Ölfreie Drehkolbenpumpen mit glattem Gehäuse. Verändertes Design bietet Vorteile bei der Reinigung - prozesstechnik online

Verändertes Design bietet Vorteile bei der Reinigung

Ölfreie Drehkolbenpumpen mit glattem Gehäuse

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Auf der Interpack 2017 hat Netzsch die überarbeitete Version der hygienischen Drehkolbenpumpen T.Sano vorgestellt. Die Ganzmetallpumpen sind mit einem glatten Gehäuse ausgestattet und lassen sich nun noch einfacher reinigen. dei sprach mit Erwin Weber, Leiter der Produktlinie Tornado-Drehkolbenpumpen bei der Netzsch Pumpen & Systeme GmbH, über die Vorteile des neuen Designs.

Herr Weber, auf der Interpack 2017 haben Sie die neue T.Sano im Einsatz in einer Schokoladenmaschine das erste Mal präsentiert. Woran kann man die neue Pumpe erkennen?

Weber: Im Vergleich zum Vorgängermodell hat das neue Design unserer Drehkolbenpumpe T.Sano ein glattes Gehäuse, auf dem sich kaum Schmutz und Staub ablagern kann.

Was war der Auslöser für die weitere Verbesserung der Baureihe?

Weber: Die Entwicklung wurde sowohl von uns selbst als auch von unseren Kunden angetrieben. Da unsere Schwesterfirma, die Netzsch Feinmahltechnik GmbH, stark in der Schokoladenbranche vertreten ist und unsere Pumpen in den Maschinen eingebaut sind, haben wir gemeinsam das glatte Design vorangebracht. Ein wesentlicher Punkt war aber auch die von uns angestrebte Zertifizierung nach 3-A-Sanitary-Standard für die T.Sano-Pumpen, sodass wir auch den amerikanischen Markt bedienen können. Mit dem bisherigen Design der Pumpen mit den Rippen am Gehäuse im Bereich des Pumpenlagers wäre eine solche Zertifizierung nicht möglich gewesen.

Welche Voraussetzungen sind für eine 3-A-Zertifizierung zu erfüllen?

Weber: Die Gesellschaft legt neben Materialien und Sauberkeit im Produktionsprozess großen Wert auf die Außenkonturen der Komponenten, d. h. es sollten möglichst wenig Ecken, Kanten und Toträume vorhanden sein, damit sich kein Staub ansetzen kann. Dem Zertifizierungsprozess wollen wir uns im Laufe des Jahres unterziehen. Da die Pumpe bereits bei der EHEDG-Zertifizierung hervorragende Ergebnisse lieferte, weil ihr Pumpenraum 100 %ig zu reinigen war, sind wir uns nun sicher, auch für die Zertifizierung nach 3-A-Sanitary-Standard ein positives Ergebnis zu erzielen.

Was mussten Sie für das neue Design der T.Sano baulich verändern?

Weber: Nicht viel. Lediglich zwei Komponenten mussten entsprechend angepasst werden, der Lagerstuhl und das Pumpengehäuse, also zwei statische Bauteile an der Pumpe.

Warum wurden die T.Sano-Pumpen, die ja für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie konzipiert sind, nicht von Anfang an mit einem glatten Gehäuse ausgestattet?

Weber: Dass wir nicht gleich ein glattes Gehäuse verwendet haben, liegt daran, dass wir bislang mit der Drehkolbenpumpe nicht so tief im Hygienemarkt verwurzelt waren. Die Tornado-Drehkolbenpumpen nach der T2-Pumpenbauart, zu denen auch die T.Sano-Pumpen gehören, wurden zunächst für die Industrie, insbesondere die chemische Industrie, entwickelt. Nach der Markteinführung der Dampflokbaureihe haben wir gesehen, dass die Pumpen nicht nur durch ihre Totraumfreiheit sondern auch durch ihre Ölfreiheit sehr interessant für Lebensmittelhersteller sind.

Welche Vorteile bietet die T2-Pumpenbauart dem Anwender?

Weber: Bei den Drehkolbenpumpen der Baureihe Tornado T2 wurde das Gleichlaufgetriebe der Vorgängerbaureihe T1 gegen einen Zahnriementrieb getauscht. Die Nachteile des Gleichlaufgetriebes, seine Komplexität und die damit verbundenen hohen Kosten bei der Herstellung der Pumpe wurden so beseitigt. Auch lässt sich ein Gleichlaufgetriebe so gut wie nicht in der Anlage reparieren. Wir sind dann in der Entwicklung auf die Idee gekommen, das Ganze mit einem Zahnriementrieb zu realisieren. Der Zahnriementrieb ist eine bekannte Technologie und nahezu wartungsfrei. Auf die Technologie, den Zahnriemen in einer Pumpe einzusetzen, um diese anzutreiben und gleichzeitig die Kolben zu synchronisieren, haben wir auch ein Patent. Im Havariefall kann der Zahnriemen durch jeden Monteur im Feld ausgetauscht werden. Wir bieten mit dieser Technik also echten Full Service in Place.

Was genau bedeutet Full Service in Place für die Drehkolbenpumpe?

Weber: Unsere Pumpen sind nahezu wartungsfrei. Sollte dennoch eine wichtige Komponente ausfallen, ist der sogenannte Full Service in Place möglich. Das bedeutet, es lassen sich im Pumpenraum Kolben und Gleitringdichtungen tauschen oder falls notwendig auf der Motorseite der Zahnriemen auswechseln, ohne die Pumpe auszubauen. Der Drehkolbenwechsel ist mit wenigen Handgriffen möglich, weil die Kolben nicht mit der Welle verschraubt, sondern mit leicht zugänglichen Spannelementen fixiert sind. Durch die einfache Geometrie der Drehkolben lässt sich jeder Kolben unabhängig von den anderen ein- und ausbauen. Mit einer im Frontdeckel integrierten Einstell- und Montagelehre zur Positionierung der Drehkolben ist diese Tätigkeit einfach zu erledigen. Die Gleitringdichtungen werden gemeinsam mit den voreingestellten Drehkolben auf die Welle gesteckt.

Welche weiteren Merkmale besitzen die T.Sano-Pumpen?

Weber: Mit der T.Sano haben wir uns gezielt im Hygienemarkt platziert. Die Pumpe für die Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie gibt es nur in der Ganzmetallausführung. Das hat den Vorteil, dass kein Gummiabrieb und keine Gummistückchen in das Produkt gelangen können. Zudem lassen sich mit der Ganzmetallausführung sehr aggressive Medien fördern. Ein Vorteil des Zahnriementriebs ist, dass die Pumpen ölfrei betrieben werden, sodass Verunreinigung mit Mineralöl wie sie im letzten Jahr beispielsweise in der Schokolade eines namhaften Herstellers aufgetaucht sind, nicht vorkommen können.

In welchen Bereichen kommen die hygienischen Drehkolbenpumpen zur Anwendung?

Weber: Die ersten T.Sano-Pumpen, die wir in den Markt gebracht haben, wurden in der Getränkeindustrie eingesetzt. Sie fördern Orangen- und Apfelsaftkonzentrat. Weitere Anwendungsgebiete waren dann Brauereien und Brennereien oder die Milchindustrie. Hier werden beispielsweise Käsebruch und Joghurt gefördert. Als wir die ersten Referenzen hatten, sind viele Kunden auf uns aufmerksam geworden, für die die Ölfreiheit in der Pumpe besonders wichtig war und auch die absolute Totraumfreiheit. Diese erreichen wir auch dadurch, dass die Drehkolben nicht wie bei konventionellen Pumpen mit einer Schraube auf der Welle befestigt werden, sondern außerhalb des Pumpenraums. Durch den Riementrieb können wir den Motor nach oben setzen, was die Pumpe noch einmal kompakter macht. Das ist ebenfalls häufig ein Argument für den Kauf.

Gibt es Grenzen für den Einsatz der Drehkolbenpumpen?

Weber: Netzsch ist ja auch bekannt für seine Exzenterschneckenpumpen. Es gibt etliche Anwendungen, in denen man beide Systeme einsetzen könnte, denn beide Systeme fördern das Produkt sehr schonend. Hat man extrem empfindliche Produkte wie Marmelade mit Erdbeerstücken, empfiehlt sich tatsächlich eher die Exzenterschneckenpumpe, da diese durch die spezielle Geometrie von Rotor und Stator noch ein wenig schonender fördert. Ein weiteres Kriterium ist die Viskosität des Fördermediums. Hohe Viskositäten können grundsätzlich auch mit der T2-Drehkolbenpumpe gefördert werden. Exzenterschneckenpumpen haben aber die bessere Ansaugleistung bei hohen Viskositäten. Während diese also bis zu 1 000 000 mPas problemlos bewältigen, sind die Drehkolbenpumpen auf etwa 100 000 bis 150 000 mPas beschränkt. Wir haben aber auch schon Teig mit der Drehkolbenpumpe gefördert. Wichtig ist in diesem Fall, dass das Produkt von oben in die Drehkolbenpumpe gegeben wird. Steht nur wenig Platz zur Verfügung, wird man sich aufgrund der Kompaktheit ebenfalls eher für die Drehkolbenpumpe entscheiden.

Gibt es die Möglichkeit, vorab Tests mit den neuen Pumpen durchzuführen?

Weber: Ja. Wir regeln das über Probevereinbarungen. Der Kunde kann die Pumpe über einen mit ihm vereinbarten Zeitraum testen und wenn sie die vereinbarten Kriterien erfüllt, wird sie käuflich übernommen. Wenn der Kunde nicht die Möglichkeit hat, die Pumpe bei sich zu testen, bieten wir in unserem großen Technikum einen Kundenapplikationsraum. Kürzlich hatten wir einen Test mit Erdbeerjoghurt. Zu fördern war nur die Frucht, die ja durch die vielen kleinen Körnchen sehr abrasiv ist. Wir haben Tests gefahren, um zu sehen, wie sich Verschleiß einstellt.

Kann ich meine Pumpen weltweit warten lassen?

Weber: Wir haben neben Waldkraiburg noch drei andere Fabrikationsstandorte in Brasilien, China und Indien. Die Lebensmittelpumpe T.Sano wird aber ausschließlich in Waldkraiburg gefertigt und von dort in alle Länder der Welt verkauft. Sollten Probleme bei der Pumpe auftauchen, können sich die Kunden an Servicetechniker vor Ort wenden. Wir haben ein weltweites Servicenetz mit einer Netzsch-Niederlassung in jeder größeren Region auf der Welt. Gängige Ersatzteile wie Kolben und Dichtungen können in der Regel weltweit innerhalb von 24 h geliefert werden. Andere Teile, die nicht auf Lager sind, beispielsweise Gehäuseteile, haben etwa 14 Tage Lieferzeit.

Können wir in naher Zukunft mit weiteren Neuerungen bei den Drehkolbenpumpen rechnen?

Weber: Momentan arbeiten wir daran, das Baugrößenspektrum zu erweitern. Wenn man mit einer neuen Baureihe startet, beginnt man zunächst mit den Baugrößen, die am häufigsten genutzt werden. Aber wir wollen natürlich auch die Nischenmärkte erobern. Außerdem ist die digitale Vernetzung bei uns ebenfalls ein großes Thema.

Vielen Dank für das Gespräch.

www.prozesstechnik-online.de
Suchwort: dei0617netzsch


Daniela Held

Redakteurin, dei – die ernährungsindustrie

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