Transport- und Prozessbänder mit hygiene- und verschleißoptimierten Bandkanten

Vier Möglichkeiten, ein Ziel

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Die Kanten von Transport- und Prozessbändern sind häufig einer starken mechanischen Belastung ausgesetzt und können leicht das Einfallstor für flüssige Medien und Mikroorganismen sein. Die Folgen sind zerstörerisch. Es kann zur Bildung von Flusen, zur Lagentrennung und zur Einnistung von Schmutz und Mikroorganismen kommen. Forbo Siegling bietet vier Möglichkeiten für eine hygiene- und verschleißoptimierte Kantengestaltung von Transilon-Bändern, über die dei mit Dipl.-Ing. Claus Cremer, Head of Business Development Food & Tobacco, sprach.

dei: Unversiegelte Bandkanten können unter hygienischen und mechanischen Gesichtspunkten echte Schwachstellen darstellen. Warum ist das so?

Cremer: Über sie können flüssige Medien und mit ihnen Mikroorganismen in das Band eindringen. Außerdem besteht die Gefahr, dass durch mechanische Belastungen das Gewebe an der Bandkante zerstört wird.
dei: Siegling-Transilon-Transport- und -Prozessbänder bestehen aus einem oder mehreren Gewebezugträgern, die in Lagen von Klebstoff und polymeren Beschichtungswerkstoffen eingeschlossen sind. Was passiert, wenn in diesen Verbund Wasser eindringt?
Cremer: Das Wasser kann in Kombination mit höheren Temperaturen zur Hydrolyse der Klebstoffe führen. Das heißt, der Klebstoff wird zerstört und die Haftung zwischen den einzelnen Bandschichten geht verloren. Man spricht in diesem Fall von einer Lagentrennung.
dei: In vielen Bereichen der Lebens- mittelindustrie werden Transilon-Bänder mit unversiegelten Bandkanten eingesetzt. Welche Bereiche sind das?
Cremer: Hauptsächlich Bäckereien. Die hier transportierten Produkte durchlaufen eine Wärmebehandlung, so dass unter Umständen eingetragene Mikroorganismen auf jeden Fall abgetötet werden. Und zweitens der Verpackungsbereich. Hier kommen die unversiegelten Transilon-Bänder in Verpackungsmaschinen zum Einsatz, wo sie bereits verpackte Lebensmittel transportieren. Besonders dort, wo Feuchtigkeit im Spiel ist und hohe hygienische Anforderungen gestellt werden, beispielsweise bei der Herstellung und Verarbeitung von Fleisch, Wurst oder Käse, sind Transilon-Bänder mit versiegelten Bandkanten die erste Wahl. Das gilt auch für den Transport von nicht verpackten Lebensmitteln und für Anwendungen, bei denen Produkte mit Überzügen, zum Beispiel aus Schokolade, versehen werden.
„Besonders dort wo Feuchtigkeit im Spiel ist und hohe hygienische Anforderungen gestellt werden, sind versiegelte Bandkanten die erste Wahl.“
dei: Forbo Siegling hat zwei Ausführungen von Transilon-Bändern entwickelt, die kons-truktionsbedingt eine hygienisch und mechanisch optimierte Bandkantengestaltung aufweisen. Um welche Spezialbänder handelt es sich?
Cremer: Das sind die Transilon-Bänder in Frayfree- und Fullseal-Ausführung. Daneben gibt es das Smartseal- und Hot-seal-Verfahren mit denen die Bandkanten von Standard-Transilon-Bändern nachträglich versiegelt werden können.
dei: Die Frayfree-Bänder zeichnen sich durch eine hohe Gewebestabilität im Bereich der Bandkante aus.
Cremer: Richtig. Diese flusenfreien, einseitig beschichteten und auf der Laufseite imprägnierten Bänder weisen eine besondere Gewebekonstruktion aus. Die Längs- und Querfäden sind so mit einander verwoben, dass die Querfäden nicht auswandern können und die Längsfäden fest im Gewebe fixiert sind. Außerdem bestehen die verarbeiteten Fäden aus kurzen Fasern. Darüber hinaus garantiert ein von Forbo Siegling entwickeltes Verfahren eine besonders feste Einbindung der Gewebepakete in den Bandkörper.
dei: Bei einer mechanischen Belastung der Bandkante, beispielsweise durch Reibung, kann es also zu keinem Ausfransen kommen?
Cremer: Das kann man so nicht sagen. Bei mechanischen Belastungen kommt es immer zum Abrieb. Dieser ist aber bei den Transilon-Bändern in Frayfree-Ausführung durch die spezielle Gewebe- konstruktion minimiert und aufgrund der kurzfasrigen Fäden sehr fein. Bei herkömmlichen Bändern würden ganze Fäden aus dem Verbund gezogen. Diese können in das Produkt geraten oder sich im schlimmsten Fall um die Rollen des Antriebs wickeln.
dei: Macht die hohe Gewebestabilität der Transilon-Frayfree-Bänder eine Bandkantenversiegelung überflüssig?
Cremer: Das kommt auf die Anwendung an. Werden diese Bänder im Nassbereich der Lebensmittelindustrie eingesetzt, kann eine Versiegelung der Bandkante durchaus sinnvoll sein, um sicher zu gehen, dass keine Flüssigkeiten in das Bandgewebe eindringen können.
„Bei der Fullseal-Ausführung ist die Bandkantenversiegelung bereits eingebaut.“
dei: Kommen wir zu den Transilon-Bändern in Fullseal-Ausführung. Bei diesen Prozess- und Transportbändern ist eine Bandkantenversiegelung konstruktionsbedingt nicht notwendig. Warum?
Cremer: Weil die bereits eingebaut ist. Bei herkömmlichen Bändern haben die Längsfäden im Gewebezugträger immer den gleichen Abstand. Im Unterschied dazu, sind die Längsfäden in den Fullseal-Bändern zu Scharen gruppiert. Der Abstand zwischen den Scharen von Längsfäden beträgt ein Zoll. Der Breitenzuschnitt der beidseitig beschichteten Bänder erfolgt immer im Raum zwischen den Längsfädenscharen. Das bedeutet, die Längsfäden werden nicht beschädigt und die beidseitige Beschichtung wirkt wie eine Band- kantenversiegelung.
dei: Was ist mit den Querfäden?
Cremer: Bei genauem Hinsehen sind sie als kleine weiße Punkte auf der Bandkante erkennbar. Allerdings sind die Querfäden so gut zwischen den Bandschichten eingebunden, dass sie nicht aus dem Band gezogen werden können.
dei: Besteht die Gefahr, dass über die Quer- fäden flüssige Medien in den Bandkörper eindringen können?
Cremer: Das Risiko ist vernachlässigbar, denn der kleine Durchmesser der Quer- fäden bieten den flüssigen Medien nur eine minimale Angriffsfläche. Außerdem hat die USDA Eindringversuche gemäß ihrer Zertifizierungsrichtlinien durchgeführt. Sie zeigten, dass die Einbettung der Querfäden so gut ist, dass nichts eindringen kann. Deshalb sind die Transilon-Bänder in Fullseal-Ausführung für den Einsatz in Fleischereien und anderen hygienisch sensiblen Bereichen der Lebensmittelindustrie prädestiniert.
dei: Die Transilon-Transport- und -Prozessbänder in der Standardausführung haben normale Bandkanten. Letztere können aber nachträglich veredelt werden.
Cremer: Genau. Hierfür hat Forbo Siegling das Smartseal- und Hotseal-Verfahren entwickelt.
„Wir kommen ohne Rundschnüre oder Flachprofile aus, die zusätzlich an die Bandkante angeschweißt werden müssten.“
dei: Beschreiben Sie bitte das Smartseal- Verfahren.
Cremer: Beim Smartseal-Verfahren nutzen wir den Umstand, dass die Transilon- Bänder im Normalfall eine Beschichtung haben, bei zweilagigem Aufbau kommt eine Zwischenschicht hinzu. Der Randbereich der Bänder wird in einem getakteten Prozess bei höheren Temperaturen zusammengepresst, so dass die thermo- platischen Werkstoffe austreten und die Bandkante versiegeln. Im Unterschied zu anderen Versiegelungsverfahren, kommen wir ohne Rundschnüre oder Flachprofile aus, die zusätzlich und mit großem Aufwand an die Bandkante angeschweißt werden müssten.
dei: Hat die Banddicke einen Einfluss auf die Anwendbarkeit des Smartseal-Verfahrens?
Cremer: Die Bänder dürfen nicht dicker als 4,5 mm sein. Nach unten gibt es keine Begrenzung, sofern die Bänder eine Beschichtung aufweisen.
dei: Warum dürfen die Bänder nicht dicker als 4,5 mm sein?
Cremer: Das ist einfach maschinenbedingt. Dieser limitierende Faktor spielt aber kaum eine Rolle, weil die Transilon-Bänder nur in Ausnahmefällen dicker als 4,5 mm sind. Im Foodbereich liegen die Banddicken in der Regel zwischen 1,5 und 2,0 mm.
dei: Verändert das Smartseal-Verfahren die Laufeigenschaften des Bandes an Messer- kanten?
Cremer: Nein, und genau das ist der entscheidende Vorteil des Verfahrens. Die mit dem Smartseal-Verfahren versiegelten Bänder können ohne Einschränkungen über Messerkanten laufen. Das ist bei Bändern, die mithilfe von Rundschnüren oder Flachprofilen versiegelt werden nicht der Fall.
dei: Als zweites Verfahren zur nachträglichen Bandkantenversiegelung bietet Forbo Siegling das Hotseal-Verfahren an. Wie funktioniert dieses Verfahren.
Cremer: Bei diesem Verfahren wird ein Heißschmelzkleber in einem kontinuierlichen Prozess auf die Bandkante der Standard-Transilon-Bänder aufgebracht. Dieser Kleber haftet sehr gut auf der Bandkante. Nach dem Aushärten ist die Versiegelung duroplastisch, so dass die Bänder ohne Veränderung der Bandkante zugeschnitten oder gestanzt werden können. Gleiches gilt für Einsatzfälle, bei denen die Bänder Hitze ausgesetzt sind. Darüber hinaus weist diese Versiegelung eine hohe Abriebbeständigkeit auf.
„Nach dem Aushärten ist die Versiegelung duroplastisch, so dass die Bänder ohne Veränderung der Bandkante zugeschnitten werden können.“
dei: Wann ist das Hotseal-Verfahren das Verfahren der Wahl?
Cremer: Bei der Bandkantenversiegelung von strukturierten Transilon-Bändern. Durch das Zusammenpressen der Band-ränder beim Smartseal-Verahren wird in diesem Bereich die Struktur platt gemacht. In Relation zur Gesamtbandbreite ist das zwar nur ein kleiner Bereich, dennoch kann bei sehr erhabenen Strukturen diese Veränderung nachteilig sein.
dei: Kann man das Smartseal- oder Hotseal-Verfahren auch bei gebrauchten Transilon-Transport- und -Prozessbändern nutzen?
Cremer: Prinzipiell ist das möglich. Voraussetzung ist allerdings, dass die Randbereiche und die Kanten der Bänder sauber sind. Das gilt insbesondere für das Hotseal-Verfahren, denn Schmutz verschlechtert die Haftung des Heißschmelzklebers. Bei gebrauchten Bändern, die stark mit Öl oder Fett kontaminiert sind, würde ich von einer Bandkantenversiegelung abraten.
dei: In der Transilon-Produktfamilie gibt es auch Silikonbänder. Wie sieht es hier mit einer Bandkantenversiegelung aus?
Cremer: Sowohl das Smartseal- als auch das Hotseal-Verfahren können bei diesen Bändern nicht angewendet werden. Der Ausweg ist, das man im Randbereich Zugträgergewebe entfernt und die dadurch freigewordene Silikondeckschicht über die Bandkante legt, um so nachträglich eine Bandkantenversiegelung zu erreichen. Eine Ausnahme sind zweilagig aufgebaute Transilon-Bänder, die eine Silikondeckschicht und eine Zwischenschicht aus PVC oder Polyurethan haben. Hier kann aufgrund der thermoplastischen Werkstoffe in der Zwischenschicht das Smartseal- Verfahren angewendet werden.
dei: HACCP ist ein Schlüsselbegriff in der Lebensmittelindustrie. Diesem Umstand tragen Sie mit den Transilon-Transport- und -Prozessbändern in der Frayfree- und Fullseal-Ausführung sowie mit den Smartseal- und Hotseal-Verfahren zur Bandkantenversiegelung nachhaltig Rechnung.
Cremer: Das ist richtig. Auf der einen Seite unterstützen wir mit den genannten Bandausführungen und Bandversiegelungsverfahren die betrieblichen HACCP-Konzepte unserer Kunden. Auf der anderen Seite runden wir mit den beschriebenen Möglichkeiten unser Angebot an HACCP-Transilon-Bändern ab. Diese weißen und blauen Bänder mit BfR- und FDA-Zulassung, die bereits jetzt der aktuellen EU-Richtlinie 1935/2004 entsprechen, sind hydrolysebeständig und haben gute Ablöseeigenschaften. Ferner bieten die Bänder einen präventiven Schutz vor Mikroorganismen, weil sie aus speziellen Werkstoffen gefertigt werden, die Mikroorganismen keine Nährstoffe für Wachstum und Vermehrung zur Verfügung stellen. Biozide Additive kommen nicht zum Einsatz.
dei: Seit kurzer Zeit beschriften Sie auf Kundenwunsch Ihre Bänder mit Laser. Welche Vorteile hat das für den Anwender?
Cremer: Auch diese Maßnahme unterstützt das HACCP-Konzept unserer Kunden. Denn diese abriebfeste, FDA-konforme Kennzeichnung verhindert eine Verwechselung der Bänder. Mit dem Laser brennen wir zudem geometrische Formen oder Muster in die Bandoberfläche ein. Sie dienen der Platzierung von Produkten und unterstützen moderne Bildverarbeitungs- systeme bei der Erkennung von Band- positionen. (le)
Online-Info www.dei.de/1109449

Bei den Siegling-Transilon-Bändern handelt es sich um gewebebasierte Transport- und Prozessbänder für den innerbetrieblichen Materialfluss. Die Bänder bestehen in der Regel aus ein bis drei Polyester-Gewebelagen, die als Zugträger fungieren und die Längs- und Querkräfte aufnehmen. Die Funktions- oder Tragseite der Bänder ist üblicherweise beschichtet. Als Beschichtungswerkstoffe werden – je nach Zielanwendung – PVC, Polyurethan, Silikon, Polyolefin, Polyester oder Polyamid eingesetzt. Der in der Lebensmittelindustrie am meisten zum Einsatz kommende Beschichtungswerkstoff ist Polyurethan. Forbo Siegling hat mehrere hundert Bandtypen im Transilon-Programm. Allein für die Lebensmittelindustrie umfasst das Produktprogramm mehr als 90 verschiedene Bandtypen, die für die unterschiedlichsten Anwendungsfälle in der Lebensmittelindustrie entwickelt wurden.
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