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Studie zum Rohstoffmanagement 2013

Engpässe bei Agrarrohstoffen und Milchpulver befürchtet
Studie zum Rohstoffmanagement 2013

Rohstoffkosten sind nach wie vor wichtig, bereiten den Unternehmen aber weniger Sorgen als in den Jahren zuvor. So rechnen 70 % der Unternehmen für die nächsten eineinhalb Jahre nur mit einem moderaten Anstieg der Kosten. 10 % sind sogar der Meinung, dass die Rohstoffkosten leicht oder stark sinken. Dies sind die Kernergebnisse der von der Unternehmensberatung Inverto bereits zum vierten Mal durchgeführten Studie zum Status Quo des Rohstoffmanagements. Die branchenübergreifende Studie zeigt zudem, dass die Einkäufer aktuelle Geschehnisse auf den Rohstoffmärkten kennen.

Rohstoffkosten haben einen signifikanten Anteil am Einkaufsvolumen. So beträgt bei über 70 % der Unternehmen der Rohstoffanteil am gesamten jährlichen Einkaufsvolumen mehr als ein Drittel. Der Einfluss der Rohstoffkosten auf das Unternehmensergebnis nimmt in der Wahrnehmung der Firmen aber immer mehr ab. Während im Jahr 2011 noch über 90 % angaben, dass die Rohstoffkosten einen maßgeblichen Einfluss auf das Unternehmensergebnis hätten, sagen dies in diesem Jahr nur noch knapp über 70 % der Befragten. Im letzten Jahr waren es immerhin noch 83 %. Knapp die Hälfte der Teilnehmer nannte den erhöhten Wettbewerb als wichtigen externen Einflussfaktor auf das Unternehmensergebnis, 33 % den Absatzrückgang – Tendenz steigend. Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass das Rohstoffmanagement auf der Agenda der Unternehmen nicht mehr ganz oben steht.

Versorgung scheint gesichert
Im Vergleich mit den Vorjahren geht allgemein die Angst vor Versorgungsengpässen zurück. So befürchten in diesem Jahr weniger Unternehmen, dass es bei Strom zu Versorgungsengpässen kommen könnte (von 26 auf 5 %). Genauso sieht es bei Energie (von 29 auf 17 %) und den Seltenen Erden (38 auf 26 %) aus. Dagegen befürchten 2013 mehr Unternehmen als im vergangenen Jahr, dass es bei Chemikalien (von 14 auf 20 %), Agrarrohstoffen tierischen Ursprungs (7 auf 12 %) und Milchpulver (von 4 auf 11 %) zu Engpässen kommt. Immer wieder sorgen einzelne Rohstoffe kurzfristig für Verunsicherung. Hieran lässt sich der politische und mediale Einfluss auf das Rohstoffmanagement erkennen. So standen im letzten Jahr angesichts der gerade beschlossenen Energiewende vor allem Strom und Energie im Fokus. In diesem Jahr spielen Agrarrohstoffe und Milchpulver, das durch den Skandal in China knapp ist, eine größere Rolle.
Risikomanagement ist gefragt
Während die Volatilität der Rohstoffmärkte im letzten Jahr noch als wichtiger Einflussfaktor gesehen wurde, nimmt diese Bedeutung angesichts der derzeit stabileren Preislage auf den Rohstoffmärkten ebenfalls ab. Mehr als 69 % der Befragten schätzen die Preisvolatilität als eher mäßig ein, mit starken Schwankungen rechnet nur ein Viertel der Teilnehmer. Doch die vermeintliche Sicherheit ist riskant und Risikomanagement daher unabdingbar.
Die Unternehmen haben die Relevanz des Risikomanagements bei den Rohstoffen bereits erkannt und auf die Agenda gesetzt, dies geben drei Viertel aller Befragten an. Dabei sind Informationen zu Rohstoffrisiken für fast 90 % der Firmen wichtig bis sehr wichtig. Etwas mehr als die Hälfte haben laut Umfrage eindeutige Rollen und Zuständigkeiten für die Rohstoff-Risikoanalyse und 46 % verfügen über ein standardisiertes Berichtswesen bzw. ein internes Kontrollsystem. Die Einkaufsberater von Inverto sehen hier zusätzlichen Bedarf: Denn in nur bei einem Viertel der befragten Unternehmen treffen sich die Verantwortlichen regelmäßig zu einem Jour Fixe und lediglich 21 % haben ihre Standardprozesse schriftlich dokumentiert. Rohstoffexperten halten dies für nicht ausreichend und nicht systematisch genug. Nötig wären regelmäßige Analysen, ein abteilungsübergreifendes Team mit klaren Zuständigkeiten und ein standardisiertes Berichtswesen. Dazu gehören auch klare Entscheidungsgrundlagen für alle Maßnahmen.
Maßnahmen für Rohstoffmanagement
Die Unternehmen glauben hingegen, die geeigneten Maßnahmen für das Rohstoffmanagement zu kennen und sind überzeugt, diese auch umzusetzen. Immerhin fühlen sich über zwei Drittel der befragten Teilnehmer mit diesen Maßnahmen ausreichend vorbereitet, um künftigen Entwicklungen auf den Rohstoffmärkten entgegenzutreten. Aus Sicht der befragten Unternehmen sind die populärsten Maßnahmen: Optimierung der Rohstofflieferantenbasis (61 %), Analyse der Supply Chain und Optimierung der Lagerbestände (57 %), langfristige Preisfixierungen mit Lieferanten (47 %), Projekte zur Materialsubstitution (46 %) sowie Projekte zur Reduzierung des Materialeinsatzes (42 %).
Dies erlebt Jens Kiebler, Leiter des Competence Centers Raw Materials bei Inverto in der Praxis größtenteils anders: „Der Einkauf führt meist zuerst die Maßnahmen aus, die er umsetzen kann. Diese Maßnahmen reichen allerdings oft nicht aus. Für die Durchführung anderer, bereichsübergreifender Maßnahmen besteht im Einkauf Qualifizierungsbedarf, damit dieser auf Augenhöhe mit den anderen Abteilungen zusammenarbeiten und das Projektmanagement übernehmen kann.“
Wertanalyse wird wichtiger
Die Wertanalyse (Value Analysis) etabliert sich in den Unternehmen. Immerhin fast die Hälfte der Unternehmen nutzt diesen Ansatz als strategisches Instrument des Rohstoffmanagements, um den Materialeinsatz auf Produktebene und damit die Rohstoffkosten aktiv zu senken. Mehr als 80 % der Firmen erwarten zudem, dass die Wertanalyse einen höheren Ergebnisbeitrag erzielt als klassische Hebel wie Verhandlungen im Einkauf.
Auch hier gibt es aus Sicht der Einkaufsberater Nachholbedarf: Bei 68 % der befragten Firmen ist allein der Einkauf für Wertanalysen zuständig, bei 26 % die Produktentwicklung. In Wertanalysen fließen aber sowohl betriebswirtschaftliche als auch technische Faktoren ein. Daher sollten funktionsübergreifend alle Beteiligten mit einbezogen werden. Der Einkauf sollte hierbei die Rolle des Koordinators übernehmen. Laut der Rohstoffstudie geht aber nur ein Drittel der Teilnehmer so vor.
Gleiches gilt für das Thema Hedging: Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass der Einkauf für die Preisabsicherung der Rohstoffe verantwortlich ist, dem aber häufig das notwendige Know-how fehlt. Berater Jens Kiebler empfiehlt: „Die Einkaufsabteilungen sollten das Thema Hedging gemeinsam mit der Finanzabteilung und mit externen Partnern angehen.“
Fazit
Die Unternehmen haben aktuell weniger Rohstoffengpässe und die Rohstoffpreise sind weitgehend stabil. Die Rohstoffmärkte sind jedoch zyklisch und volatil, Preisänderungen oft schwer vorherzusehen. Unternehmen sollten sich daher bestmöglich absichern, indem sie beispielsweise Festpreise vereinbaren. Zudem sollten Unternehmen ihr Risikomanagement im Rohstoffeinkauf besser aufstellen. Maßnahmen wie Wertanalysen oder Hedging eignen sich fast immer und können zudem das Unternehmensergebnis erheblich steigern. Diese Maßnahmen sind insbesondere dann erfolgreich, wenn sie bereichsübergreifend gesteuert werden. Der Einkauf sollte hierbei als Koordinator auftreten, der die Abteilungen miteinander vernetzt und die möglichen Hebel aussteuert mit dem Ziel, Rohstoffe optimal beschaffen zu können.
Ausgewählte Grafiken der Studie finden Sie hier.
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