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Wenn Schmierfett aus dem Lager quillt

Leitfaden zu lebensmittelverträglichen Lagervarianten
Wenn Schmierfett aus dem Lager quillt

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Lagerschäden können zu ungeplantem Maschinenstillstand führen und das Risiko einer Lebensmittelkontamination erhöhen. Durch ein beschädigtes Lager etwa kann Schmierfett austreten und mit dem Lebensmittel in Berührung kommen. Anlagenhersteller und -betreiber können heute für alle Schritte der Lebensmittelherstellung auf vielfältige lebensmitteltaugliche Lager und Lagergehäuseeinheiten zurückgreifen. Was dabei zu beachten ist, lesen Sie im Folgenden.

Die Einsatzbedingungen sind für Lagergehäuseeinheiten in lebensmittel- und getränkeverarbeitenden Betrieben eine große Herausforderung: Feuchtigkeit und aggressive Reinigungs- und Desinfektionschemikalien wirken auf Metallteile hochkorrosiv. Lagerdichtungen können durch den Wasserstrahl von Hochdruckreinigern beschädigt werden, sodass Verunreinigungen in das Lager gelangen oder der Schmierstoff ausgewaschen oder verdünnt wird. Unter diesen Bedingungen ist die Lebensdauer der meisten Lagereinheiten deutlich reduziert.

Regelmäßige Wartung und Nachschmierung verlängern zwar die Lagerlebensdauer von Lagern, bergen aber das Risiko anschließenden Schmiermittelaustritts durch überschüssiges Schmierfett, das durch die Drehung des Lagers herausgedrückt wird. Mancherorts ist die Verwendung von Gehäuseendabdeckungen üblich, zum Schutz des Maschinenbedieners und um das Lager vor Auswaschung zu schützen. Sie verhindern die Schmiermittelfreisetzung aber nicht vollständig und Schmierfettreste sowie Feuchtigkeit (ideal für Bakterien) können sich ansammeln, selbst wenn sie eine Drainagebohrung enthalten. Im Folgenden sind einige Varianten aufgeführt, die diese Probleme umgehen.

Gleitlager aus Polymer

Gleitlagereinheiten aus Polymer bestehen aus technisch hoch entwickelten Polymeren. Die fettfreien Lager sind beständig gegen Auswaschung und Korrosion. Sie übertreffen Standardkugellager in Lebensdauer, Wartungsbedarf und Lebensmittelsicherheit, besonders in Anwendungen, die intensive Reinigung und Desinfektion erfordern. Manche Gleitlager verwenden ein blaues, metalldetektierbares Polymer für bessere Lebensmittelsicherheit; andere verwenden technisch hoch entwickelte Polymere für zuverlässige Performance in Anwendungen mit höheren Drehzahlen, Lasten und Temperaturen.

  • Bestens geeignet für Anwendungen mit moderaten Drehzahlen und ohne Spannung (z. B. modulare Transportbänder, Kippgeräte, Mischgeräte, Einspritzvorrichtungen, Ofenführungsrollen, Fritteusen-Rührvorrichtungen)
  • Besonders geeignet sind Lagereinheiten, die mit branchenüblichen Kugellager-Gehäuseeinheiten austauschbar sind, eine Wellenhülse aus Edelstahl zur Positionierung der Welle aufweisen und eine optimale Wellenzapfenoberfläche für das Lager bieten.

Kugellager mit Festschmierstoff

Bestimmte Kugellagereinheiten sind mit Festschmierstoff lieferbar. Dabei handelt es sich um eine mit Öl imprägnierte mikroporöse Polymermatrix, die den Freiraum im Lager vollständig ausfüllt und kontinuierlich die gewünschte Schmierstoffmenge abgibt. Der Vorteil: Die vollständige Füllung bietet Schutz gegen das Eindringen von Verunreinigungen für verbesserte Lagerzuverlässigkeit. Der Festschmierstoff verhindert das Risiko von Leckagen und somit Lebensmittelkontamination. Die Nachschmierung entfällt, Wartungskosten werden eingespart.

  • Bestens geeignet für Flachförderbänder, Panieranlagen, Schneidemaschinen, Metalldetektoren, Drehtrommeln
  • Zu achten ist auf einen Festschmierstoff, der eine höhere chemische Beständigkeit bietet, wenn bei der Reinigung sehr aggressive Reinigungsmittel verwendet werden; für Kochherde wird ein Schmierstoff mit höherer Temperaturbeständigkeit bevorzugt.

Hygienische Gehäusekonstruktionen

Lagergehäuse, die nach hygienischen Prinzipien gefertigt sind, zeichnen sich durch eine solide und abgerundete Konstruktion und glatte Oberflächen aus. Dadurch lässt sich eine effektive Reinigung sicherstellen. Produktkennungen sind mittels Laserbeschriftung aufgebracht (im Gegensatz zu vertiefter oder erhabener Kennzeichnung). Zur effektiven optischen Erkennung von Fremdkörpern gibt es optisch detektierbare blaue Polymergehäuse.

  • Bestens geeignet für alle Positionen im Verarbeitungsbereich, an denen Hygiene oberste Priorität hat; kritische HACCP-Positionen, bei denen absolute Lebensmittelsicherheit verlangt wird, z. B. Förderwellen, die über Lebensmitteln angebracht sind
  • Die Vorteile sind eine Genehmigung für hygienegerechte Bauart, wie etwa die Zertifizierung durch das amerikanische US-Landwirtschaftsministerium; Konstruktionsmerkmale wie im Gehäuse integrierte Abstandshalter, die Bakterienwachstum zwischen Gehäuserückseite und Maschinenrahmen verhindern.

Kostenersparnis

Eine Lösung mit lebensmitteltauglichen Lagern kann erhebliche Einsparungen bringen. Das zeigt das Beispiel eines fleischverarbeitenden Betriebs, in dem die korrosionsbeständigen Kugellagereinheiten der modularen Transportbänder bei täglicher Reinigung durch eingedrungenes Reinigungsmittel und Korrosion beschädigt wurden. Die Lagereinheiten mussten zweimal jährlich ausgetauscht werden – mit Kosten von 1800 US-Dollar pro Band (samt Nachschmierung zweimal wöchentlich). Außerdem stellte die Position einiger Lagereinheiten direkt über dem Lebensmittelbereich eine potenzielle Gefahr für Kontamination durch Schmierfett oder Fremdkörper dar.

Nun sind lebensmitteltaugliche Lagereinheiten (Gleitlager aus Polymer mit einer Wellenhülse aus Edelstahl) im Einsatz, die weder Reparaturen noch Nachschmierung erfordern und eine hygienische Produktion ermöglichen. Der Anlagenbetreiber spart jährlich 1160 US-Dollar pro Band an Wartungskosten. Bei insgesamt sechs Bändern macht das rund 7000 US-Dollar.

Hochgerechnet auf andere kritische Anwendungen in einem typischen Betrieb lassen sich durch lebensmitteltaugliche Lagereinheiten jährlich Zehntausende bis Hunderttausende Dollar einsparen – dies weitgehend ohne Störung des Normalbetriebs.

Die Prüfstandards für Lebensmittelsicherheit werden immer strikter. Eine Prüfung wichtiger Maschinen und Lagerpositionen durch einen erfahrenen Experten kann wichtige Hinweise für einen lebensmitteltauglichen Betrieb liefern, um die Produktivität eines lebensmittelverarbeitenden Betriebs zu steigern, ohne dass die Erträge durch ungeplante Wartungsereignisse, bakterielle Verunreinigungen oder Produktrückrufe beeinflusst werden.

www.prozesstechnik-online.de

Suchwort: Timken

Timken Europe B.V., Leinfelden-Echterdingen


Autor: Sébastien Lukat

Global Application
Engineering Lead,
Food and Beverage,

Timken Europe

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