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Hygienepumpen aus Hamburg

Fristam feiert 111-jähriges Firmenjubiläum
Hygienepumpen aus Hamburg

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1909 übernahm Friederich Stamp eine kleine Klempnerei. Die ersten drei Buchstaben seines Vor- und Zunamens gaben dem kleinen Unternehmen seinen Namen. Heute gehört Fristam zu den wichtigsten Herstellern von hygienischen Pumpen. Im Interview blicken Joachim Friedsch und Wolfgang Stamp auf eine erfolgreiche 111-jährige Firmengeschichte zurück, die eng mit der Stadt Hamburg verbunden ist.

Herr Stamp, alle reden über Corona. Wir tun das auch. Wie ist Ihr Unternehmen bisher durch die Krise gekommen?

Wolfgang Stamp: Natürlich sind das schwierige Zeiten und es ruckelt ein bisschen. Aber besonders in China und den USA geht es wieder los, steigt die Nachfrage nach unseren Pumpen wieder. Ich denke, dass wir trotz allem gut durch dieses Jahr kommen werden. Als Optimist rechne ich sogar mit einer leichten Umsatzsteigerung.

Springen wir von der Gegenwart ins Jahr 1909. Damals hat Ihr Urgroßvater Fristam gegründet. Erläutern Sie bitte, wie es dazu kam.

Stamp: Unser Urgroßvater hat hier in Hamburg im Bergedorfer Eisenwerk gearbeitet, das unterschiedlichste Maschinen für Molkereien gefertigt hat. 1909 übernahm er dann eine kleine Klempnerei, mit der er sich selbstständig gemacht hat.

Mit welchen Maschinen ging er damals an den Start?

Stamp: Mit Rahm- und Käsewannen, Kühlanlagen sowie kompletten Einrichtungen für Landmolkereien. Durch seinen vorherigen Arbeitgeber kannte er diese Branche recht gut und wusste, welche Gerätschaften dort benötigt wurden. Da die Verarbeitung von Milch hohe hygienische Anforderungen stellt, begleitet uns das Thema Hygienic Design von Anfang an – gehört also zur DNA von Fristam.

Wichtig für die Firmenentwicklung ist auch das Jahr 1931. Damals verließ die erste Pumpe das Werk. Was war das für eine Pumpe?

Stamp: Um sein Angebot für Molkereien zu vergrößern, begann unser Urgroßvater selbstansaugende Kreiselpumpen zu bauen, die auch heute noch Teil unseres Produktprogramms sind.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Ihr Unternehmen komplett auf den Bau von hygienischen Edelstahlpumpen spezialisiert. Welche Pumpen gehören zum aktuellen Produktprogramm Ihres Unternehmens?

Stamp: Unser Produktportfolio reicht von den bereits erwähnten Kreiselpumpen für niedrigviskose Medien über Verdrängerpumpen für hochviskose Produkte wie Honig bis zu Doppelschraubenpumpen, die sowohl hoch- als auch niedrigviskose Produkte fördern können. Hinzu kommen Shearpumpen, die Teil unserer Pulvermischanlagen sind. Summa summarum bieten wir unseren Kunden 12 Pumpenbaureihen an. Durch ihre massive Bauweise mit Mindestwandstärken von 6 mm bleiben sie selbst bei hohem Förderdruck formstabil, betriebssicher, geräuscharm und unempfindlich gegen Druckstöße.

Während sich die einen Hersteller auf einen Pumpentyp spezialisiert haben, setzt Fristam auf ein vergleichsweise breit gefächertes Pumpenprogramm. Welche Vorteile bringt diese Diversität?

Stamp: Wir sprechen hier immer von unserem Komplett-Komplett-Komplettprogramm und meinen damit, dass wir mit unserem Pumpenportfolio in der Lage sind, für jede Förderaufgabe eine geeignete hygienische Lösung anbieten zu können.

Joachim Friedsch: Und diese Diversität ist natürlich auch ein Alleinstellungsmerkmal. Denn selbst unter unseren großen Wettbewerbern gibt es niemanden, der so ein breites Pumpenproduktportfolio wie wir hat.

Auf den ersten Blick passen die Pulvermischanlagen gar nicht zu Fristam. Wie sind sie ins Produktprogramm gekommen?

Stamp: Über unsere Shearpumpen der Baureihe FSP. Diese Pumpen, die kaum Förderleistung haben, sondern ausschließlich dem Mischen von festen und flüssigen Medien dienen, sind das Herzstück der Pulvermischanlagen.

Erläutern Sie bitte die Funktionsweise der Shearpumpen.

Friedsch: Die Pumpen wurden auf Grundlage der bewährten Kreiselpumpen der Baureihen FP entwickelt. Anstelle des Laufrades zieht hier ein Rotor-Stator-System mit Umfangsgeschwindigkeiten von bis zu 38 m/s inhomogene Medien durch Scherspalten mit einer Größe von 0,5 mm. Aufgrund der hohen Strömungsgeschwindigkeiten im Rotor-Stator-System und der hohen Scherrate von bis zu 125 000 1/s werden mehrphasige Produkte höchst effizient vermischt. Die CIP-fähigen Pumpen stehen in fünf Baugrößen zur Verfügung und bewältigen Viskositäten von bis zu 100 000 mPas.

Seit 2016 gehören auch die Doppelschraubenpumpen der Baureihe FDS zum Produktprogramm von Fristam. Herr Friedsch, was waren die Auslöser für die Produktion dieser Pumpen?

Friedsch: Wie alle Verdrängerpumpen eignet sich die FDS einerseits sehr gut für die Förderung hochviskoser Medien. Andrerseits erreicht sie hohe Drehzahlen von 3600 min-1 und ist somit auch in der Lage, niedrigviskose Medien wie Wasser und CIP-Reinigungslösungen mit höchstem Durchsatz zu fördern. Das heißt, die FDS ist Prozess- und Reinigungspumpe in einem. Und genau solch eine Pumpe fehlte bis 2016 in unserem Portfolio.

Welche Vorteile bieten die Doppelschraubenpumpen der Baureihe FDS dem Anwender?

Friedsch: Die sind äußerst vielfältig und reichen vom einfachen Wechsel der Gleitringdichtungen über eine hohe Flexibilität bei den Prozessanschlüssen bis hin zu einer äußerst massiven Welle. Hinzu kommt eine breite Auswahl an Förderschrauben. Diese beeinflussen Fördervolumen, Förderdruck und die Größe förderbarer Partikel. Bei allen Pumpen ist die Druckfestigkeit standardmäßig
25 bar.

Lassen Sie uns über den Wechsel der Gleitringdichtung sprechen. Warum ist dieser bei der FDS so einfach?

Friedsch: Weil sie wartungsfreundlich konstruiert ist. Der Wechsel der Gleitringdichtung ist mit vier Handgriffen erledigt: Zuerst werden Pumpendeckel und -gehäuse voneinander getrennt, dann die beiden Förderschrauben entnommen. Danach müssen nur noch die Positionsschlüssel, die die Dichtung fixieren, entriegelt werden und die Gleitringdichtung kann leicht gewechselt werden. Ebenso einfach ist die Einstellung der Förderschrauben zueinander. Im Unterschied zu einigen Wettbewerben, erfolgt sie bei der FDS im montierten Getriebekasten.

Wie erreichen Sie die große Flexibilität bei den Prozessanschlüssen?

Friedsch: Durch den dreiteiligen Aufbau der Pumpen. Sie bestehen aus einem Zwischenflansch, dem Schraubengehäuse und dem Pumpendeckel. Dieser Aufbau ermöglicht nicht nur vielfältige Prozessanschlüsse und eine problemlose Integration in das Prozessumfeld beim Kunden, sondern hat auch den Vorteil der Wartungsfreundlichkeit.

Die FDS-Doppelschraubenpumpen sind mit äußerst massiven Wellen ausgestattet. Warum?

Friedsch: Bei der Konstruktion der Wellen haben wir auf eine Verstärkung im Bereich der kritischen Durchmesser geachtet. Daraus resultieren eine optimale Steifigkeit, auch in sehr hohen Druckbereichen, eine ausgezeichnete Laufruhe sowie vergleichsweise niedrige Betriebstemperaturen selbst bei hohen Belastungen. In Summe führt das zu einer deutlich verlängerten Lebensdauer der FDS-Doppelschraubenpumpen.

Welche Produkte lassen sich mit den FDS-Pumpen fördern?

Friedsch: Im niedrigviskosen Bereich sind das zum Beispiel Milch und Fruchtsäfte, aber eben auch Fruchtpürees, Shampoos und Cremes mit hoher Viskosität. Ausgelegt sind die FDS-Doppelschraubenpumpen für für Viskositäten bis maximal 1 000 000 mPas. Außerdem eignen sie sich für die schonende Förderung von feststoffbeladenen Produkten, also beispielsweise Joghurt mit ganzen Früchten.

In welchen Werkstoffen bieten Sie die Pumpen an?

Friedsch: Die produktberührten Komponenten bestehen in der Regel aus den Edelstahlqualitäten 316 L oder 4404. Möglich sind aber auch Hastelloy und im Extremfall Titan. Werkstoff- und konstruktionsseitig erfüllen wir die Vorgaben der EHEDG, der FDA und des 3A-Sanitary-Standards. Hinzu kommen diverse nationale Hygienevorgaben, beispielsweise für China und Indien.

Welche Förderleistung decken die Doppelschraubenpumpen ab?

Friedsch: Die FDS gibt es in vier Baugrößen, die – je nach Medium – Förderleistungen von 20 bis 180 m3/h abdecken.

Für welche Arbeitstemperaturen sind die Pumpen ausgelegt?

Friedsch: Standardmäßig sind sie für Betriebstemperaturen bis 150 °C geeignet. Wir bieten aber auch Sonderausführungen bis 220 °C an.

Und wie sieht es mit dem Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen aus?

Friedsch: Auch der ist möglich. Auf Anfrage stehen die Pumpen ATEX-konform zur Verfügung.

Ganz neu im Produktprogramm Ihres Unternehmens ist die Twin Speed Gearbox. Was steckt dahinter?

Friedsch: Das ist eine spezielle Ausführung der FDS-Doppelschraubenpumpe, genauer gesagt ihres Antriebs. Das Getriebe dieser Pumpenausführung mit dem Namen FDS TSG verfügt über eine Freilauffunktion, mit deren Hilfe auf hohe und niedrige Drehzahlen umgeschaltet werden kann. Auf diese Weise ist die Doppelschraubenpumpe in der Lage, ihren technisch möglichen Drehzahlbereich vollständig auszunutzen, ohne den Limitierungen eines Standardmotors zu unterliegen.

Welche Vorteile ergeben sich daraus für den Anwender?

Friedsch: Die installierte Motorleistung lässt sich so um ein bis zwei Baugrößen reduzieren. Bei sinkenden Investitionskosten profitiert der Anwender von einer deutlich verbesserten Energieeffizienz über das gesamte Drehzahlband der Pumpe. So werden die installierten Motoren und Frequenzumrichter kleiner und der Energieverbrauch im Betrieb sinkt. Mit anderen Worten: Unabhängig davon, ob das zu fördernde Produkt hoch- oder niedrigviskos ist, arbeitet die Pumpe immer energieeffizient.

Fristam Pumpen, Hamburg


Das Interview führte für Sie: Lukas Lehmann

stellv. Chefredakteur


„Da die Verarbeitung von Milch hohe hygienische Anforderungen stellt, begleitet uns das Thema Hygienic Design von Anfang an – gehört also zur DNA von Fristam.“


Fristam: Zahlen & Fakten

Hauptabnehmer der hygienischen Fristam-Pumpen sind Hersteller von Molkereiprodukten, Lebensmitteln und Getränken. Zum Kundenkreis des Unternehmens zählen aber auch die pharmazeutische und kosmetische Industrie sowie die Feinchemie.

Die Pumpen für den deutschen und europäischen Markt werden in Hamburg und im niedersächsischen Schaumburg produziert. Daneben unterhält Fristam produzierende Tochterunternehmen in den USA, Indien und China. Sie übernehmen neben Vertriebsniederlassungen in allen wichtigen europäischen Ländern sowie in Singapur, Japan und Neuseeland den weltweiten Vertrieb der Fristam-Pumpen.

In Deutschland beschäftigt das Hamburger Traditionsunternehmen etwa 125 Mitarbeiter, weltweit sind es
ca. 360. 2019 lag der Umsatz bei 108 Mio. Euro. Davon wurden 15 % in Deutschland erwirtschaftet und 85 % im Ausland.



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