärmstärken und -frequenzen sowie die Expositionsdauer gemessen. Erste Präferenz bei der Wahl des jeweils optimalen Gehörschutzprodukts ist dann die benötigte Schalldämmung. Weitere Kriterien sind die Tragedauer, die Kompatibilität mit anderen PSA-Produkten und Besonderheiten der Arbeitsumgebung, etwa die Temperatur.
Wenn möglich, sollten die Beschäftigten in die Produktauswahl einbezogen werden. So können sie Tragetests durchführen und die ausgewählten Produkte in der Praxis bewerten – die beste Voraussetzung für die spätere Akzeptanz. In Frage kommen als Gehörschützer generell unterschiedliche Varianten:
Gehörschutzstöpsel eignen sich insbesondere für Arbeitsumgebungen mit hohen Temperaturen, bei langer Tragedauer, wechselnder Belegschaft und in Kombination mit anderer persönlicher Schutzausrüstung. Sie bestehen in der Regel aus dehnbarem, rückverformendem Schaumstoff mit hohem Tragekomfort und werden für unterschiedliche Dämmwertbereiche angeboten. Es gibt Produkte zum einmaligen oder mehrfachen Gebrauch, vorgeformt oder vorzuformen. Besonders hygienisch, auch an Arbeitsplätzen in stark verschmutzter Umgebung, sind Gehörschutzstöpsel mit Stiel. Bügel-Gehörschutzstöpsel lassen sich unkompliziert auf- und absetzen.
Gehörschutz-Otoplastiken werden auf der Basis einer Ohrabformung exakt an die Anatomie des Trägers angepasst. Die Filter lassen sich auf die jeweilige Lärmbelastung abstimmen. Unter anderem der passgenaue Sitz bewirkt eine hohe Akzeptanz dieser Gehörschutz-Variante.
Kapselgehörschützer in der Form von großflächigen Musik-Kopfhörern werden mit einem Bügel über dem Kopf getragen; als Varianten gibt es Nacken- und Helmkapseln. Je nach Arbeitssituation und persönlichen Anwendungspräferenzen stehen sie in großer Bandbreite zur Auswahl. Weich gepolsterte Dichtungen sorgen für den Tragekomfort. Besonders vorteilhaft ist hier die Möglichkeit der Kommunikation über integrierte Funkgeräte oder Telefonverbindungen. Für bestimmte Arbeitsplätze werden sie auch mit eingebautem Radio angeboten.

Joao Rosario
Anwendungstechniker im Geschäftsbereich Personal Safety/Arbeitsschutz,
3M Deutschland

Mario Alexander Lehmann
Anwendungstechniker im Geschäftsbereich Personal Safety/Arbeitsschutz,3M Deutschland
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