Digitaler Durchblick auf die installierte Basis

Digitalisierungsstrategie von Endress+Hauser schafft Mehrwert für Anwender

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Was bringt die Digitalisierung für die Prozessindustrie? Wie lassen sich die heutigen Möglichkeiten der Vernetzung und des Datenaustauschs am besten nutzen? Endress+Hauser hat eine Digitalisierungsstrategie entwickelt, die aus der virtuellen Welt einen realen Mehrwert für die Anwender generiert und vorausschauende Wartung möglich macht.

Im privaten Bereich geht heute nichts mehr ohne das weltumspannende Netz. In der Prozessindustrie halten sich jedoch viele Unternehmen hinsichtlich der Vernetzung von Geschäfts- und Produktionsprozessen bisher eher zurück. Zwar verfügen 90 % der weltweit installierten Endress+Hauser-Messgeräte über eine Feldbusschnittstelle wie Hart, Profibus, Foundation Fieldbus, Modbus, RS485, Ethernet/IP oder Profinet, wirklich genutzt wird diese Fähigkeit zur digitalen Kommunikation aber nur bei 3 % der Feldgeräte. Doch ein Wandel ist absehbar und Endress+Hauser hat sich zum Ziel gesetzt, von Anfang an dabei zu sein, um seinen Kunden dieses brachliegende Potenzial zu erschließen und sich als führender Anbieter im Industrial Internet of Things (IIoT) zu positionieren.

Dreistufige Digitalisierungsstrategie

Die Digitalisierungsstrategie setzt dabei auf mehreren Ebenen an: in den messtechnischen Produkten, bei der Nutzung der von den Feldgeräten zur Verfügung gestellten Daten sowie in der Interaktion mit Kunden. „Wir sind die Ersten auf dem Markt mit diesem Ansatz“, hebt Christophe Pujol, Leiter des Produktmanagements für Serviceprodukte bei Endress+Hauser, hervor. Auf der ersten Ebene, der Konnektivität der Messgeräte, sind die Voraussetzungen bereits gegeben, denn praktisch alle neueren Feldgeräte verfügen über die für die Vernetzung und den Datenaustausch erforderliche Ausstattung. Die Durchflussmessgeräte der aktuellen Baureihe Proline 300/500 beispielsweise bringen nicht nur eine große Vielfalt an Signalausgängen und Feldbusprotokollen mit, sondern auch einen integrierten WLAN-Webserver. Über diese Schnittstellen können neben verschiedenen Prozessgrößen – in diesem Falle beispielsweise Massefluss, Volumenfluss, Dichte, Konzentration, Viskosität und Temperatur – auch viele weitere Sensor- und Prozessdaten erfasst und abgefragt werden. Diese zusätzlichen Daten, die Aufschluss über den Zustand von Feldgeräten und Prozessen geben, stehen bei der Digitalisierung im Mittelpunkt des Interesses, denn sie eröffnen neue Möglichkeiten im Bereich der Instandhaltung und Prozessoptimierung. Ganz konkret im Blick ist dabei die vorausschauende Wartung, die einen messbaren Nutzen in Form einer höheren Anlagenverfügbarkeit und -effizienz hätte.

Ordnung in der installierten Basis

Bevor sich ein entsprechender Mehrwert aus den Daten generieren lässt, müssen diese allerdings erst einmal in konsistenter Form vorliegen. Dies ist heute oftmals nicht der Fall: In vielen Betrieben sind Feldgeräte unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Hersteller installiert, zu denen nicht immer detaillierte Informationen verfügbar sind. Dies führt spätestens dann zu Problemen, wenn Ersatzteile für ein obsoletes Gerät fehlen und eine hektische Ersatzbeschaffung gestartet werden muss.

An dieser Stelle setzt die digitale Anwendung „Netilion Analytics“ von Endress+ Hauser an. Mit ihrer Hilfe werden die Daten aller verbauten Feldgeräte in einheitlicher Form erfasst und in eine passwortgeschützte Cloud übertragen. Dort werden sie mit der Gerätedatenbank von Endress+Hauser abgeglichen und fehlende Daten ergänzt. Die Datenbank enthält nicht nur detaillierte Informationen zu Feldgeräten aus der eigenen Herstellung, sondern – unter Umständen mit geringerem Detaillierungsgrad – Angaben zu Geräten des Wettbewerbs. Die so erstellten „digitalen Zwillinge“ der Feldgeräte sind dann für Befugte von beliebigen Endgeräten aus einsehbar.

Die Erhebung der Daten im Feld kann auf zweierlei Art geschehen: entweder durch einen Scan der Typenschilder mithilfe einer speziellen App oder vollautomatisch durch Installation eines im Feldbus-Netzwerk installierten Schnittstellenbausteins, dem sogenannten Edge Device. In jedem Fall reduziert sich der Zeitaufwand für eine Bestandsaufnahme mit Netilion Analytics auf einen Bruchteil der für eine händische Analyse erforderlichen Zeit. Sind die Daten erst einmal online, kann man sich den umständlichen Weg ins Feld künftig sparen. Die Gerätedaten lassen sich dann einfach per Mausklick einsehen.

Doch der Nutzen der online verfügbaren Daten besteht nicht nur in dem gewonnenen Komfort und der gesparten Zeit. Endress+Hauser liefert Anwendern zusätzliche Wartungsinformationen. „Unser Servicepersonal berät die Kunden hinsichtlich kritischer Messpunkte. Wir identifizieren Obsoleszenzrisiken und Migrationsprioritäten. Dadurch erhalten unsere Kunden ein klares Verständnis für die Möglichkeiten der Standardisierung, einschließlich Empfehlungen für einen schnellen Gerätetausch und eine optimierte Ersatzteillagerung. Ausfall-risiken werden somit auf der Anlage weitgehend minimiert. Unsere Kalibrierberatung unterstützt zudem, die Betriebskosten zu optimieren, ohne dabei die Einhaltung von Qualitäts- oder Sicherheitsanforderungen zu gefährden“, sagt Christophe Pujol.

Vorausschauende Wartung

Wurden die Daten mithilfe von Netilion Analytics erhoben und komplettiert, eröffnen sich weitere Möglichkeiten. Ein Beispiel hierfür ist die bereits angesprochene vorausschauende Wartung. Hierfür entwickelt Endress+Hauser eine Anwendung namens „Netilion Predict“. Sie wird es erlauben, Kalibrier- und Wartungsintervalle an die realen Bedürfnisse des Betriebs anzupassen. Starre, auf Erfahrungswerten beruhende Intervalle, gehören damit der Vergangenheit an – der digitale Zwilling des Messgeräts „weiß“ jetzt selbst, wie lange noch sicher produziert werden kann und wann eine Rekalibrierung nötig ist. Die Anlagenverfügbarkeit steigt und Wartungsmanager sparen Zeit für unnötige Einsätze.

Netilion Analytics und Netilion Predict sind grundlegende Anwendungen, die für sämtliche Bereiche der Prozessindustrie relevant sind. Darüber hinaus ist eine Vielfalt von branchenspezifischen digitalen Services denkbar. Ein Beispiel: Die „Smart Systems App“ kommuniziert über das GSM-Mobilfunknetz mit Liquiline-Messumformern und kann so in Echtzeit Wasserqualitätsparameter wie Ammonium, pH-Wert, Nitrat- oder Sauerstoffgehalt auf das Smartphone des Anlagenbetreibers funken. Denkbar ist sogar, dass künftig weitere Messgerätehersteller oder IT-Dienstleister über das „Netilion-Ökosystem“ nützliche Anwendungen anbieten. Es soll auch als Community-Plattform für den Austausch mit anderen Anwendern dienen. Das Netilion-Ökosystem wurde von der unabhängigen Organisation Eurocloud mit vier Sternen für besonders schützenswerte Daten zertifiziert. Außerdem hat Endress+Hauser eine Staraudit-Zertifizierung erhalten. Dieses Zertifizierungsschema soll zur Stärkung des Vertrauens von Kunden und Nutzern in Cloud-Dienste beitragen.

www.prozesstechnik-online.de

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