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Auf das Kerngeschäft fokussieren

Die Division Energien von Infraserv Höchst liefert Energie als Dienstleistung Interview
Auf das Kerngeschäft fokussieren

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Bei vielen Chemie- und Pharmaunternehmen steht die Konzentration auf ihre Kernprozesse auf der Liste der Unternehmensziele ganz oben. Um dieses Ziel zu erreichen, werden auch produktionsintegrierte Unterstützungsprozesse zunehmend ausgelagert, so zum Beispiel die Versorgung mit Wärme, Kälte, Dampf oder Druckluft. Hier haben sich Contracting-Modelle als sichere und zugleich wirtschaftliche Variante durchgesetzt. Ein auf die Prozessindustrie zugeschnittener Anbieter ist die Division Energien von Infraserv Höchst. Jüngstes Projekt des Energiedienstleisters ist eine Kälteanlage für das Novartis-Unternehmen BC Biochemie.

Maria Knissel

Die Versorgung von chemischen und biotechnischen Prozessen mit Energie ist sowohl technisch als auch finanziell anspruchsvoll. In den meisten Fällen sind exakte Temperatur- und Druckniveaus sowie eine hohe Verfügbarkeit gefordert, starke Abnahmeschwankungen sind abzupuffern und die Investitions- und Betriebskosten sind hoch. cav: Herr Eckert, was sind aus Sicht eines Contracting-Nehmers die wichtigsten Vorteile des Contracting? Welche Gründe bewogen Ihr Unternehmen dazu, Kälte und Druckluft von Infraserv Höchst im Contracting zu beziehen?
Das Outsourcing der Energieversorgung an einen kompetenten Energiedienstleister im Rahmen von Contracting-Vereinbarungen ist in anderen Ländern wie zum Beispiel England und USA seit langem üblich. Auch hierzulande setzt sich das innovative Vertragsmodell zunehmend durch: Da sowohl Contracting-Geber als auch Contracting-Nehmer bei dem Modell profitieren – eine klassische Win-Win-Situation –, sehen Branchenkenner Contracting als Aufholmarkt mit großem Wachstumspotenzial.
Das Prinzip des Contracting ist einfach: Ein Prozessbetreiber benötigt für seinen Prozess Energie in Form von Wärme, Kälte, Druckluft oder Dampf. Er kauft diese Leistung von einem Contractor ein. Dieser plant und installiert die Anlage und betreibt sie über einen vereinbarten Zeitraum, der sich in der Regel an der Abschreibungszeit orientiert und zwischen 5 und 15 Jahren liegt
Technische und wirtschaftliche Vorteile
Der Prozessbetreiber erhält die Energie in der gewünschten Form und Verfügbarkeit zu einem festen, wie bei Stromrechnungen in einen Grund- und einen Arbeitspreis aufgeteilten, Preis. Er hat damit sowohl technische als auch wirtschaftliche Vorteile. Aus technischer Sicht verfügt er über eine sichere, effiziente und moderne Energieversorgung. Wirtschaftlich profitiert er zum einen davon, dass der Contractor als Großabnehmer günstige Preise bei den Anlagenanbietern erzielen und an seine Kunden weitergeben kann. Außerdem entfällt für ihn beim Contracting der Zwang zur hohen Eigenkapitalverzinsung, da es sich um eine 100%ige Fremdfinanzierung handelt. Bei intelligenter Vertragsgestaltung muss das Unternehmen die Anlage darüber hinaus nicht als Anlagevermögen in die Bilanz aufnehmen. Diese positiven wirtschaftlichen Effekte summieren sich unter dem Strich auf ein Einsparungspotenzial von mehreren Prozentpunkten (siehe Tabelle).
Gut geplant ist halb versorgt
Bei dem Rundum-Paket Contracting entsteht die Hauptarbeit für den Contracting-Nehmer vor Vertragsabschluss. Denn bevor ein Projekt abgegeben werden kann, müssen zunächst die wichtigen Parameter fixiert werden: Welche Temperatur, welcher Druck ist gefordert? Welche Abweichungen sind erlaubt? Kann die Anlage bei Problemen heruntergefahren werden oder ist eine 100%ige Verfügbarkeit zu gewährleisten? Sind bauliche Maßnahmen erforderlich, müssen behördliche Genehmigungen eingeholt werden? Herrscht ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Auftraggeber und -nehmer – bei ContractingVereinbarungen ist dies unabdingbar –, werden diese Fragen schon im Vorfeld in enger Zusammenarbeit geklärt. So auch bei dem jüngsten Auftrag des Pharmaherstellers BC Biochemie an den Energiedienstleister Infraserv Höchst. Die 220-kW-Kälteanlage für den Herstellungsprozess eines Antibiotikums ist das dritte gemeinsame Projekt der beiden Unternehmen. Die Anlage wurde im Sommer letzten Jahres beauftragt und ging im März in Betrieb. Nur bei einer engen Zusammenarbeit kann ein solches Projekt in so kurzer Zeit realisiert werden.
Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Probebetrieb ist die Arbeit von Infraserv Höchst bei BC Biochemie nicht beendet, denn Betrieb und Instandhaltung liegen ebenfalls in der Verantwortung des Energiedienstleisters. „Jeder Fehler, den wir machen, fällt auf uns zurück“, sagt Dr. Heinrich Lienkamp, Leiter Business Development bei Infraserv Energien. „Daher sind wir sehr darauf bedacht, keine Fehler zu machen.“ Seine Mitarbeiter beobachten alle betriebsrelevanten Parameter der im Contracting betriebenen Anlagen per Fernüberwachung und werden bei einer Störung sofort aktiv. Manche Probleme lassen sich online lösen, andere müssen vor Ort geklärt werden.
Die Ingenieure von Infraserv verfügen nicht nur über energietechnisches Know-how, sondern – als Energieversorger der ehemaligen Hoechst AG – auch über fundierte Branchenkenntnis. Ein grundlegendes Verständnis der chemischen und biotechnischen Prozesse ist notwendig, wenn zum Beispiel unter Sterilbedingungen gearbeitet oder kurzfristig die Dringlichkeit von Reparaturmaßnahmen beurteilt werden muss.
Bereits seit fünf Jahren bietet Infraserv Höchst Contracting an und beliefert Unternehmen wie Aventis Pharma, Diabel und die BC Biochemie mit Kälte, Wärme und Druckluft. Auch die Versorgung mit technischen Gasen und vollentsalztem Wasser ist machbar und ermöglicht den Kunden einen weiteren Schritt zum Unternehmensziel „Konzentration auf den Kernprozess“.
Ohne Vertrauen funktioniert es nicht
Das Pharmaunternehmen BC Biochemie bezieht für mehrere Prozesse Kälte im Contracting, eine Druckluftversorgung ist derzeit in Planung. Ronald Eckert, Technischer Leiter, hat diese Projekte initiiert und begleitet. Im Interview spricht Eckert über seine Erfahrungen und erläutert die Zusammenarbeit zwischen Contracting-Nehmer und -Geber. cav: Herr Eckert, was sind aus Sicht eines Contracting-Nehmers die wichtigsten Vorteile des Contracting? Welche Gründe bewogen Ihr Unternehmen dazu, Kälte und Druckluft von Infraserv Höchst im Contracting zu beziehen?Eckert: Ganz einfach: Energieversorgung ist nicht unser Kerngeschäft, wohl aber das des Contracting-Gebers. Dieser ist nicht nur kompetenter, sondern kann als Großabnehmer die benötigten Anlagenteile kostengünstiger beziehen und diesen Preisvorteil an die Contracting-Nehmer weitergeben. Bei Infraserv Höchst kommt noch dazu, dass die Division Energien als Teil der Betreibergesellschaft für den Industriepark Höchst mehrere Betriebe und Gesellschaften am Standort beliefert. Das ermöglicht kostengünstige Redundanzen und bessere Versorgungssicherheit. cav: Wie gewährleisten Sie die Zusammenarbeit an den Schnittstellen zwischen Ihnen als Contracting-Nehmer und Infraserv Höchst als Contracting-Geber bei der Planung oder bei Verfahrensänderungen?Eckert: In der Planungsphase definieren wir zunächst unsere user requirements, also Zeitpunkt, Zweck, Menge, Qualität usw.. Infraserv erstellt daraufhin eine Grobplanung mit einem einfachen Verfahrensfließbild sowie einem Kosten- und Zeitplan. Erst dann kommt es zum Vertrag. Die Realisierung erfolgt durch Infraserv, an der Inbetriebnahme sind meistens beide Vertragspartner beteiligt. Verfahrensänderungen sind immer ein schwieriges Thema, werden aber durch Contracting nicht zusätzlich erschwert. Eine enge Abstimmung ist nötig und erfordert gegenseitige Einsicht in Produktionspläne, eventuell Produktionsmengen, Verfahren oder geplante Erweiterungen. Contracting funktioniert nicht ohne Vertrauen.cav: Wo sehen Sie potenzielle Probleme bei der Abwicklung von Contracting-Projekten? Wie begegnen Sie Ihnen?Eckert: Ein Problem bestünde dann, wenn einer der beiden Vertragspartner insolvent würde. Dies ist in unserem Fall aber weder bei Infraserv noch bei Biochemie in Sicht. Biochemie ist in den letzten vier Jahren gewachsen und will auch weiter investieren, sonst würde es solch ein Contracting auch nicht geben.Ein anderes mögliches Problem ist die Produktkontamination über die Energieleitung. Dem wird durch das Konzept der Netzstromrücksicherung im Industriepark entgegengewirkt.cav: Gab es innerhalb des Managements Ihres Unternehmens auch Vorbehalte, die Versorgung mit Kälte oder Druckluft an ein Fremdunternehmen abzugeben und sich so über viele Jahre von ihm abhängig zu machen?Eckert: Unsere Erfahrung ist, dass Contracting tatsächlich eine Win-Win-Situation schafft. Ein klarer Vertrag, der die jährliche Zahlung der Abschreibungen, die Finanzierung der Restsumme, das Ausstiegsszenario und die Energieabrechnung eindeutig regelt, minimiert das Risiko. Der Rest ist Vertrauen in den Leistungspartner.
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