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Bühne frei für funktionelle Lebensmittel

Food & Health ingredients Europe 2020
Bühne frei für funktionelle Lebensmittel

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Vom 1. bis 3. Dezember 2020 finden die Food ingredients Europe und ihr Gegenstück im Bereich funktioneller Inhaltsstoffe, die Health ingredients Europe, erstmals als Messe-Duo in Frankfurt statt. Julien Bonvallet, Brand Director beim Veranstalter Informa Markets, erklärt im Interview die Gründe für die Neuausrichtung. Und er erläutert, welche Trends den Markt für funktionelle Lebensmittel aktuell prägen.

Warum finden die Food ingredients Europe und die Health ingredients Europe, die bisher im jährlichen Wechsel durchgeführt wurden, ab diesem Jahr gemeinsam statt?

Julien Bonvallet: Für uns war diese Neuausrichtung eine logische Folge der aktuellen Marktsituation: Verbraucher stellen immer höhere Erwartungen an Nahrungsmittel, die Grenzen zwischen herkömmlichen Lebensmitteln und Nahrungsergänzung fallen und funktionelle Produkte erobern die Regale im Lebensmittelhandel – ob bei Getränken, Süßwaren oder im Molkereisegment. Außerdem haben wir ausführliche Aussteller- und Besucherbefragungen durchgeführt. Mehr als 65 % der Aussteller gaben an, dass sie eine zeitgleiche und jährliche Ausrichtung der Messen gut finden würden, und 75 % der Besucher sagten, dass sie die Messe jedes Jahr besuchen würden. Künftig wird die Fi & Hi Europe jährlich im Wechsel zwischen Frankfurt und Paris stattfinden.

Funktionelle Lebensmittel versus Nahrungsergänzung: Wie entscheiden sich die Verbraucher?

Bonvallet: Wer sich gesund ernähren wollte, achtete lange Zeit einfach auf einen ausgewogenen Speiseplan aus Obst, Gemüse, Proteinen, Vollkorn und wenig Fett und Zucker. In den vergangenen Jahren jedoch ist die optimale Nährstoffversorgung zu einem wichtigen Thema geworden. Nahrungsergänzungsmittel können Mangelzustände, ob nun vermeintlich oder tatsächlich, schnell und unkompliziert schließen und sind bei Verbrauchern nach wie vor hoch im Kurs. Doch immer mehr Menschen wollen heute mehr – eine ausgewogene Versorgung ganz flexibel in ihre tägliche Ernährung einbinden. Und es gibt einen enormen Wunsch nach Selbstoptimierung: aus dem, was die Natur jedem von uns gegeben hat, das Beste herauszuholen. Das heißt: Bühne frei für funktionelle Lebensmittel!

Wie kann diese Art der Ernährung konkret im Alltag aussehen?

Bonvallet: Als Hybride aus Lebensmitteln und Nahrungsergänzung ermöglichen funktionelle Lebensmittel auf bequeme Weise eine maßgeschneiderte Ernährung: Sie machen satt, schmecken und bieten gesundheitlichen Mehrwert, ohne dass man Pillen schlucken muss. So kann ich nach einem Frühstück mit Superfood-Brot vormittags zu einem probiotischen Shot greifen, um mein Verdauungs- und Immunsystem zu unterstützen. Der kleine Hunger am Nachmittag wird mit einem proteinangereicherten, niedrig-glykämischen Fruchtjoghurt gestillt. Nach der Arbeit geht es ins Studio mit einem isotonischen Sportgetränk, das gleichzeitig Muskeln und Gelenke unterstützt. Das Abendessen ist dann eine „normale“ Mahlzeit, mögliche Nährstofflücken füllt ein Nahrungsergänzungsmittel auf. Und der Snack am Abend besteht aus fettreduzierten Kichererbsenchips mit hohem Proteingehalt.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Hersteller?

Bonvallet: Verbraucher sind offen für neue Produkte und experimentierfreudig wie nie, deshalb gibt es viele Möglichkeiten für Produktentwicklungen. Immer mehr Unternehmen der Branche tun sich zusammen, um gemeinsam neuartige Produkthybriden zu schaffen. Die große Herausforderung ist jedoch, dass durch die EU-Health-Claim-Regulierung wissenschaftliche Forschungsmethoden und umfangreiche Studien oft einen zentralen Teil des Entwicklungsprozesses bilden – das kostet Zeit und Geld. Interessanterweise sind die Verbraucher aber nicht immer auf der Suche nach Health Claims: Oft sind es einfach nur natürliche Zutaten und Pflanzenextrakte, die aus einem normalen Produkt ein Wellness-Lebensmittel machen, etwa ein mit Matcha angereichertes Near-Water-Getränk.

Welche Herausforderungen gibt es neben der Health-Claim-Regulierung der EU noch?

Bonvallet: Eine Herausforderung sind auch die hohen Erwartungen der Käufer an funktionelle Produkte insgesamt: Optimaler Geschmack und das gewohnte Mundgefühl sind ein Muss, ebenso wie Nachhaltigkeit, Clean Label und Natürlichkeit. Dass Fi Europe und Hi Europe nun gemeinsam stattfinden, schafft eine ideale Plattform für Unternehmen zum Networking, Austausch und um mit Partnern diese neuen Anforderungen des Marktes zu bewältigen.

Angesichts einer alternden Bevölkerung ist gesundes Altern ein Trendthema. Wie können funktionelle Lebensmittel hier punkten?

Bonvallet: Jeder möchte so lange wie möglich ein gesundes und aktives Leben führen, doch die Liste der Beschwerden ist bei den über 60-Jährigen lang. Sie wollen ihr Immunsystem stärken, neue Energie sowie etwas für die Gelenk-, Augen- und Herzgesundheit oder frisches Aussehen tun. Da viele zusätzlich zu Arzneimitteln schlicht nicht noch mehr Pillen schlucken möchten, ist diese Altersgruppe besonders empfänglich für neue Formen der Nährstoffzufuhr. Früher war es aufgrund ihrer Stabilität oft schwierig, Wirkstoffe außerhalb von Tabletten nutzbar zu machen. Dank des technologischen Fortschritts gibt es heute Riegel mit Coenzym Q10 oder seiner aktiven Form Ubiquinol ebenso wie Würstchen angereichert mit Omega-3-Fettsäuren.

Welche anderen Trends prägen den Markt?

Bonvallet: Sporternährung ist wichtiger denn je und soll laut dem Marktforschungsunternehmen Mordor Intelligence in den kommenden Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum von 12,2 % verzeichnen. Dabei geht es nicht wie bisher einfach um einen hohen Proteingehalt und hohe Energiezufuhr, sozusagen als Lösung für alle. Stattdessen prägen maßgeschneiderte Produkte für spezifische Trainingsbedürfnisse, verschiedene Darreichungsformen und auch vegane Varianten die Produktentwicklung in diesem Bereich. Auch Schönheit von innen ist ein wichtiger Trend. Japan hat als Vorreiter in diesem Bereich bereits Pionierarbeit geleistet und Hightech-Softdrinks entwickelt, die reich an Vitaminen, Kollagen und Hyaluronsäure sind. Nun folgt der europäische Markt mit Produkten wie Kollagendrinks und Keratin-Gummibärchen. Auch in Sachen Darmgesundheit tut sich einiges: Mit Ballaststoffen angereicherte Lebensmittel und probiotische Milchprodukte sind nach wie vor beliebt, und inzwischen gibt es sogar probiotische Schokolade und Müsliriegel. Und über allem liegt der Wunsch der Verbraucher nach Natürlichkeit, dem wir einen eigenen Themenbereich auf der Messe widmen: Natural ingredients (Ni).


Das Interview führte Für Sie: Katrin Wagner

Freie Journalistin


Covid-19: Allsecure-sTandard für Messe

Informa Markets ist zuversichtlich, dass die diesjährige Fi Europe gemeinsam mit der Hi Europe wie geplant vom 1.bis 3. Dezember in Frankfurt stattfinden kann. Als Reaktion auf COVID-19 hat Informa Markets in Zusammenarbeit mit Partnern, Verbänden und Regierungsbehörden den Allsecure-Standard entwickelt. Hohe Auflagen bei Sicherheit und Hygiene sorgen dafür, dass Besucher und Aussteller die Trends von morgen in einer kontrollierten und sicheren Umgebung erleben können.

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