Wo bleibt Pharma 4.0?. Warum die Digitalisierung in der pharmazeutischen Industrie nur langsam vorankommt - prozesstechnik online

Warum die Digitalisierung in der pharmazeutischen Industrie nur langsam vorankommt

Wo bleibt Pharma 4.0?

Gernod_Dittel,_Managin_Director,_Cleanroom-Engineering,_Kochel
Vorstandsvorsitzender,Deutsches Reinraum Institut Bild: Dittel Engineering
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Es fehlt nicht an Prognosen, die dem Konzept „Industrie 4.0“ eine goldene Zukunft in der Pharmaindustrie vorhersagen. „Schon in wenigen Jahren werden Tabletten aus dem 3-D-Drucker zum Alltag gehören, genauso wie Virtual-Reality-Anwendungen im Krankenhaus“, prophezeit etwa der Mediziner und Fachautor Bertalan Meskó im Unternehmensbericht 2016 von Boehringer Ingelheim. Doch die Realität sieht anders aus. Speziell der Pharmabereich ist was die Umsetzung der modernen Technologien anbelangt ein notorischer Nachzügler. Für Pharmabetriebe wären durch eine digitale Produktion jedoch große positive Effekte zu vermuten. Da sie bereits heute die Produktionsqualität streng überwachen und dokumentieren müssen, um wirkstoffgleiche Chargen und keine Gefahren hervorzubringen, haben sie einen Anreiz, dies mit neuen Technologien kostengünstiger zu bewerkstelligen. Auch ließe sich durch Automatisierung der Mensch aus dem Produktionsprozess entfernen, der in der Reinraumfertigung kostenintensiv und fehlerträchtig ist. Zum anderen wären innovative Produktionsdesigns möglich, außerdem höhere Fertigungsgeschwindigkeiten, neue Blockbuster-Medikamente und flexiblere Losgrößen.

Was sind also die Gründe für diese zögerliche Herangehensweise? Erstens lässt sich mit den bisherigen Methoden im Pharmasektor noch richtig gut Geld verdienen. Die Branche ist es gewohnt, ihre Produkte mit hohen Margen absetzen zu können. In so einer bequemen Situation fehlt die Motivation, bisherige Abläufe über den Haufen zu werfen. Zweitens ist im Pharmamarkt nicht zu erwarten, dass kleine und neue Start-ups durch die Digitalisierung die Branchen aufrollen und den etablierten Platzhirschen das Fürchten lehren. Dafür sorgt das hohe regulatorische Normierungsniveau. Es wirkt im Pharmasektor wie eine Marktzutrittsbarriere. Aspirin könnte mittlerweile robotertechnisch in einer Garage hergestellt werden. Das zu probieren, kommt jedoch keinem Start-up in den Sinn, da das Gesetz die Produktion explizit in einem Reinraum vorschreibt.

Industrie-4.0-Konzepte treffen in der Pharmaindustrie also vor allem auf Bedenken und Beharrung – allerdings nicht auf allen Kontinenten. Der bremsende Einfluss von Normen und Ethik fehlt in manchen anderen Ländern. Neue Produktionsverfahren und Arbeitsformen, die bei uns (noch) nicht genehmigungsfähig sind oder nicht als ethisch vertretbar gelten, werden anderswo zum Einsatz kommen.

Das sollte Anlass zum Umdenken geben. Kommt es nicht dazu, wird sich die Forschung und Produktion entweder komplett in Länder wie China verlagern oder die Fertigungstiefe hiesiger Hersteller sinkt bis zu einem gewissen Grad und wird um zugekaufte, GMP-konforme Komponenten ergänzt. Unsere qualitativ hochstehenden, aber innovationsarmen Pharmahersteller werden dann mit innovativen Firmen konfrontiert werden, die geringerer Regulierung unterliegen.


„Trotz aller Hindernisse wird die Industrie 4.0 in der Medizin- und Pharmabranche nicht auf Dauer aufzuhalten sein.“

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