Startseite » Pharma » MSR-Technik »

Bestimmung der Glasumwandlungstemperatur von kritischen Proben mit Flash DSC

Bestimmung der Glasumwandlungstemperatur von kritischen Proben
Superschnelle DSC

Anzeige
Kristalline, pharmazeutische Wirkstoffe zersetzen sich häufig unmittelbar vor oder während des Schmelzens. Soll für derartige Substanzen die Glasumwandlungstem-peratur bestimmt werden, muss das Material möglichst rasch geschmolzen und wieder gekühlt werde. In vielen Fällen reichen die Heiz- und Kühlraten von konventionellen dynamischen Differenzkalorimetern dafür nicht aus. Ein Flash-DSC bietet die notwendige Schnelligkeit, wie das Beispiel von Prednisolon illustriert.

Um eine möglichst hohe Bioverfügbarkeit zu erreichen, werden pharmazeutische Wirkstoffe (APIs) häufig in amorphem
Zustand bevorzugt. Amorphe APIs sind aber nur im Glaszustand, d. h. unterhalb der Glasumwandlungstemperatur (Tg) stabil. Oberhalb Tg können sie kristallisieren, was die Bioverfügbarkeit beträchtlich verändern kann.

APIs werden oft aus Lösungen kristallisiert, um eine möglichst hohe Reinheit sicherzustellen. Die Amorphisierung des Wirkstoffs erfolgt anschließend beispielsweise durch Mahlen der Kristalle, wobei die Temperatur des Mahlguts während des Mahlens Tg nicht übersteigen darf. Die Kenntnis der Glasübergangstemperatur von amorphen APIs ist deshalb sowohl aus Sicht der Lagerung wie der Verfahrenstechnik bedeutsam.

Vorteile der Flash-DSC

Um die Glasumwandlungstemperatur eines (kristallinen) Ausgangsmaterials zu bestimmen, muss das Material so rasch geschmolzen und anschließend wieder gekühlt werden, dass keine Zersetzung und auch keine nennenswerte Kristallisation stattfindet. In vielen Fällen reichen die Heiz- und Kühlraten konventioneller DSCs nicht aus. In diesen Fällen empfiehlt sich das Flash-DSC von Mettler Toledo (Bild 1). Mit Heiz- und Kühlraten von maximal 40 000 K/s (Heizen) bzw. 4000 K/s (Kühlen) kann eine Substanz innerhalb von wenigen Millisekunden um mehrere hundert Grad aufgeheizt und wieder abgekühlt werden.

In diesen kurzen Zeitintervallen kann praktisch keine Zersetzung stattfinden. Somit ist es möglich, die Glasübergangstemperatur für kristalline Substanzen zu bestimmen, die sich in einem konventionellen DSC während des vergleichsweise langsamen Aufschmelzens längst zersetzt hätten.

Einsatzbeispiel Prednisolon

Prednisolon ist ein synthetisches Kortikoid, das unter anderem zur Bekämpfung von Entzündungen verwendet wird. Das Glucocorticoid kommt als Anhydrat in zwei stabilen polymorphen Formen und als Sesqui-hydrat vor. Die erwartete fest-fest-Umwandlung zwischen den beiden stabilen Anhydraten sollte zwischen etwa 120 und 130 °C auftreten, wurde aber bisher nicht beobachtet. Die bei Raumtemperatur stabile Form I schmilzt zwischen 236,5 und 239 °C. Die Hochtemperaturform (Form II) schmilzt zwischen 224 und 228 °C. Die Schmelze ist thermisch nicht stabil und zersetzt sich.

Kommerziell erhältlich ist die bei Raumtemperatur stabile Form I.

Für die Experimente wurde Prednisolon Form I von Sigma Aldrich verwendet (P6004, Reinheit 99 %). Die Messungen wurden mit dem DSC 1 und dem Flash-
DSC 1 von Mettler Toledo durchgeführt. Für die Probenvorbereitung im Flash-DSC wurde ein wenig Prednisolon auf einer Glasscheibe verteilt.

Unter dem Binokular des Flash-DSC wurden anschließend geeignete kleine Kristalle identifiziert und auf dem Flash-DSC-Sensor platziert. Im Flash-DSC wurde mit Kühl- und Heizraten von 100 und 1000 K/s gearbeitet. Die konventionellen DSC-Messungen erfolgten mit Heizraten von 0,5, 2 und 10 K/min.

Ergebnisse

In Bild 2 ist das erste Aufheizen einer Prednisolon-Probe (Form I) in einem DSC mit verschiedenen Heizraten (0,5, 2 und 10 K/min) dargestellt. Um eine bessere Vergleichbarkeit zu ermöglichen, wurden die Messkurven auf die Probenmasse und die Heizrate normiert. Man erkennt, dass die Temperatur der Schmelzpeaks stark von der verwendeten Heizrate abhängig ist. Außerdem ist unmittelbar nach dem endothermen Schmelzpeak ein exothermer Zersetzungspeak erkennbar.

Schließlich unterscheiden sich auch die
Peakflächen der verschiedenen Heizraten
beträchtlich. Diese Befunde lassen sich durch die Zersetzung von Prednisolon während des Aufheizens erklären. Dabei wirken die Zersetzungsprodukte als Verunreinigungen, was zu einer Reduktion der Schmelztemperatur führt. Je mehr Zeit die Probe für die Zersetzung hat (d. h. je kleiner die Heizrate ist), desto größer ist die Verunreinigung und desto tiefer die Schmelztemperatur. Die scheinbare Abhängigkeit der Schmelztemperatur von der Heizrate ist somit eine Folge der Zersetzung während des Aufheizens.

Wird Prednisolon (Form I) im Flash-DSC mit 1000 K/s aufgeheizt, ergibt sich die in Bild 3 rot dargestellte Kurve. Man erkennt einen scharfen Schmelzpeak bei 257,5 °C. Hingegen findet man keinerlei Anzeichen einer Zersetzung. Wird die Probe aus der Schmelze mit 1000 K/s abgekühlt und
anschließend mit 100 K/s aufgeheizt (grüne Kurve) erkennt man eine Glasumwandlung bei 118 °C.

Anschließend kristallisiert das Material. Der Schmelzprozess erfolgt innerhalb der Mess-unsicherheit bei der gleichen Temperatur wie während des ersten Aufheizens (257,2 °C). Bild 4 zeigt die Prednisolon-Probe auf dem Flash-DSC-Sensor vor und nach den beiden Heizläufen. Die Bilder
illustrieren, dass keine Zersetzung stattgefunden hat (die Änderung der Probenform ist auf das Aufschmelzen und Rekristallisieren der Probe zurückzuführen). Die mittels Flash-DSC gefundene Schmelztemperatur entspricht somit der Schmelztemperatur von nicht durch Zersetzungsprodukte verunreinigtem Prednisolon (Form I).

Resümee

Dank der hohen Heizraten, die mittels Flash-DSC erreicht werden können, kann das Schmelzen und Zersetzen von Substanzen, deren Zersetzung mit oder unmittelbar vor dem Schmelzen beginnt, voneinander getrennt werden. Nach raschem Kühlen der nicht verunreinigten Schmelze lässt sich
somit die Glasumwandlungstemperatur derartiger Substanzen bestimmen.

Im Fall von Prednisolon wurde so bei einer Heizrate von 100 K/s eine Glasumwandlungstemperatur von 118 °C gemessen. Prednisolon kann also problemlos bei Raumtemperatur durch Mahlen amorphisiert werden. Allerdings darf die Temperatur während des Mahlens nicht über etwa 112 °C (Onset-Tg) steigen. Auch konnte die Schmelztemperatur der bei Raumtemperatur stabilen
Form 1 von Prednisolon bestimmt werden.

Mettler-Toledo GmbH, Gießen

Halle A2, Stand 101


Autoren:

Yohann Corvis

Université Paris Descartes

Andreas Wurm

Universität Rostock

Christoph Schick

Universität Rostock



Hier finden Sie mehr über:
Anzeige
Schlagzeilen
Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

cav-Produktreport

Für Sie zusammengestellt

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Hier finden Sie aktuelle Whitepaper

Top-Thema: Instandhaltung 4.0

Lösungen für Chemie, Pharma und Food

Pharma-Lexikon

Online Lexikon für Pharma-Technologie

Prozesstechnik-Videos

Hier finden Sie alle aktuellen Videos

phpro-Expertenmeinung

Pharma-Experten geben Auskunft

Prozesstechnik-Kalender

Alle Termine auf einen Blick

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de