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Digitale Abnahme per Videokonferenz

Sicherheit und Effizienz gehen Hand in Hand
Digitale Abnahme per Videokonferenz

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Die Abnahme von Sicherheitsarmaturen direkt beim Hersteller vor Ort durch den Anlagenbetreiber oder eine zertifizierte Stelle war bis dato gang und gäbe. In Zeiten der Pandemie ist dies nicht so leicht möglich. cav sprach mit Rembe-Geschäftsführer Stefan Penno und dem Rembe-Spezialisten für digitale Abnahmen Philipp Villmer über das Rembe Digital Audit.

Herr Penno, eine Abnahme vor Ort ist sowohl für Produzenten von Industriearmaturen als auch für Anlagenbetreiber Tagesgeschäft. Wie funktioniert das in der Regel?

Penno: Laut DGRL/PED, verschiedenen DIN-EN-Normen, ASME und anderer internationaler Vorschriften müssen sicherheitsrelevante Bauteile wie Berstscheiben beim Hersteller geprüft werden. Dies erfolgt häufig durch benannte Stellen wie den TÜV. Viele Betreiber überzeugen sich allerdings auch gerne selbst davon, dass die gelieferten Produkte den gewünschten Spezifikationen und Leistungsmerkmalen entsprechen. Da wir eine feste Größe im weltweiten Berstscheiben-Markt sind, kamen unsere Kunden bisher auch aus aller Welt für Vor-Ort-Abnahmen ins nordrheinwestfälische Brilon.

Welche Umstellungen gibt es jetzt aufgrund von Corona?

Penno: Corona hat diesem Vorgehen einen Riegel vorgeschoben. Reisebeschränkungen im Lockdown wie beispielsweise die Einreisebeschränkungen aus Hochrisikogebieten nach Deutschland machen Abnahmen von Kunden aus dem In- und Ausland bedeutend komplizierter. Letztendlich stellen diese Reisen ein Gesundheitsrisiko für alle Beteiligten dar. Daher haben wir nach Alternativen gesucht und es entstand das Rembe Digital Audit.

Wie funktioniert der Rembe Digital Audit Service?

Penno: Im Prinzip ist es ganz einfach. Der Betreiber oder die zertifizierte Prüfstelle beobachten die Prüfung der Produkte per Videokonferenz. Voraussetzung dafür ist allerdings ein genau definierter Dokumentationsvorgang. Dazu muss im Vorfeld mit dem Kunden exakt geklärt werden, was er sehen möchte, damit wir uns entsprechend vorbereiten und das Equipment positionieren können. Diese Prozedur erhöht den Aufwand für die Abnahme natürlich etwas, stellt aber prinzipiell kein Problem dar, da die Betreiber sehr klare Vorstellungen davon haben, was während der Videokonferenz gezeigt werden soll.

Herr Villmer, erzählen Sie doch bitte einmal, wie das Rembe Digital Audit gestartet ist.

Villmer: Eigentlich recht überschaubar. Aufgrund des ersten Lockdowns konnte eine Kundenabnahme nicht wie geplant stattfinden, der Kunde benötigte aber dringend die neuen Berstscheiben. Also habe ich mich mit meinem Handy auf den Weg in die Produktion gemacht und gefilmt. Heute machen wir das viel professioneller, aber damals war das die einzige Möglichkeit, schnell die Ware zum Kunden zu bringen.

Und wie dürfen wir uns das heute vorstellen?

Villmer: Mein Handy bleibt inzwischen bei Abnahmen an meinem Schreibtisch, stattdessen haben wir uns von Profis aus dem Filmgeschäft beraten lassen und einen erheblichen Betrag in hochwertiges Equipment investiert. Neben einzelnen Berstversuchen und Kundenabnahmen wickeln wir inzwischen sogar die Zertifizierung unserer Produkte bei internationalen Prüfstellen digital ab. Dabei fertigen wir eine Berstscheibencharge vorab und eine zweite Charge im „digitalen Beisein“ des Prüfers. Anschließend werden beide geprüft, dann folgen weitere Schritte.

Ende Juni hatten wir eine interessante Abnahme mit drei verschiedenen Hochtemperatur-Berstscheiben von bis zu 30″, alle für die gleiche Produktionsstätte. Diese müssen aufgrund ihres Einsatzzwecks natürlich auch bei entsprechend hohen Temperaturen geprüft werden. Das hat zur Konsequenz, dass es lange Wartezeiten zwischen den Versuchen gibt, da immer nur eine Berstscheibe auf Temperatur gebracht und anschließend geprüft werden kann. Bei einer gewöhnlichen Abnahme würde das bedeuten, dass der Anlagenbetreiber einen oder mehrere Mitarbeiter abstellen müsste, die mehrere Tage bei Rembe vor Ort sind. Durch ein digitales Audit reduzieren wir den Zeitbedarf beim Kunden auf ein Minimum, da keine Reisezeiten etc. anfallen und er ist nur dann (digital) dabei, wenn tatsächlich Tests stattfinden. Außerdem sparen Rembe-Kunden dadurch viel Geld.

Wie läuft ein übliches digitales Audit ab?

Villmer: Einen Standardablauf im eigentlichen Sinne gibt es nicht, aber einige Abnahmen stimmen in vielen Punkten überein. Wir beginnen meist mit einer allgemeinen Einführung, diese leitet der dem Kunden bereits bekannte Ansprechpartner. So hat der Kunde auch noch Gelegenheit, Fragen zu stellen, bevor das eigentliche Audit beginnt.

Anschließend starten auch schon die Bersttests, eventuell starten wir aber mit einem Pre-Test. Das ist vom Umfang des Audits und den Kundenanforderungen abhängig. Teilweise werden nicht nur die Berstscheiben, sondern auch die zugehörigen Halter getestet. Vor allem bei größeren Abnahmen folgen nach den eigentlichen Produkttests noch weitere Programmpunkte, in denen Typenschilder, Betriebsanleitungen, Versandformalitäten und andere produktbegleitende Themen besprochen werden. Dazu zählt dann als Abschluss auch die Review aller Dokumente inklusive Zertifikate. Da sind wir von der Technik dann aber außen vor und überlassen das unseren Kollegen aus dem Verkauf.

Herr Penno, wie viele digitale Abnahmen finden bei Ihnen im Unternehmen derzeit statt?

Penno: Abnahmen digital durchzuführen war zu Beginn der Pandemie auch für uns Neuland, gehört aber inzwischen zu unserem Arbeitsalltag. Im Schnitt finden aktuell zwei bis drei digitale Abnahmen pro Woche statt. Für komplexere Abnahmen haben wir die Möglichkeit eines Testlaufs geschaffen, sodass die Käufer der Rembe-Produkte sich ein Bild machen können, wie die Abnahme vonstattengehen wird, um bei Bedarf weitere Anforderungen zu definieren. Vor allem bei größeren Abnahmen oder Zertifizierungen durch benannte Stellen garantieren wir mit einem Pre-Test, dass wirklich alles genau so ist, wie es sein soll.

Digitale Formate schreiten immer weiter voran. Wie entwickelt sich das Rembe Digital Audit weiter?

Penno: Neben klassischen Abnahmen sind auch anderweitige Berstversuche, technische Prüfungen wie hydrostatische Tests, Werksbegehungen und Einbaubegleitungen mittlerweile über Rembe Digital Audits möglich. Dabei können Kunden auch Nutzen aus dem digitalen Angebot ziehen: So entfallen beispielsweise aufwendige Reisen und die damit verbundenen Kosten. Kollegen und Partner anderer weltweiter Standorte können auch kurzfristig an Abnahmen und Tests teilnehmen. Gleichzeitig ist durch die Aufzeichnungen eine Dokumentation in Bild und Ton gesichert.

Was würden Sie bezüglich digitaler Abnahmen den Anlagenbetreibern empfehlen?

Penno: Grundsätzlich sind solche digitalen Abnahmen nur bei bekannten und vertrauensvollen Herstellern zu empfehlen – allerdings gilt dieser Anspruch bei sicherheitskritischen Bauteilen ohnehin auch abseits von Abnahmen.

Wie fällt Ihr Fazit hinsichtlich Corona und Digitalisierung aus?

Penno: Bei allem Negativen birgt eine Krise wie gegenwärtig Corona auch Chancen in der Weiterentwicklung. Das sehen wir gerade überall beim Thema Digitalisierung. Wenn internationale Flüge nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich sind, müssen Alternativen gefunden werden. Nicht nur Auditierungen zwischen Betreibern und Herstellern von Bauteilen werden inzwischen digital abgehalten. Auch die Bauteilhersteller verständigen sich mit offiziellen Zertifizierungseinrichtungen immer mehr auf digitale Lösungen. Darin wird die Zukunft liegen.

Rembe GmbH, Brilon

Rembe bietet mit dem Rembe Digital Audit einen kundenorientierten Service für digitale Abnahmen von Berstscheiben per Videokonferenz an
Bild: Rembe

Das Interview führte für Sie: Dr. Bernd Rademacher

Redakteur



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