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Corona-Impfstoffanlage in Betrieb genommen

Inbetriebnahme-Erfahrungen in Indien
Anlage für Corona-Vakzine in Betrieb genommen

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Markus Ströbel und Sacha Redlich waren kürzlich in Indien unterwegs und konnten heftige Eindrücke sammeln Bild: Groninger
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Wie schnell das Corona-Virus um sich greifen kann und wie drastisch die Auswirkungen sein können, wird uns in diesen Tagen in Indien vor Augen geführt. Die Groninger-Mitarbeiter Markus Ströbel und Sacha Redlich waren jüngst auf dem Subkontinent, um Anlagen in Betrieb zu nehmen, auf denen Corona-Impfstoffe verarbeitet werden. Was die beiden erlebt haben, schildern sie im Folgenden.

„Es ist erschreckend, was in Indien gerade passiert. Die Bilder sind dramatisch und machen sprachlos“, sagt Markus Ströbel. Der 31-jährige Groninger-Mitarbeiter ist Ende April von einem erneuten Indien-Einsatz zurückgekommen. Dort hat er – gemeinsam mit anderen Kollegen – beim weltweit größten Hersteller von Impfstoffen eine weitere Füll- und Verschließanlage für Corona-Vakzine in Betrieb genommen. Es ist die vierte Anlage dieser Art, die zuletzt an diesen Pharmazeuten geliefert wurde. Auf zweien dieser Maschinen wird bereits Covid-19-Impfstoff verarbeitet, die anderen beiden gehen in Kürze in Produktion.

Für den Brettheimer ist es nicht der erste Einsatz auf dem Subkontinent. Als Inbetriebnahmetechniker ist er in der ganzen Welt unterwegs, Auslandeinsätze gehören zum Berufsalltag. Und doch war der jüngste Einsatz in Indien anders für ihn.

Corona-Welle überrollt Indien

Kein Wunder: Das Virus wütet hier gerade in einer bisher unbekannten Dimension. Indien erlebt in Sachen Covid-19 zurzeit einen Tsunami, der das Land überrollt. Fast 4000 Todesopfer sowie 400 000 Neuinfektionen gibt es täglich. Zwischenzeitlich sind über 22 Millionen Menschen infiziert. Die Zahl der Todesfälle stieg zuletzt auf über 245.000. Die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher. Und diese schrecklichen Zahlen werden jeden Tag noch schrecklicher.

„Zugegeben, es war in der aktuellen Situation ein etwas beklemmendes Gefühl, nach Indien zu reisen“, sagt Markus Ströbel ehrlich. Das Gesundheitssystem sei massiv überlastet, es fehle an allem. Nicht zu gehen, stand für ihn trotzdem zu keiner Zeit zur Diskussion: „Das ist absolut alternativlos. Uns ist die Verantwortung, die uns bei Groninger im Kampf gegen die Corona-Pandemie zukommt, sehr bewusst.“

Indien hart getroffen

Sacha Redlich kann das nur bestätigen. „Wenn wir die Anlagen vor Ort nicht in Betrieb nehmen, werden die Impfstoffe schlichtweg nicht verarbeitet. Der Kampf gegen das Virus lässt sich dann nicht oder nur sehr langsam gewinnen“, unterstreicht der Wallhäuser. Als einer der ersten hat Sacha Redlich bereits im Juni 2020 die Reisetätigkeit nach Indien wieder aufgenommen, um die erste Anlage vor Ort in Betrieb zu nehmen. Zwei weitere Einsätze im Oktober und Februar folgten. „Wer schon Mal in Indien war, weiß, dass es hier immer turbulent zugeht. Bei meiner Reise im Juni vergangenen Jahres war ich wirklich überrascht, das Land im Lockdown zu erleben. Alles war wie leergefegt. Das kenne ich sonst anders und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.“

Bei seinem zweiten und dritten Aufenthalt habe das gesellschaftliche Leben wieder „normaler“ stattgefunden – wenn auch mit Abstand zueinander und mit Maske. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es Indien noch einmal so hart treffen würde. Das Land war darauf nicht vorbereitet.“

Extreme Erfahrung

Beide, sowohl Sacha Redlich als auch Markus Ströbel, sind erfahrene Inbetriebnahmetechniker. Und doch waren die zuletzt stattfindenden Reisen nach Indien für sie eine extreme, fast schon emotionale Erfahrung: „Man weiß nicht, was kommt und möchte sich nicht unbedingt mit Corona infizieren – vor allem nicht in einem Land wie Indien, in dem einfach andere Hygienestandards gelten“, sind sich die Männer einig.

Gegangen sind sie dennoch: „Das für mich beste Gefühl war, endlich aktiv was gegen die Situation unternehmen und seinen Teil im Kampf gegen die Pandemie beitragen zu können. Zuvor hatte ich mich irgendwie ausgeliefert, fast schon etwas machtlos gefühlt“, sagt Markus Ströbel.

Auch Sacha Redlich ist stolz darauf – wenngleich er es etwas kompakter zusammenfasst: „Wenn wir das Ding nicht rocken können, wer dann?“, fragt er lachend.

Gerockt haben die beiden die Situation beim Kunden. Die Anlagen laufen tadellos. Jede Maschine verarbeitet pro Minute 400 Vials und damit 4000 lebensrettende Impfdosen. Für die groninger-Mitarbeiter ein gutes Gefühl. Für die Menschen in Indien ein Lichtblick in der Pandemie. Das haben auch die Verantwortlichen vor Ort deutlich gemacht: Auf dem Weg zum Flughafen wurde Sacha Redlich in einer routinemäßigen Kontrolle angehalten. Ein Soldat habe gefragt, was er in Indien gemacht habe. Man habe es ihm kurz erklärt. Der Soldat nickte und ließ ihn weiterfahren mit den Worten: „Thank you for your Service, Sir!“

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