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Vom Dreschwunder zur Taumelsiebmaschine

Perfektion in der Partikelfraktionierung
Vom Dreschwunder zur Taumelsiebmaschine

Produkteigenschaften ändern sich, Prozessparameter müssen angeglichen und Fraktionen neu definiert werden – für Taumelsiebmaschinen kein Problem. Sie lassen sich aufgrund ihrer Modularität schnell an wechselnde Fraktionieranforderungen anpassen. Außergewöhnliche Flexibilität in Kombination mit sehr guter Trennschärfe, hoher Ausbeute und Siebeffizienz prädestinieren dieses Siebsystem für anspruchsvollste Aufgaben in Chemie, Pharma, Food. Die Entwicklungsgeschichte des Siebens wurde bis heute maßgeblich durch die technologischen Besonderheiten dieser von Allgaier entwickelten Siebmaschine geprägt.

Die Allgaier Werke GmbH in Uhingen, die Ende letzten Jahres ihr 100-jähriges Bestehen feierte, kam in den 50er-Jahren über die Landmaschinentechnik zum Maschinen- und Apparatebau für die Verfahrenstechnik. Den Ursprung für die Taumelsiebtechnik bildete das sogenannte Dreschwunder, wie der Häckseldrescher als Zusatzaggregat für die ebenfalls von Allgaier gefertigten Traktoren damals bezeichnet wurde. Damit gab es erstmals eine Maschine, die unterschiedliche Getreidearten in einem Arbeitsgang häckseln, dreschen, reinigen und Korn, Stroh sowie Spreu an Ort und Stelle getrennt fördern konnte. Aus dem Dreschwunder entwickelten die Allgaier-Spezialisten mit der Taumelsiebmaschine eine höchst effiziente Siebtechnik. „Das war die Keimzelle unseres Maschinenbaus“, sagt Dr. Dieter Hundt, Geschäftsführender Gesellschafter von Allgaier. Überdurchschnittliche Ergebnisse bei Trennschärfe, Siebgüte sowie Durchsatz und Ausbeute sind die Merkmale dieses Siebsystems, das sich schnell in der Fein- und Feinstsiebung durchgesetzt hat. Diese Klassiertechnik ist sehr schnell, einfach und wirtschaftlich an neue Siebgüter und Produktionsbedingungen anpassbar. Die Faszination dieser Siebtechnologie besteht darin, das Siebgut bei geringer Siebfläche über einen relativ langen Siebweg zu führen und dadurch höchste Trennschärfe mit nur sehr geringen Fehlkornanteilen zu erzielen.

Höchste Partikelqualität
Das Funktionsprinzip der Taumelsiebmaschine basiert auf einer definierten, dreidimensionalen Bewegung des Siebaufbaus. Völlig lastunabhängig erfolgt eine zwangsangetriebene, niederfrequente und auf das Siebgut fein abgestimmte Schwingbewegung.
Das Siebgut wird zentral von oben dem Siebdeck zugeführt, so dass die Taumelsiebmaschine im mittleren Bereich des Siebdecks wie ein Plansieb wirkt. Damit wird auf einfache aber sehr wirkungsvolle Weise vermieden, dass das Siebgut durcheinander geworfen wird und sich gegenseitig abreibt. Das Siebgut hat Zeit, sich entsprechend der Korngröße zu schichten und wandert gleichzeitig vom Mittelpunkt spiralförmig nach außen. Am äußeren Rand des Siebdecks wirkt dann die höchste Vertikalbeschleunigung auf das Siebgut. Dies begünstigt ein sehr genaues Absieben.
Mit kombinierten Siebdeckaufbauten lassen sich Siebleistung und Gütegrad auf ein Höchstmaß steigern. Insbesondere bei hochwertigen Schüttgütern macht sich der technische Mehraufwand durch das Senken von Fehlkornanteilen schnell bezahlt.
Wirtschaftlichkeit im Vordergrund
Siebdurchmesser und Korngrößenspektrum sind die entscheidenden Parameter für die Leistungsfähigkeit einer Siebmaschine. „Allgaier fertigt als einziger Hersteller weltweit die größte und produktivste Taumelsiebmaschine mit fast drei Metern Siebdurchmesser“, so Dr. Dieter Hundt. „Mit fein abgestuften Maschinengrößen und bedarfsgerechten Ausführungen können wir die oft völlig unterschiedlichen Aufgaben verschiedener Branchen, wie z. B. der Pharmaindustrie oder der Steine-Erden-Industrie, punktgenau lösen.“
In den zurückliegenden Jahren hat das Unternehmen Taumelsiebmaschinen in insgesamt zehn verschiedenen Durchmesservarianten mit feiner Abstufung von 600 bis 2900 mm entwickelt. Edelstahlversionen beispielsweise stehen für höchste Prozess-anforderungen in Chemie, Pharma, Food und Kosmetik zur Verfügung.
Hohe Siebleistungen im Dauerbetrieb und auch die Siebung von kritischen Stoffen im Feinstbereich oder von Produkten mit siebschwierigen Eigenschaften erfordern das Freihalten des Siebgewebes von Steckkorn. Aufgrund ihrer Rundbauweise lassen sich die Taumelsiebmaschinen sehr gut mit wirkungsvoll arbeitenden mechanischen Maschenreinigungseinrichtungen ausrüsten.
Besonders wirksam ist die aktuell vorgestellte Überlagerung von Ultraschall- und Luft-Reinigung.
Durch das neu entwickelte Kombinations-Reinigungsverfahren wird nicht nur die Performance von Taumelsiebmaschinen für siebschwierige Produkte verbessert, sondern man kann mit Taumelsiebmaschinen in die Feinstsiebung mit Maschenweiten bis zu 0,032 mm vorstoßen. Die Ultraschall-Luftreinigung macht so das wirtschaftliche Siebklassieren mit genau definierten Trennschnitten nun auch von solchen Produkten möglich, die seither nur aufwendig und mit hohen Kosten über Sichter fraktioniert werden konnten. Haupteinsatzbereich dieser Siebreinigungstechnologie sind vor allem Kunststoffe, Cellulose, Pulverlacke, Toner, Wachs, Metalle, Perlite, Silizium, Schleifmittel, Koks, Gips, Quarzsand, Emailpulver sowie Stärke, Reismehl und viele andere Güter im Partikelgrößenbereich.
Technologie- und Marktführerschaft
Mit der Taumelsiebtechnologie als Basis ist es Allgaier gelungen, sich zum größten Siebmaschinenhersteller Europas und auch weltweit zu einem der führenden Anbieter von Siebsystemen zu entwickeln. Wesentlichen Anteil daran hat auch die zur Allgaier-Gruppe gehörende in Wedel / Hamburg ansässige Mogensen GmbH & Co. KG mit einem breiten Programm von Siebmaschinen und optoelektronischen Sortiersystemen. Mit weiteren Produktions-Tochtergesellschaften in Schweden und Spanien, die sich ebenfalls mit Siebmaschinenbau beschäftigen, hat Allgaier seine Tätigkeit auf dem Gebiet der Verfahrenstechnik kontinuierlich ausgebaut und bietet heute ein breites Maschinen- und Anlagenspektrum mit Abnehmern auf der ganzen Welt. „Neben der Tätigkeit im Automobilzulieferbereich war es immer mein Ziel, im Sinne einer Diversifizierung unser zweites Standbein intensiv zu pflegen“, so Dr. Hundt, der den Bereich, seit er Verantwortung trägt, kontinuierlich vorangetrieben hat. Weiterer Schwerpunkt im Lieferprogramm sind auch Trocknungsanlagen auf Basis der Wirbelschicht- bzw. Fließbetttechnik sowie auf Basis rotierender Trommeltrockner. „Die positive Entwicklung unserer Verfahrenstechnik ist darauf zurückzuführen, dass wir weltweit zu den Anbietern mit dem breitesten Produktspektrum auf den Gebieten Sieben, Trocknen, Kühlen, Sortieren und Fördern gehören“, erläutert Dr. Hundt. „Mit einem Exportanteil von durchschnittlich weit über 50 % werden unsere Anlagen vor allem in Asien, China und Indien eingesetzt. Aufgrund der Nachfrage unserer Produkte sind wir seit einigen Jahren mit einer eigenen Repräsentanz in China sehr erfolgreich. Aber auch in Osteuropa, den GUS-Staaten und im Nahen Osten verzeichnen wir erfreuliche Zuwächse.“
Grenzen werden ständig neu definiert
Die Kompetenz insbesondere im Siebmaschinenbau ist auch künftig der Motor für weitere Innovationen. „Kundenorientiert weiterentwickeln, Qualität fertigen und weltweit erstklassigen Service bieten“, bringt Dr. Hundt die Vorgaben für ein weiterhin erfolgreiches Abschneiden auf den Punkt. „Um dafür gerüstet zu sein, setzt unser Verfahrenstechnik-Bereich konsequent auf Forschung und Entwicklung.“ Hierzu tragen einerseits eine starke F&E-Abteilung sowie Kooperationen mit Universitätsinstituten bei. Andererseits ist Allgaier für sehr produktspezifische Lösungen bekannt, die in einem modernen und großzügig ausgestatteten Technikum verifiziert werden. Trotz aller Berechnungs- und Simulationsmöglichkeiten muss oftmals anhand von Versuchen getestet werden. Gerade bei Neuentwicklungen von Stoffen in Chemie, Feinchemie und Pharmaindustrie stellt sich zunächst immer die Frage – ist das spezifische Material überhaupt industriell siebbar? Erst die Kombination aus jahrzehntelanger Erfahrung und der Möglichkeiten, im eigenen Technikum vielfältige Versuchsvarianten fahren zu können, lassen Optimierungen, konkrete Auslegungen und Aussagen über einen erreichbaren Durchsatz bei einem spezifischen Material zu.
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InfoVRAC 2007, Paris (Frankreich)
K 2007, Düsseldorf
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