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Das NOA-Konzept macht´s möglich

Phoenix Contact entwickelt neue Geschäftsmodelle
Das NOA-Konzept macht´s möglich

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Enhanced Connectivity for Smart Production lautete das Leitthema der Namur-Hauptsitzung Anfang November 2019. Phoenix Contact war zum ersten Mal Sponsor dieses Events für die Automatisierungs-Community in der Prozessindustrie. Am Rande der Veranstaltung hatten wir Gelegenheit, uns mit Roland Bent, CTO und Mitglied der Geschäftsführung von Phoenix Contact, über Entwicklungsschwerpunkte des Unternehmens und die Chancen, die das NOA-Konzept bietet, zu unterhalten.

Herr Bent, Phoenix Contact ist mit zahlreichen innovativen
Lösungen aus der Verbindungs- und Automatisierungstechnik zum ersten Mal als Sponsor auf der Namur-Hauptsitzung angetreten. Welche Erwartungen haben Sie an Ihren Auftritt?

Bent: Wir möchten uns hier als zuverlässiger Partner der Prozessindustrie präsentieren. Dort sind wir zwar bereits seit vielen Jahren mit unseren Produkten und Anwendungen vertreten, aber – und das haben wir in den Gesprächen jetzt mit dem Namur-Vorstand erlebt – es ist nicht jedem bewusst, was Phoenix Contact wirklich anbieten kann. Wir sind wohl für einzelne Produktbereiche und Lösungen bekannt, doch dass wir ein Thema wie die Connectivity ganzheitlich abdecken, also von der Klemme bis zukünftig in die IT-Welt hinein, bis in eine Informationskonnektivität, dass wir hier ein wichtiger Partner sind, ist so glaube ich nicht in der Breite geläufig. Deswegen hat Phoenix Contact das Thema Enhanced Connectivity gewählt, eine Kernkompetenz unseres Unternehmens.

Das Engagement von Phoenix Contact in der Prozessindustrie hat sich erst in den letzten Jahren immer stärker entwickelt. Was sind die Gründe hierfür?

Bent: Es ist auch in der Vergangenheit nicht so gewesen, dass wir in der Prozessautomatisierung wenig gemacht haben, unser Engagement war nur nicht so sichtbar. Vielleicht lag es daran, dass es bisher nicht unbedingt die ganz spektakulären Themen waren, Themen, die heute die öffentliche Diskussion in unserer Industrie prägen, mit denen wir in der Prozessindustrie aktiv waren. In der Fertigungsautomatisierung sind wir mit Steuerungstechnik schon seit vielen Jahren erfolgreich unterwegs und haben mit unseren Kommunikationssystemen, beispielsweise dem Interbus-System, prägend an der Ausgestaltung von Automatisierungsstrategien mitgearbeitet. In der Prozesstechnik hat sich Phoenix Contact als Interface-Lieferant bewusst auf den Bereich zwischen der Feldebene und dem Kontrollraum fokussiert.

Mit den neuen Themen der Digitalisierung wird sich das nun verändern, da einerseits die Technologien noch stärker zusammenwachsen, und zum anderen neue oder zusätzliche Kompetenzen unseres Hauses zum Einsatz kommen. Der Bereich der klassischen Steuerungstechnik in der Prozessindustrie oder die Prozessleitsysteme sind aber weiterhin Themen, für die wir nicht stehen. Doch wenn es darum geht, Modulautomatisierung voranzutreiben, dann können wir das natürlich ebenfalls mit unseren Steuerungen leisten. Und gerade, wenn es sich um Konzepte handelt, wie einen NOA-Kanal mit Leben zu füllen und die Datenkonnektivität hier sicherzustellen, ist Phoenix Contact vorne mit dabei.

Sie sind aktuell dabei, immer stärker Ihr Know-how aus der
Verbindungs- und Automatisierungstechnik in der Fertigungs-
industrie in die Prozessindustrie zu übertragen. Was sind hierbei aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen?

Bent: Die Weichen dafür, in der Prozessindustrie erfolgreich zu sein, haben wir was das Produktportfolio betrifft bereits vor Jahren gestellt. Beispielsweise sind wir u. a. Lieferant einer kompletten eigensicheren Interface-Ebene. Vor drei bis vier Jahren hat sich Phoenix Contact zudem noch einmal sehr deutlich neu orientiert, indem wir einen starken Fokus auf eine vertikale Marktausrichtung gelegt haben. Wir haben heute mit unserem Industriemanagement ein Vertical Market Management, in dem wir bestimmte Märkte konzentriert bearbeiten und uns auch in Richtung Lösungskompetenz aufstellen. Die Prozesstechnik ist einer der vier Verticals, mit denen wir uns dort beschäftigen. Dazu kommen die Fabrikautomation, die Energiewirtschaft und die Infrastruktur.

Um hier erfolgreich zu sein, braucht man entsprechende Teams und Spezialisten, die spezifische Applikationen umsetzen können. Die haben wir sukzessive aufgebaut und werden das weiter tun. Wir sehen uns als Schlüsselpartner unserer Kunden auf dem Weg in die smarte Welt, also auf dem Weg in die Digitalisierung. Das setzt Kompetenzaufbau und die jeweiligen Ressourcen bei uns voraus, aber da haben wir ein klares Commitment, dass wir das machen werden. Außerdem werden wir die entsprechenden Produkte, die man dafür benötigt, weiterentwickeln. Mit der PLCnext-Plattform haben wir eine hervorragende Basis dafür.

Das NOA-Konzept der Namur schafft Ihnen sehr viele Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle. Welche Use Cases haben Sie bereits prototypisch realisiert?

Bent: Ein ganz wichtiger Punkt aus meiner Sicht ist das Thema der Transparenz, also die Frage zu beantworten, in welchem Zustand sich eine Anlage wirklich befindet. Wie ist der aktuelle Zustand der verbauten Anlagenteile, der Assets? Was war einmal geplant und wo steht man heute? Um diese Transparenz zu schaffen, benötigt man Daten aus dem Prozess. Dafür eignet sich NOA hervorragend. Dazu braucht man die entsprechende Modellierung der Geräte, denn man muss ja ein Informationsmodell haben, das für NOA entwickelt wird. Dieses auch nutzbar zu machen, darin sehen wir eine große Chance.

Ein weiteres Thema, das Phoenix Contact seit vielen Jahren beschäftigt, ist der Bereich Condition Monitoring und Predictive Maintenance. Hier fehlt noch der echte Durchbruch, aber ich glaube, dass man das jetzt realisieren kann, da man tatsächlich an die Informationen herankommt. Das zeigen wir auf der Namur-Hauptsitzung mit ersten Beispielen. Das Spannende hierbei ist, diese Informationen auf einer Plattform bereitzustellen, auf der auch Dritte zukünftig Anwendungen entwickeln können. Ich denke, wenn man erreicht hat, dass jemand eine Applikation erarbeiten kann, die für zahlreiche Kunden nutzbar ist, weil sie auf eine standardisierte Datenverfügbarkeit aufsetzt, dann bekommt man ganz andere Multiplikationseffekte.

Phoenix Contact setzt darauf, dass wir einerseits dabei helfen, dass eine solche Plattform entsteht, und danach ebenfalls unterstützen, ein Partnernetzwerk aufzubauen, das sich um die Applikationen kümmert. Das können und wollen wir gar nicht alles selbst leisten. Wir sind keine Analytics-Spezialisten. Es gibt hochkreative junge Unternehmen, die sich Gedanken darüber machen, wie man aus Informationen aus dem Prozess neuen Nutzen schaffen und Optimierungsalgorithmen aufsetzen kann. Diese Community wirklich zu aktivieren, das wird ein spannender Prozess sein.

Wie ist dann Ihr Geschäftsmodell?

Bent: Hierzu gehört natürlich zunächst, die Infrastruktur dafür zur Verfügung zu stellen. Ich sage aber auch ganz offen: Der PLCnext-Marktplatz – oder Softwarestore -, den wir anbieten, funktioniert nach dem Prinzip, dass wenn jemand dort etwas kommerziell offeriert, eine Transaktionsgebühr fällig wird. So arbeiten diese Systeme. Es gibt viele Applikationen, die kostenfrei sind, doch langfristig ist es ebenfalls ein Geschäftsmodell, eine solche Plattform zu betreiben. Aktuell liegt das Geschäftsmodell allerdings im Wesentlichen in der Bereitstellung der Infrastruktur, die dafür erforderlich ist. Das ist Steuerungstechnik, auf der die Applikationen ablaufen, und Netzwerkkomponenten, die dafür sorgen, dass die Informationen verfügbar sind.

Mit PLCnext Technologie bieten Sie eine offene Steuerungsplattform mit direkter Konnektivität in die Cloud an. Welche Vorteile bietet der Einsatz dieser Steuerungsplattform?

Bent: Flexibilität und Offenheit. Kommt die PLCnext-Plattform zum Einsatz, besteht die Möglichkeit, zunächst komplett eigene Applikationen, eigene Steuerungssoftware in einer beliebigen Programmiersprache zu erstellen. Das ist der große Vorteil. Man kann klassische SPS-Programmierung durchführen, parallel in Hochsprachen programmieren oder beispielsweise eine andere Task mit einem Matlab-Simulink-Algorithmus verwenden, der dann dort ausgeführt wird. Man kann jedoch auch über den PLCnext-Marktplatz auf ein Ecosystem zugreifen und vielfältige Softwarebausteine (App’s) anderer Hersteller nutzen. Die Echtzeitanwendungsebene der PLCnext-Plattform lässt sich zudem rückwirkungsfrei parallel zu einer Nicht-Echtzeitebene betreiben.

Die Steuerung selbst ist nach aktuellen Security-Gesichtspunkten designt und gebaut, sie bringt inhärent also schon Datensicherheit mit. Darüber hinaus umfasst sie die wesentlichen Protokolle, die man heute benötigt, beispielsweise einen OPC-UA-Server, der mit auf der Plattform erhältlich ist. Die Kopplung in die Proficloud ist bereits vorhanden. Der erste Schritt in die Cloud ist in dem Moment realisiert, wenn man die Steuerung einsetzt und wenn man das verwenden will.

Handelt es sich bei der von Ihnen erwähnten Proficloud um eine konkrete Lösung von Phoenix Contact?

Bent: Ja, die Proficloud ist unsere Lösung, auf die man quasi direkt aus dem Steuerungsprogramm zugreifen kann. Grundsätzlich ist die Steuerung selbst aber erst einmal cloudunabhängig, cloudagnostisch, wie man das nennt. Wir arbeiten über MQTT-Standardprotokolle, um ebenfalls in andere Clouds koppeln zu können. Außerdem bieten wir ein Set von Konnektoren für spezielle Cloudlösungen. Hier richten wir uns nach unseren Kunden. Nur, wer da keine besonderen Wünsche hat, hat per se den ersten Schritt in die Cloudwelt gesetzt.

Welches Potenzial sehen Sie für Ihr Unternehmen und für die Anwender in diesem Schritt in die Cloudwelt?

Bent: Mit all dem, was Phoenix Contact heute bereits anbietet, ist es sehr schnell möglich, sich über Cloudanwendungen ein Dashboard zusammenzubauen. Man kann Kopplungen zu anderen Apps erstellen, beispielsweise einen Wetterdienst, den man eventuell braucht, um Energieoptimierung umzusetzen. Man kann Speicherplatz entsprechend allokieren oder Rechenleistung zusätzlich nutzen, die auf einem Cloudserver bereitgestellt wird. Ferner lassen sich Third-Party-Applikationen verwenden, die wir über unseren Store mit zur Verfügung stellen. Und die können dann auf der Steuerung ablaufen, in Kombinatorik wieder mit eigenen Programmen. Auch wir selbst liefern sukzessive immer mehr Baukästen und Applikationen wie beispielsweise Motor-Controller oder Lösungen zur Pumpenüberwachung. Von daher ist es für Phoenix Contact wirklich der Schritt in ein industrielles Ökosystem, in dem Anwendungen tatsächlich austauschbar sind und wo man vielleicht irgendwann ganz neue Abrechnungsmodelle wie z. B. ein Pay per Use ermöglicht. Es ist der Schritt in eine neue, offene Welt, in der sich eine Vielfalt neuer Geschäftsmodelle und großer Anwendernutzen finden wird.

Phoenix Contact GmbH & Co. KG, Blomberg


Das Interview führte für Sie: Günter Eckhardt

Chefredakteur




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