Prozessleittechnik – Wege in die Zukunft

Namur-Hauptsitzung 2011 mit Rekordteilnehmerzahl

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Am 10. und 11. November 2011 fand in Bad Neuenahr die 74. Hauptsitzung der Namur mit einer neuen Rekordzahl von 570 Teilnehmern statt. Anwender von Automatisierungstechnik in der Prozessindustrie diskutierten mit eingeladenen Experten und Managern von Herstellern und Verbänden. Das Motto in diesem Jahr lautete „Prozessleittechnik – Wege in die Zukunft“. ABB als Sponsor der Veranstaltung war für den Plenarvortrag und zahlreiche Workshops verantwortlich.

Der Autor: Günter Eckhardt Chefredakteur, cav chemie anlagen verfahren

Die Hauptsitzung wurde von Dr. Norbert Kuschnerus (Bayer Technology Services) eröffnet, der in seiner Rede darauf hinwies, dass für die Namur Kooperationen mit anderen Verbänden und vor allem die internationale Ausrichtung von strategischer Bedeutung sind. Die Entwicklung der Namur-Aktivitäten in China ist ein sehr gutes Beispiel hierfür. Am 23. und 24. November fand in Shanghai zum dritten Mal eine Namur-Konferenz statt, dieses Mal mit Hima als Sponsor. Besonders begrüßte Dr. Kuschnerus die anwesenden Vertreter der europäischen Anwenderverbände EEMUA, EXERA und WIB. Erstmals wurde diesen Verbänden die Möglichkeit gegeben, im Rahmen des Workshop-Programms eigene Aktivitäten zu präsentieren.
Dr. Kuschnerus ging in seiner Rede auch auf die aus Sicht der Namur unbefriedigende Situation in der internationalen Normung ein, die heute strategisch als Mittel zur Marktbeherrschung eingesetzt wird. Er kündigte an, dass die Namur in Zukunft aktiv darauf hinarbeiten wird, die Normung wieder zu dem zu machen, wofür sie immer gedacht war: ein Instrument zur Sicherstellung der Technikkonvergenz.
Die Namur-Hauptsitzung 2011 war auch von einigen organisatorischen Änderungen geprägt: Dr. Kuschnerus gab nach neun Jahren den Vorsitz des Namur-Vorstandes ab. Sein Nachfolger ist Dr. Wilhelm Otten (Evonik Industries), Dr. Kuschnerus bleibt als stellvertretender Vorsitzender weiter im Vorstand.
Prof. Hans Schuler (ehemals BASF) und Dr. Peter Schuster (Sanofi-Aventis) sind nach jeweils neun Jahren Zugehörigkeit aus dem Vorstand der Namur ausgeschieden. Neu in den Vorstand gewählt wurden Dr. Matthias Fankhänel (BASF) und Dr. Thomas Tauchnitz (Sanofi-Aventis). Michael Pelz (Clariant) wird die Leitung des Arbeitsfelds „Prozess- und Betriebsführungssysteme“ übernehmen, Thomas Scherwietes (Infracor) wird das Arbeitsfeld „Feldgeräte“ leiten.
Prozessleittechnik der Zukunft
Unter dem Motto „Prozessleittechnik – Wege in die Zukunft“ eröffnete Dr. Peter Terwiesch, Vorstandsvorsitzender ABB Deutschland, die Reihe der Plenarvorträge. „Obwohl mancherseits als „Commodity“ also „Allerweltsprodukt“ bezeichnet, bietet ein Prozessleitsystem auch heute noch zahlreiche innovative Ansätze, beispielsweise im Bereich der Hardware-Virtualisierung oder der Optimierung von Alarmkonzepten“, betonte Dr. Terwiesch. Dr. Terwiesch weiter: „Während die Virtualisierung zur Kostenreduktion im Bereich der Server und anderer Hardware beiträgt, so ist das Alarmmanagement Bestandtteil eines neuartigen Visualisierungskonzeptes, das den Bediener vor einer Informationsüberflutung und damit vor Fehleinschätzungen und -bedienungen der Produktionsanlage schützen soll.“ Weiterhin betonte Terwiesch die wachsende Bedeutung des Themas IT-Security. „Als vor etwa zehn Jahren der Umstieg auf Microsoft-Windows-basierte Betriebssysteme stattfand, ahnten weder Kunden noch Hersteller, welche Gefahren heute von sogenannter Malware, also Viren, Trojanern und anderer Schadsoftware ausgehen können.“ „ABB habe“, so Terwiesch weiter, „schon lange vor Bekanntwerden des „Stuxnet“-Virus mit eigener Forschung und Entwicklung und in Zusammenarbeit mit entsprechenden Instituten aktiv an Sicherheitskonzepten gearbeitet.“ Zur Zeit werden nicht nur bei ABB „gehärtete“ Kernprogramme für Leitsysteme entwickelt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den klassischen Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Sicherheit, Vorhersagbarkeit und Echtzeitfähigkeit. Dadurch wird das System gegenüber Angriffen von außen sicherer.
Dr. Thomas Tauchnitz, neugewählter Namur-Vorstand, richtete zudem den Blick auf die heutigen Realitäten in vielen Leitsysteminstallationen. „Warum werden moderne Leitsystemfunktionalitäten nicht genutzt, obwohl sie vorhanden sind? Oder warum werden moderne Regelungsstrategien angeboten, aber nicht implementiert?“ Ein Grund ist sicher, so war aus den Vorträgen klar zu entnehmen, dass derartige hochintegrative Systembestandteile im laufenden Betrieb nur schwer ohne die Gefahr einer Betriebsstörung umzusetzen sind. Andererseits stammen gerade in Deutschland zahlreiche Produktionsanlagen und ihre Automatisierungssysteme aus einer Zeit, in der diese Funktionalitäten noch nicht verfügbar waren. Dr. Olaf Kahrs von der BASF bestätigte: „Sinnvoller wäre es jedoch, diese Regelstratiegien bereits im Engineering zu berücksichtigen“.
Erste Implementierung von FDI
Starke Beachtung fand in Bad Neuenahr der weltweit erste funktionsfähige FDI-Demonstrator, den ABB in seinem Ausstellungsbereich zeigte. FDI – Field Device Integration – vereinheitlicht sämtliche Feldgerätestandards und ermöglicht so dem Anwender eine problem- lose Integration von Feldgeräten unterschiedlicher Hersteller in einem Leitsystem. Die Lebenszykluskosten lassen sich dadurch nachhaltig senken, das Handling wird vereinfacht und die technischen Risiken minimiert.
Bei dem vorgestellten Funktionsmodell wurden Foundation Fieldbus-, Hart- und Profibus-Feldgeräte von verschiedenen Herstellern erstmals mithilfe von FDI Device Packages in ein ABB-Prozessleitsystem integriert und typische Anwendungsfälle wie Parametrierung, Konfigurierung, Diagnose und Wartung demonstriert. Das System nutzt bereits Prototypen der von der neugegründeten FDI Cooperation entwickelten Standard-FDI-Host-Komponenten. Der Prototyp dient der Verifizierung der FDI-Konzepte, Erprobung der Standard-Host-Komponenten und Demonstration der FDI-Funktionalität. Er leistet einen wesentlichen Beitrag zur Qualitätssicherung der FDI-Spezifikationen und Tools. Die nächsten geplanten Schritte der FDI Cooperation sind:
Veröffentlichung des ersten Entwurf der FDI-Spezifikationen, Ende 2011
Fertigstellung der FDI-Konformitätstest-konzepte, Mitte 2012
Abschluss der Validierung und Freigabe der FDI-Spezifikationen für den Mitglieder- Review in den Foundations, Mitte 2012
Fertigstellung der FDI-Standard-Host- Komponenten wie EDD Engine und User Interface (UI) Engine durch die FDI Cooperation, Ende 2012
Zur Zeit unterstützen sieben der größten Automatisierungshersteller (ABB, Emerson, Endress & Hauser, Honeywell, Invensys, Siemens und Yokogawa) und alle bedeutenden Feldbus-Interessensverbände (FDT Group, Fieldbus Foundation, Hart, Profibus & Profinet und OPC) die Einführung der Technik, die die zwei am Markt konkurrierenden Geräteintegrationsmethoden FDT/DTM und EDDL vereint.
Namur-Hauptsitzung 2012
Der letzte Fachvortrag der Hauptsitzung hatte den Titel „Stellgeräte – die Arbeitspferde unter den PLT-Geräten“ und zeigte die Vielfalt von Lösungen für unterschiedliche Aufgabenstellungen in der Prozessindustrie. Er leitete traditionsgemäß zum Motto der nächsten Hauptsitzung über, die am 8. und 9. November 2012 wieder im Dorint Parkhotel stattfinden wird. Das Motto der Hauptsitzung 2012 wird sein: Aktorik – von der Handdrossel zum smarten Stellgerät. Als Sponsor konnte mit Samson ein bekannter Hersteller von Ventilen gewonnen werden, dessen Fachkompetenz eine gelungene Veranstaltung 2012 erwarten lässt.
prozesstechnik-online.de/cav1211
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