Brandschutz in der Schüttgutindustrie

Wie Speziallöschanlagen schützen können

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Trotz umfassender, vorbeugender Maßnahmen wird es wohl immer wieder Brände geben. Besonders gefährdet sind dabei Betriebe, die sich auf die Verarbeitung von gemahlenen oder pulverförmigen Schüttgütern spezialisiert haben. Brandschutzexperte und Geschäftsführer der Integra Speziallöschanlagen GmbH Detlev Mengis hat sich mit der Redaktion über dieses heikle Thema und wirkungsvolle Lösungen ausgetauscht.

Sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Bereich ist Brandschutz präsenter denn je. Trotzdem wird es immer wieder zu Bränden kommen. Herr Mengis, könnten Sie uns zu Beginn bitte einige Zahlen nennen?

Mengis: Neben Glimmnestern gehen etwa 30 % aller Brände auf elektrische Anlagen, Betriebsmittel und Geräte zurück. Nach Angaben der Versicherungswirtschaft beläuft sich jeder dritte Industriebrand auf Sachschäden von mehr als 500 000 Euro. Die Hälfte der Firmen, die einen Großbrand erlitten haben, müssen Insolvenz anmelden. Das zeigt, dass Brände infolge von Betriebsunterbrechungen nicht nur hohe Folgekosten nach sich ziehen können, sondern unter Umständen die wirtschaftliche Existenz des Produktionsbetriebs gefährden.

Das sind beeindruckende und zugleich erschreckende Zahlen.
Mit welchen Maßnahmen kann das Brandrisiko bei elektrischen Geräten eingedämmt werden?

Mengis: Zunächst ist zu bedenken, dass ohne gesicherte elektrische Energie der Betrieb von Produktionseinrichtungen in Unternehmen nicht möglich ist. Aus diesem Grund steht die Verfügbarkeit für die Betreiber an erster Stelle. Regelmäßige Prüf- und Wartungsintervalle sind ein wichtiger Schritt und dennoch lassen sich Brandgefahren, die von einer Anlage ausgehen, nicht gänzlich ausschließen. Ein Grund dafür sind die vielfältigen Brandursachen. Laut Statistiken sind Brandereignisse unter anderem auf Kurzschlüsse, Überlastungen und Überhitzungen, fehlerhafte Anschlüsse, Wärmestau durch Nachrüstungen, Erhöhung der Belegungsdichte, gestörte Wärmeabfuhr und Materialermüdung zurückzuführen. Insbesondere Schaltanlagen und Schaltschränke stellen in diesem Zusammenhang eine elementare Gefahr dar und werden zunehmend von Industrieversicherern unter die Lupe genommen.

Bleiben wir beim Thema Schaltanlagen und Schaltschränke. Wie sieht der Brandschutz dort in der Praxis aus?

Mengis: Meine Praxis zeigt, dass leider noch zu viele Unternehmen der Schüttgutindustrie den Brandschutz in Schaltschränken sträflich vernachlässigen. Hier gibt es häufig vielzählige Unterverteilungen, Betriebseinrichtungen und Maschinensteuerungen, die herkömmliche Schutzvorkehrungen aufwendig und teuer machen. Deshalb haben wir eine Speziallöschanlage entwickelt, die aus verschiedenen Modulen besteht, sich für unterschiedliche Anforderungslevel anpassen lässt und gleichzeitig für eine automatische Brandbekämpfung sowie einfache Installation steht.

Wie sieht diese Lösung konkret aus?

Mengis: Das System arbeitet mit einem flexiblen Sensorschlauch, der Wärme zuverlässig detektiert. Bei einer Auslösung öffnet das Ventil pneumatisch und gibt das Löschmittel frei. Der Vorteil ist, dass keine elektrische Energie notwendig ist, wie es beispielsweise bei anderen elektrischen oder mechanischen Auslösesystemen der Fall ist. Es gibt drei Systeme, die sich in der Detektionsart und -empfindlichkeit unterschieden.

Könnten Sie die Funktionsweise näher eräutern?

Mengis: Ja, gerne. Der flexible Sensorschlauch wird direkt im Gefahrenbereich, also bei den Kabeln und Komponenten, installiert. So erreichen wir eine hohe Auslöseempfindlichkeit. Bei einem Brand verursacht die Wärme, dass der unter Druck stehende Sensorschlauch an der heißesten Stelle bei circa 110 °C birst. Es kommt zu einem Druckabfall im Sensorschlauch, woraufhin sich das Differenzventil öffnet und der Schrank mit dem Löschmittel CO2 geflutet wird. Das Feuer wird innerhalb kürzester Zeit gelöscht und dadurch werden Schäden und Ausfallzeiten auf ein Minimum reduziert. Der erforderliche Füllgrad in der CO2-Löschmittelflasche wird kontinuierlich über eine digitale Füllstandsüberwachung (Dimes) kontrolliert.

Sie sagten, dass es drei Module gibt. Wodurch zeichnen sie sich aus?

Mengis: Wir haben die Module Basic, Sensitive und Highsensitive, die sich in ihrer Komplexität unterscheiden. Mit Basic ist ein einfacher und günstiger Grundschutz gegeben. Dennoch eignet sich das Modul für den sicheren Einsatz bei robusten und staubigen Umgebungsbedingungen, wie sie in der schüttgutverarbeitenden Industrie gegeben sind. Es ist unempfindlich gegenüber Staub, Feuchtigkeit und Fetten und die erhöhte Schutzart IP 54/65 erfüllt ohne weitere Maßnahmen die der Zone 20.

Welche technischen Eigenschaften hat das Modul Sensitive?

Mengis: Sensitive bietet einen höheren technischen Aufwand hinsichtlich der Branderkennung und erfüllt dementsprechend weitergehende Ansprüche an die Auslöseempfindlichkeit von Feuerlöschsystemen. Der lineare Sensorschlauch wird durch ein an die Bedürfnisse angepasstes Rauchmeldesystem ersetzt. Daneben kommen eine Brandmelde- und Steuerzentrale, ein Mehrfachsensormelder, der Rauch und Wärme detektiert, eine elektrische Handauslösung, eine Löschmittelflasche mit angepasster Löschmittelmenge sowie eine elektronische Füllstandüberwachung (CO2) zum Einsatz. Bei Bedarf ist auch ein akustischer oder optischer Signalgeber erhältlich.

Für welche Einsatzgebiete eignet sich das Modul Sensitive?

Mengis: Es gibt eine Vielzahl an passenden Einsatzgebieten, so eignet es sich ideal für kritische Umgebungen. Dazu zählt die Gefahr eines langfristigen Ausfalls genauso wie der Schutz hochwertiger Güter oder schlichtweg, wenn eine Wiederbeschaffung aufwendig und schwierig ist.

Das dritte Modul ist dann bestimmt das i-Tüpfelchen in Sachen Brandschutz?

Mengis: Schüttgutunternehmen, die Ausfallzeiten und Folgeschäden auf das technisch mögliche Minimum beschränken wollen, sind mit Highsensitive bestens ausgestattet. Der Unterschied zum Modul Sensitive liegt in der technisch aufwendigeren Rauchdetektion. Es kommen aktive Rauchansaugsysteme zum Einsatz, die sich die Brandkenngröße selbst zuführen. Dies erfolgt über einen integrierten Lüfter und ein Rohrsystem mit definierten Ansaugbohrungen, über die permanent Luft aus dem Überwachungsbereich angesaugt wird. So werden Luftproben gewonnen, die in der Detektionseinheit mit hochempfindlichen Rauchsensoren auf Rauchpartikel untersucht werden.

Wie trifft der Brandschutzbeauftragte die richtige Entscheidung?

Mengis: Im Normalfall bestimmt das zu schützende Raumvolumen die Größe der Speziallöschanlage. Alle Module sind in verschiedenen Größen erhältlich und je nach Einsatzgebiet und aus Gründen des Personenschutzes kann auch ein anderes Löschmittel als Kohlendioxid eingesetzt werden. Bei kleinen Räumen oder Ausstellflächen, bei Installationen in Fluchtwegen oder bei begehbaren Objekten sollten alternative Löschmittel eingesetzt werden. Aus der Familie der sauerstoffverdrängenden Mittel bietet sich Stickstoff oder Argonite an.

www.prozesstechnik-online.de

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DAS INTERVIEW FÜHRTE FÜR SIE Daniela Held

Redakteurin


„Die Praxis zeigt, dass leider noch zu viele Unternehmen der Schüttgutindustrie den Brandschutz in Schaltschränken sträflich vernachlässigen.“

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